Reden wir über … Ideen
Wenn der Funke zündet

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Die Buchautorin, Grafikdesignerin und Naturpädagogin Caroline Hosmann im Gespräch über Ideen – und warum es ihr wichtig ist, diese mit anderen Menschen zu teilen.

Frau Hosmann, als Idee bezeichnet man einen Gedanken, nach dem man handeln kann, oder ein Leitbild, an dem man sich orientiert. Was ist eine Idee für Sie?
Caroline Hosmann: Beides. Es sind Gedanken, die sich an einem Leitbild orientieren – ob einem das nun bewusst ist oder nicht.

Wann ist eine Idee für Sie ein Gedanke, der vorbeigeht, wann ist sie zündend?
Zündend ist sie, wenn sie zum Leitbild passt. Aber was macht sie aus? Es gibt so viele Ideen und oft mangelt es an Zeit, um sie umzusetzen. Die Ideen, für die man Feuer und Flamme ist, die setzt man um. Es geht aber auch noch in einem anderen Sinn um Zeit – dass der richtige Zeitpunkt für eine Idee gekommen ist.

Sind Ideen etwas, was Ihnen zufällt, oder müssen Sie auch etwas dafür tun?
Ich habe das Gefühl, dass sie mir zufallen. Die Ideen kommen ohne Ende. Manchmal, wenn man dringend eine Idee braucht, muss man schon nachdenken und noch mal eine Runde in sich gehen. Aber das ist auch spannend. Denn letztendlich fallen einem die Ideen ja dann doch wieder zu.

Wie kommen Sie auf Ideen?
Da spielen meistens mehrere Faktoren zusammen. Inspiration. Wenn man etwas Schönes findet oder sieht, zum Beispiel ein Material oder etwas in der Natur. Wenn man sich mit Leuten austauscht. Und dann gibt es natürlich noch die Kinder mit ihren eigenen Ideen.

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Caroline Hosmann gründete eine Naturkindergruppe und arbeitet zudem als Autorin und Bloggerin.

In Ihrem Buch und auf Ihrem Blog finden sich viele Ideen und Anregungen. Ist es Ihnen wichtig, Ihre Ideen nach außen zu tragen und zu teilen?
Unbedingt! Das war eigentlich der wichtigste Beweggrund, um mit dem Bloggen anzufangen. Es bringt nichts,  ein Rezept zu hüten wie ein Geheimnis. Da hat keiner was davon. Ich habe erst letztens ein Sprichwort gelesen, das lautet: „Was man nicht teilt, geht verloren.“ Das fand ich sehr schön.

Wie gehen Sie mit Ideen um? Schreiben Sie die erst mal auf oder kommen Sie gleich zur Umsetzung?
Wenn eine Idee zündend ist, will ich sie sofort umsetzen. Dafür braucht’s aber Zeit und die ist im Alltag mit Kindern nicht immer vorhanden.

Was schätzen Sie, wie viele Ihrer Ideen Sie umsetzen?
Von allen Ideen vielleicht ein Drittel. Die Listen werden immer länger. Das fuchst mich schon ein bisserl. Von einigen Ideen muss man sich dann verabschieden oder sie verstreichen mit der Zeit. Aber wenn ich eine Idee richtig spannend finde, möchte ich sie sofort angehen – was auch nicht immer ideal ist.

Warum?
Weil man sich dann oft bremsen muss oder gebremst wird.

Verlieren Ideen an Kraft, wenn sie nicht sofort umgesetzt werden?
Vielleicht soll das so sein. Bestimmt gehen welche verloren, aber es bleiben genügend über. Ich habe das Glück, viele Ideen im Alltag und gemeinsam mit meinen Kindern umsetzen zu können. Ich muss nicht Prioritäten setzen und meine Kinder abgeben, um meine Ideen zu verwirklichen. Da gibt es keine getrennten Welten, da geht viel ineinander. Nur schlafen muss man irgendwann auch.

Sind Menschen von Natur aus kreativ?
Ja, doch, auf jeden Fall. Man kann ja in verschiedenen Bereichen kreativ sein. Nicht jeder muss handwerklich begabt sein. Eine Leserin hat mir geschrieben, dass ihr das Handarbeiten in der Schule vergällt worden ist. Wenn sie keine Freude daran hat, nützt es nichts. Aber vielleicht kommt das Interesse irgendwann wieder oder sie kann auf andere Weise kreativ sein.

Wenn es eine Ihrer Ideen in die Umsetzung schafft, sind Sie dann jemand, der etwas anfängt und fertig macht – oder gibt es auch Dinge, die unvollendet bleiben?
Es gibt wahnsinnig viele Dinge, die ich anfange und die dann liegen – oft sogar sehr lange. Aber sie sind immer da und irgendwann werden sie auch fertig. Oder ich trenne mich von ihnen. Aber grundsätzlich habe ich schon das Bedürfnis, etwas irgendwann einmal abzuschließen. Das kann manchmal Jahre dauern. Da gibt es Projekte, die zwei, drei Jahre brauchen, obwohl man sie in einer Woche machen könnte. Aber es sind halt so viele andere Sachen dazugekommen, so viele andere Ideen.

Stressen Sie angefangene Dinge oder können Sie diese einfach liegen lassen?
Das ist schon etwas, was mich nicht in Ruhe lässt. Weil’s auch immer noch auf der Liste ist.

Wie führen Sie denn Ihre Liste?
Ich habe eine Liste im Kopf. Manchmal setze ich zu geschriebenen Listen an, aber die stressen mich dann wirklich, weil sie immer länger werden und so präsent sind. Damit ich nicht so einen Druck habe, habe ich sie umbenannt, von „To-do-Listen“ in „Want-to-do-Listen“. Dann gibt es noch Bücher, in denen ich Ideen schnell aufzeichne oder aufschreibe, damit sie festgehalten sind. Von denen bleiben dann aber viele auch auf dem Papier. Die Ideen, die ich sofort umsetzen muss, schaffen es erst gar nicht auf eine Liste.

Oft spielt der Zufall in den Prozess hinein.

Kennen Sie eigentlich auch den inneren Kritiker?
Persönlich? Ja, klar (lacht)! Der sagt oft: „Das ist eine rechte Schnapsidee!“ Aber manchmal kann ich ihn umstimmen.

Sie lassen sich also nicht ausbremsen?
Nicht mehr so oft.

War das früher anders?
Ja, bestimmt. Aber heute wüsste ich nichts mehr, was mich davon abhält, etwas zumindest auszuprobieren. 

Caroline Hosmann

Jahrgang 1975, geboren und aufgewachsen in Wien, arbeitete nach der Matura und dem Abschluss als Hotel- und Tourismuskauffrau mehrere Jahre in Amerika, Frankreich und Australien. Sie besuchte in Sydney ein College, an dem sie unter anderem Graphic Design studierte, bevor sie 2000 nach München zog und bis zur Geburt ihres ersten Kindes 2005 als Art-Director in Werbeagenturen arbeitete. 2009 gründete Caroline Hosmann eine Naturkindergruppe, über die sie seit 2010 bloggt. Ihre Bücher „Naturkinder“ und „Feiern mit den Naturkindern“ (derzeit in Produktion) erscheinen im Haupt Verlag. www.naturkinder.com

 

Erschienen in „Welt der Frau“ 01/14 – von Alexandra Graf

 

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