Das Kreuz mit den Patriarchen

Griechisch-orthodoxe Frauenklöster seien mystisch und für TouristInnen ein Abenteuer, schwören Einheimische. Eindrücke vom Ordensleben in Griechenland, festgehalten von Petra Klikovits (Text) und Alexandra Grill (Fotos).

Hinter den dicken weißen Mauern des Kloster Loukous angekommen, ist sofort klar, was die Nonnen meinen, wenn sie in ihrer Klosterbroschüre sagen, „dass die Seele Sauerstoff benötigt, um im Klima der Einöde und reinen Atmosphäre, fernab von Lärm und den Mikroben der Sünde, den Lobpreis der göttlichen Liebe zu komponieren“. Im Innenhof mit den korinthischen Säulenkapitellen und Hibiskussträuchern sammeln gerade zwei Nonnen Laub. Als sie uns sehen, huschen sie in das Gemäuer, das einst Sitz einer geheimen Schule war. Ihr Verhalten passt nicht zur gastfreundlichen Einladung der Oberin, die plötzlich keine Zeit für uns hat. Auch die Nonne, deren Teenager-Nichten Mary und Magda hier wohnen, lässt sich nicht blicken. Und jene, die Ärztin war und Deutsch spricht, sei unpässlich, heißt es.

FAST TAUSEND JAHRE GESCHICHTE
Loukous liegt auf halbem Weg zwischen der uralten Stadt Astros und dem Dorf Kato Doliana und ist eines der vielen Frauenklöster Griechenlands. Lange Zeit, das frühchristliche Leben hier begann im 5. Jahrhundert, wurde es von Mönchen bewohnt. Auf den Überresten einer ersten Basilika errichteten sie 1117 eine zweite und weihten sie der „Verklärung Christi“. Seit 70 Jahren leben nun Nonnen hier. Aktuell sind es zwölf. So wie die ersten Ordensfrauen, deren Äbtissin übrigens Christonymphe hieß, haben auch sie sich der Armenhilfe verschrieben.

So wie damals sind auch die Nonnen heute dem Erzbischof von Mantineia und Kynouria zu Gehorsam verpflichtet. Sogenannte „stavropegiale“ Klöster unterstehen aus historischen Gründen wiederum direkt dem Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomäus I. 

KEINE FRAGEN,BITTE!
Vielleicht hilft ein Stoßgebet in der byzantinischen Kuppelkirche, um doch noch die stattliche Bibliothek, Segenskreuze, Kelche und Ikonen sehen zu dürfen. In dem Moment kommt eine junge Nonne und sperrt uns die Tür zum Gotteshaus auf. Wir bewundern die Fresken und die Nonne beginnt zu erzählen: „1826 fiel der osmanisch-ägyptische General Ibrahim Pascha al Wali hier ein. Ein Soldat schändete das gemalte Gesicht des heiligen Eusthatius. Sofort trat Blut aus dessen Augen. Das verschreckte die Krieger so sehr, dass sie flüchteten. Die Rettung für Loukous!“ Von der Nonne erfahren wir auch, dass der Bischof ihnen verboten habe, mit uns „Fremden“ zu reden. Deshalb seien alle so verschüchtert. „Auch ich habe Angst vor euren Fragen“, sagt sie und lächelt verlegen. Als wir aufbrechen wollen, lädt sie uns auf einen Kaffee ein.

Lesen Sie weiter in „Welt der Frau“ 04/16.

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Die Nonne Sebastiana vor ihrer Zelle. Sie ist die einzig verbliebene Nonne in Elonis.

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Auf dem Weg ins Kloster Elonis blockieren Ziegen die Straße und animieren uns zum Rasten und Innehalten. Psalm 23 nimmt Gestalt an: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“

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Der kreuzförmige Stamm des Klosterbaums in Loukous erinnert an die Mythologie des „Lebensbaums“ als Symbol der kosmischen Ordnung. Seine Wurzeln reichen tief in die Erde, während seine Wipfel den Himmel berühren.

 

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In Loukous leben zwölf Nonnen und zwei Teenager-Mädchen. Porträtfotos sind verboten. Ablichten dürfen wir sie nur beim Müllentsorgen und Laubsammeln.

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Erschienen in „Welt der Frau“ 04/16 – von Petra Klikovits & Alexandra Grill

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