Papas in Karenz

Jenseits von Väterromantik und Künstlerkitsch hat der Fotograf Johan Bävman in seinem Buch „Swedish Dads“ schwedische Väter mit ihren Kindern abgelichtet und zeigt, wie der Alltag so sein kann zwischen Pritschelabenteuern in der Abwasch, Brei- und Suppefüttern im Akkord und einfach nur Dasein.

 

Juan Cardenal (34), Industriedesign-Student, nahm mit seinem Sohn Ivo und seiner Tochter Alma jeweils neun Monate Väterkarenz.

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„Meine spanische Familie hat mich mit Fragen gelöchert, als ich erzählte, dass ich eine Auszeit nehmen werde, um bei meinen Kindern zu sein. Meine spanischen Freunde gaben zu, dass sie neidisch sind, weil sie nicht die Möglichkeit haben, so lange zu Hause bei ihren Kindern zu bleiben. Meine etwas älteren Verwandten äußerten ihre Zweifel, ob ich in der Lange sein würde, mit meinen Kindern umzugehen. Ich glaube, dass es mir durch die lange Väterkarenz leichter fällt, zu meinen Kindern eine Beziehung aufzubauen, als Vätern, die nicht zu Hause bleiben. Mein Job als Vater hört nicht auf, nur weil meine Karenz endet. Kindererziehung ist ein Job, den ich für den Rest meines Lebens machen werde. Aber die Karenz veränderte meinen Blick auf das Leben. Ich hatte Zeit, über Dinge nachzudenken. Während meiner ersten Karenz wechselte ich den Job, und während der zweiten orientierte ich mich beruflich neu. Zur selben Zeit sah ich zu, wie meine Kinder gehen und reden lernten.“

 


 

Samad Kohigoltapeh (32), Bauingenieur, nahm vier Monate gemeinsame Elternzeit, dann sechs Monate Väterkarenz mit seinen Zwillingen Parisa und Leia.

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„Die Kinder waren nicht geplant. Es war ein Schock, als wir von der Schwangerschaft erfuhren, und der Gedanke, Vater zu werden, machte mich wirklich nervös. Ich googelte ‚Fötus in der zwölften Woche‘ und wusste, wir konnten die geplante Abtreibung einfach nicht mehr durchziehen. Seit wir die Entscheidung getroffen haben, zwei neue Individuen in die Welt zu setzen, müssen wir Verantwortung übernehmen und sie ihr ganzes Leben lang begleiten. Der Grund dafür, dass Väter während der ersten Monate nach der Geburt nicht da sind, ist mangelndes Wissen. Babys brauchen beide Eltern, die von Anfang an für sie da sind. Mit meiner Frau gab es viele Diskussionen, bis ich meine Zeit mit den Kindern bekommen habe. Ich bin überzeugt davon, dass die Kinder eine Vaterfigur brauchen, die von Anfang an da ist. Darum war es auch wichtig für mich, so viel Väterkarenz nehmen zu können, wie ich wollte.“

 


 

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Andreas Bergström (39), Bewährungshelfer in leitender Position, war nach der schwierigen Geburt seines ersten Sohnes Elliot zu Hause, mit Sohn Sam reduzierte er seine Berufsarbeitszeit auf 25 Prozent und nahm sechs Monate Väterkarenz.

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Peter Herkel (33), Journalist, Zwölf Monate Väterkarenz mit Tochter Mira.

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Nils Jarbo (33), Designer/Illustrator, nahm bei seinem ersten Kind Bibi zu gleichen Teilen Karenz wie seine Frau und ging auch bei Tochter Doris in Karenz.

 


 

Das Fotoprojekt: „Swedish Dads“

36_SwedishDads_JohanBavman_151110-screen-1 WEBFotokünstler Johan Bävman versammelt in seinem Buch „Swedish Dads“ 45 Väter zum Vater-Kind-Meeting. Das Foto-Feature entstand nach der Geburt seines Sohnes Viggo. Bävman, der selbst neun Monate Väterkarenz nahm, ging der Frage nach, weshalb selbst in Schweden, dem Musterland der Gleichberechtigung, nur 14 Prozent der Väter das Angebot des Staates von 480 Tagen Elternurlaub in Anspruch nehmen. Er wollte wissen, wie Väter ihre ­Karenz erleben, und er möchte mit seinem Foto-­Feature einen Beitrag für mehr Gleichberechtigung leisten.

Johan Bävman: Swedish Dads. Johan Bävman Verlag, 20 Euro

 


Den gesamten Artikel lesen Sie in der Printausgabe.

Erschienen in „Welt der Frau“ 06/17 – von Johan Bävman

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