Fragen wir doch die Frauen!

Bildschirmfoto 2017-06-20 um 00.13.24
Frauen sind praktisch veranlagte Wesen. Der Frauenrat kommt da gerade recht, dort werden für eine Gemeinde wichtige Themen entwickelt. In Wilhering hat man das ausprobiert.

Was ist mir für mein Leben in meiner Gemeinde ein Anliegen? Was brauchen wir Frauen vor Ort? Was brennt mir unter den Nägeln? Das waren die Einstiegsfragen an 15 Frauen, die sich Anfang März beim Wilheringer Frauenrat zu zwei Workshoptagen zusammenfanden. Eingeladen dazu hatte sie die Gemeinde – denn die wollte wissen, was denn die Frauen im Ort vermissten und brauchten. Die Teilnehmerinnen waren per Zufallsprinzip ausgewählt, was sie zum Start des Frauenrats jedenfalls einte, war die Überzeugung: „Es hängt auch von mir ab, wie sich das Leben in der Gemeinde für Frauen gestaltet.“

GREMIEN VOLLER MÄNNER
„Ich arbeite seit 15 Jahren in der Gemeinde- und Regionalentwicklung, vor allem im Bereich ,BürgerInnenbeteiligung‘. Was sich über die Zeit hinweg kaum verändert hat, sind die männlich dominierten Gremien, die Entscheidungen treffen“, sagt ­Sabine Wurzenberger von der „SPES Zukunftsakademie“. „Männer entscheiden aus ihren Blickwinkeln. Das ist aber nur eine Art und Weise, wie man auf die Welt schauen kann. Wenn ich also von BürgerInnenbeteiligung spreche, ist mir das zu einseitig.“

Wurzenbergers Idee war, ein Format zu entwickeln, das Frauen Raum gibt, ihre Ideen für einen guten Lebensraum zu erarbeiten und auch deren Umsetzung unterstützt. Methodisch anregend dafür war das amerikanische Modell des „Wisdom Council“, also des „BürgerInnen-Rats“. „Die Idee dahinter ist, Menschen per Zufallsauswahl zur Mitarbeit an einem Thema einzuladen. So erreicht man, dass TeilnehmerInnen aus unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten zusammentreffen“, erklärt Wurzenberger.

VIELFALT HAT POTENZIAL
Ihr Konzept für einen Frauenrat nahm konkrete Formen an: Frauen bringen ihre Anliegen ein, überlegen sich Lösungen und schlagen diese dann ihrer Gemeinde vor. Der Startschuss für die Umsetzung kam mit einer Anfrage des Bürgermeisters von Wilhering, Mario Mühlböck. Seine Gemeinde suchte nach neuen Ideen für die Arbeit des Frauenausschusses. In Wilhering ging es dann schnell zur Sache – der Termin für den Frauenrat wurde mit Anfang März festgesetzt, die per Los ausgewählten 150 Wilheringerinnen wurden eingeladen, am ersten Frauenrat teilzunehmen. Die 15 Frauen, die „das Rennen machten“ und sich zum eineinhalbtägigen Workshop, dem Herzstück des Frauenrates, trafen, kamen aus allen Ortsteilen. „Die Jüngste war 17, die Älteste 82 Jahre alt. Alleine daraus ergab sich eine Vielfalt an Themen und Herangehensweisen“, erzählt Sabine Wurzenberger.

KONKRET UND BESSER
Klare Ausgangslage war: Das ist eine überparteiliche und überkonfessionelle Veranstaltung, bei der auch keine politische Vertreterin teilnehmen wird. Erarbeitet werden zwei Themen, die den Frauen vorrangig wichtig erscheinen. Für diese Themen werden machbare Verbesserungsvorschläge erarbeitet. Die Ideen werden dann der Gemeinde und allen Interessierten präsentiert und noch einmal diskutiert. Das Gesamtergebnis geht zurück an die Gemeinde – und die ist dann in Sachen Umsetzung am Zug. „Mein erster Gedanke, als ich die Einladung bekommen habe, war: ,Die Gemeinde will also tatsächlich wissen, was wir Frauen in Wilhering zu sagen haben‘“, erzählt Claudia Deil (52). Sie lebt seit 1989 in Wilhering, ist verheiratet und in Vollzeit berufstätig. „Dass wir so schnell zueinandergefunden haben, hätte ich mir vorher nicht gedacht“, sagt sie über die konstruktive Arbeit.

Lesen Sie den ganzen Artikel in der Printausgabe.

WISSENSWERTES ZU WILHERING

Wilhering ist eine oberösterreichische Marktgemeinde mit ländlichem Charakter, hoher Wohnqualität und breitem Kinderbetreuungs- und Schulangebot. Die Gemeinde liegt donauaufwärts knapp zehn Kilometer von Linz entfernt. Eine Besonderheit der geografischen Struktur sind die 15 Ortschaften, in denen gesamt rund 6.500 EinwohnerInnen leben. Der Ort hat mit Dörnbach, Schönering und Wilhering drei Pfarrzentren, das über 850 Jahre alte Zisterzienserkloster prägt die Gemeinde als kulturelles Zentrum. www.wilhering.at

 

Erschienen in „Welt der Frau“ 06/17 – von Carola Malzner

Dieser Artikel hat Sie neugierig gemacht auf „Welt der Frau“?
„Welt der Frau“ 2 Monate kostenlos testen oder abonnieren.

 

 

Kommentare geschlossen.