Trixi Schuba ist Österreichs erfolgreichste Eiskunstläuferin aller Zeiten. Die Feier nach ihrem Olympiasieg fand wegen Karl Schranz allerdings nicht in Wien, sondern in Linz statt. Und auch bei den »Dopingmitteln« setzte Trixi Schuba auf Außergewöhnliches. Text: Heike Hausensteiner, Foto: Michaela Bruckmüller
Wenn »Holiday on Ice« in Österreich Station macht, sitzt sie immer ganz gespannt in der ersten Reihe. Ihr Herz schlägt schneller. In Gedanken kehrt sie zurück in die Zeit, als sie selbst mit Anfang 20 zur größten Eisshow der Welt ging. Davor hatte sie den bedeutendsten Triumph im österreichischen Eiskunstlauf gefeiert. Trixi Schuba gewann 1972 bei den Olympischen Spielen in Sapporo (Japan) die Goldmedaille, das zweite und bisher letzte Mal für Österreich in dieser Disziplin.
In ihrer Heimatstadt Wien war man, von der hohen Politik abwärts, damit beschäftigt, Karl Schranz zu feiern: Der Skifahrer war wegen einer verbotenen Werbeaufschrift bei denselben Winterspielen ausgeschlossen worden. Deshalb bereitete man dem Tiroler auf dem Wiener Heldenplatz einen frenetischen Empfang. »Ich war sehr überrascht, dass Menschen so reagieren, noch dazu auf diesem Platz!«
Schranz hatte gegen eine Amateurregel im Skisport verstoßen und deshalb die von ihm heiß ersehnte Goldmedaille nicht bekommen. »Die österreichische Seele war beleidigt, das hat Karl Schranz später auch gesagt«, erklärt Trixi Schuba.
WESTÖSTERREICH KOMMT NÄHER. Ihr olympischer Sieg wurde in Linz gefeiert. Ein Sportjournalist hatte die Idee dazu auf dem Rückflug von den Olympischen Spielen nach Österreich. »Ich habe mich über die Menschen, die mir auf der Fahrt nach und in Linz Sympathie entgegenbrachten und zum Olympiasieg gratulierten, damals sehr gefreut und habe daran nur gute Erinnerungen«, sagt sie heute.
Ihre enge Beziehung zu Westösterreich ist im Laufe der Jahre weiter gewachsen. Die inzwischen in Abtenau wohnende Wahl-Salzburgerin war auch Olympia-Botschafterin für Salzburgs Bewerbung für die Winterspiele 2014.
Ob ihr die Westösterreicher sympathischer sind als die Ostösterreicher und Wiener? »Natürlich gibt’s Unterschiede in der Mentalität«, antwortet sie diplomatisch. »Man sagt: ‚Bist ein Tiroler, bist ein Mensch, bist kein Tiroler, bist kein Mensch.‘ Oder: ‚Wien ist anders.‘ Es kommt immer darauf an, wie man miteinander umgeht.«
Die ehemalige Eiskunstläuferin hat am eigenen Leib erfahren, dass Medien jemanden »psychisch kaputt machen« können. »Sie haben die Macht, eine Persönlichkeit – egal ob SportlerIn, PolitikerIn oder andere – medial vorverurteilen zu können. Wenn an einem immer nur herumgehackt wird, dann demoralisiert das.« Über sie wurde immer wieder »die extrem präzise Pflichtläuferin«, aber »schlechte Kürläuferin« geschrieben. »Das hat mich wirklich getroffen.«
HARTES TRAINING. Trixi Schuba war immer, wie sie von sich selbst sagt, »eine Einzelkämpferin« und hat sich von ihrer Kindheit an durchgekämpft. Mit vier Jahren stand sie zum ersten Mal auf Schlittschuhen. Als sie elf Jahre alt war, starb ihr Vater. Im Holzgeschäft der Eltern musste sie früh mithelfen. Nach dem Abschluss der Handelsschule erledigte sie dort die gesamte Buchhaltung. Allerdings nur am Nachmittag, am Vormittag trainierte sie. Sie hatte eine strenge Erziehung, nach der Tanzschule musste sie spätestens um 23 Uhr zu Hause sein.
Ihre Erfolge als Eiskunstläuferin hat sie sich hart erarbeitet. Vor dem krönenden Olympiasieg war sie bereits mehrfache Staatsmeisterin (erstmals 1967), insgesamt war sie zweimal Europameisterin und zweimal Weltmeisterin. Danach, 1972, ging die damals 21-jährige Wienerin zur amerikanischen Eisrevue »Ice Follies« und dann zu »Holiday on Ice«.
SCHOKO STATT DOPING. »Ich habe mir gedacht: Amerika! Das ist das Land, in dem ich einmal leben möchte! Herrlich, hier kann man 24 Stunden am Tag einkaufen!« Das war vor mehr als 30 Jahren. »Heute weiß ich, das bestimmt nicht das Leben, es gibt andere Werte«, so Trixi Schuba. Mit der Eisrevue bereiste sie sechs Jahre lang Nord- und Südamerika, Europa und Israel und lernte die Unterschiede in den Ländern kennen. »Wir wissen gar nicht, wie gut es uns geht.«
Mit Doping wurde die Eiskunstläuferin in den 60er- und 70er-Jahren nicht konfrontiert. »Meine Mutter hat immer zu mir gesagt, wenn ich bei Wettbewerben nervös war: ‚Iss ein Ripperl Schokolade, das beruhigt die Nerven.‘« Schokolade stand nicht auf der Dopingliste der verbotenen Mittel, meint sie schmunzelnd. Denn Dopingkontrollen gab es sehr wohl. »Auch ich wurde nach dem Olympiasieg in Sapporo getestet. Sonst hat unsere ärztliche Betreuung so ausgesehen, dass wir einmal pro Jahr, im September, auf unseren Gesundheitszustand untersucht wurden.«
Die Welt des Sports hat sich gewandelt und der Eiskunstlauf in Österreich im Besonderen. Er sei leider zu einer Randsportart geworden, bedauert Trixi Schuba. »Wir bräuchten ein Aushängeschild, eine sportliche Persönlichkeit, haben aber keine. Daher sind der ORF und andere Medien an Berichten nicht sehr interessiert.« Sie will sich damit aber nicht zufriedengeben. Also tut sie, was sie kann, bemüht sich um Nachwuchstalente und versucht die Idee des Sports weiter zu verbreiten.
Sie war Präsidentin des Österreichischen Eiskunstlaufverbandes, wurde aber nicht wiedergewählt. Mag man die direkte Art von Trixi Schuba nicht?
HELDIN DES SPORTS. »Jemandem Honig um den Mund schmieren, das kann ich nicht.« In der Tat sei sie »in der Verfolgung meiner Ziele immer sehr direkt«, gesteht sie. Und fügt hinzu: »Wenn man als ehemals aktive Sportlerin dann als Funktionärin versucht, versteinerte Strukturen zu verändern, ist das gegenüber lang dienenden Funktionären sehr schwer.« Sie hätte sich zum Beispiel gewünscht, dass man neuen Trainingsmethoden gegenüber offener gewesen wäre. Schließlich konnte Österreich im Eiskunstlauf seit 1982 und nach Claudia Kristofics-Binder niemand Erfolgreichen herausbringen.
Der ehemalige Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka sagte einmal, müsste er ein Buch schreiben, würde er es mit den »Helden des österreichischen Sports« beginnen. Dabei nannte er neben Toni Sailer unter anderen auch Trixi Schuba. Das ehrt sie – »sicherlich, wenn man dazu zählen darf, ist das etwas Schönes«, sagt die Wienerin. Es sei andererseits »bedrückend, wenn man sich nur an die Seite erfolgreicher Sportler stellt, um sie für ihre eigenen Zwecke zu nutzen«. Am Erfolgskuchen, der gut schmeckt, wollen offensichtlich alle mitnaschen.
»Dabei soll man nicht vergessen, dass man schnell in die Höhe gehoben und dann schnell fallen gelassen werden kann.« SportlerInnen sollten aber auch gerade durch ihre Erfolge andere zum Sport animieren. Sie sind WerbeträgerInnen einer Lebensform und wichtig für die Wirtschaft des Landes.
Im Winter dreht die heute 57-Jährige hin und wieder Runden beim Wiener Eislaufverein. Fit hält sie sich durch regelmäßiges Fitnesstraining und Laufen und, wie sie sagt, durch »einen aufrechten Gang«. \\\
Zur Person: TRIXI SCHUBA
Trixi Schuba wurde am 15. April 1951 in Wien geboren. Sie ist Österreichs erfolgreichste Eiskunstläuferin: sechsfache Staatsmeisterin (1967 bis 1972), zweifache Europameisterin (1971 und 1972), zweifache Weltmeisterin (1971 und 1972) sowie Olympiasiegerin 1972 in Sapporo (Japan). Nach ihrer Karriere im Sport und bei den »Ice Follies« sowie bei »Holiday on Ice« in den USA ging Schuba 1979 zur Wiener Städtischen Versicherung (mittlerweile »Vienna Insurance Group«). Dort betreut sie u. a. DiplomatInnen und Beschäftigte der Wiener UNO-City. Sie lebt mit Hund Cordi und Kater Negus in Wien und Abtenau.
Bildtexte:
Mit vier Jahren stand Trixi Schuba zum ersten Mal in Schlittschuhen auf dem Eis.
Foto: privat
Olympiasiegerin Trixi Schuba ist die erfolgreichste Eiskunstläuferin Österreichs.
Vormittags auf dem Eisplatz, nachmittags im Büro: Trixi Schuba war in ihrer aktiven Zeit äußert diszipliniert.
Foto: privat
Trixi Schuba beim größten Triumph ihrer sportlichen Karriere als Olympiasiegerin in Sapporo 1972. Foto: Basch
geschrieben von Heike Hausensteiner |