Die Schwächen der kleinen AngeberInnen
|
Sie könne es sich schon nicht mehr anhören, erzählt mir Pia Bauer, Mutter des fünfjährigen Lars, »seine ständigen Vergleiche mit anderen Kindern, wie gut er doch sei. Er könne höher klettern, schneller mit dem Roller fahren, habe mehr Playmobil-Figuren.« Dabei stimme das alles gar nicht. Bei ihr sei es ähnlich, fährt Martina Schneider fort: »Meine Sabrina, sie wird jetzt bald sieben, ist die absolute Aufschneiderin! Die hebt sich ständig von den anderen Kindern ab, will immer die Bessere, die Schnellere, die Klügere sein, will nur bestimmen. Woher hat sie das nur? Und was hat es mit dieser Angeberei auf sich?« Die Angeberei von Kindern, die sehr häufig zwischen dem vierten und achten Lebensjahr auftritt und dann nochmals in der Pubertät, hat verschiedene Ursachen. Die Hintergründe zu kennen, ist wichtig, um pädagogisch angemessen zu reagieren. Einem »Aufschneider« nur damit zu kommen, er solle mit dem Angeben aufhören, weil es andere nerven würde, ist wenig folgenreich. Hinter der Angeberei stecken höchst verschiedene und komplexe Entstehungsbedingungen. Auf drei der häufigsten möchte ich verweisen. > Der Angeber – ob Junge oder Mädchen – strotzt nur so vor Selbstbewusstsein, aber dies nur auf den ersten Blick. Das Gegenteil ist der Fall: Das Kind, das ständig auf das verweist, was es alles besser kann oder mehr hat, handelt nicht selbstbewusst, vielmehr aus einem permanenten Gefühl der Verlegenheit heraus. > Minderwertigkeitsgefühle, die auf fehlendem Selbstvertrauen gründen und mit eigener Unsicherheit einhergehen, sind ein wesentliches psychisches Fundament, auf dem permanente Angeberei fußt. > Kinder, die immer und in jeder Situation den Ton angeben wollen und müssen, sind getrieben von einem starken Geltungsbedürfnis, um eigene kleine, ganz normale Schwächen zu verbergen. Nicht selten sind es entmutigte Kinder, die sich in Angeberei geradezu flüchten, die im Alltag ständig kritisiert werden. Gerade Kinder, die über wenig Erfolgserlebnisse verfügen, verleugnen eigene Schwächen und steigern sich parallel dazu in Größenfantasien: »Ich bin der Größte! Beste! Kann alles! Habe alles!« Aber was tun mit einem Angeber? Angeberei lässt sich nicht vermeiden, aber man kann als Mutter und Vater, als LehrerIn und ErzieherIn damit umgehen lernen. Zunächst geht es darum, das Kind zu ermutigen, auf die eigenen Stärken zu achten, nicht darauf zu verweisen, was es nicht kann. Ermutigung ist – so der Pädagoge Jürg Frick – eine ungeheure Kraft, die nicht allein die Selbstachtung des Kindes erhöht, sondern den Glauben an sich stärkt und hilft, Frustrationen zu überwinden. Ermutigung lenkt die Aufmerksamkeit auf die inneren Werte des Kindes, überträgt Verantwortung, ohne das Kind zu überfordern, und spornt es an, ein eigenes Leistungsbewusstsein zu entwickeln. Das alles hilft nicht, Angeberei zu verhindern, aber vielleicht, im angebenden Kind kein »Monster« zu sehen, sondern einen jungen Menschen, der Begleitung und Ermutigung auf seinem Weg braucht. \\\ Service: Dr. Jan-Uwe Rogge beantwortet Ihre Erziehungsfragen. Schreiben Sie diese an »Welt der Frau«, Lustenauerstr. 21, 4020 Linz. Dr. Jan-Uwe Rogge ist Erziehungsberater und Autor zahlreicher Bücher.
Foto: Schepe Illustration: Verena Hochleitner
geschrieben von Jan-Uwe Rogge |
|
| Alle habe es ..., nur ich nicht! aus der Ausgabe 9 | 2010 |
| »Gegen die Werbung«, so ein Vater, »gegen diesen Konsumterror hast du doch keine Chance. Wenn ich im Supermarkt bin, weiß mein Jüngster schon, und der ist knapp fünf, welches Produkt ich kaufen soll. Und wenn du dann ‚Nein!‘ sagst, hast du einen Aufs..... |
|
| Vom Flunkern und Schwindeln aus der Ausgabe 6 | 2010 |
| Der fünfjährige Niklas sitzt am Tisch, vor ihm eine kleine Schüssel mit geschnittenem Obst, daneben ein Glas Orangensaft. »Niklas! Nun mach schon«, ruft die Mutter aus der Küche. Niklas erschrickt, stößt an das Glas, das umfällt. Saft ergießt sich ü..... |
|
| Du bist doof - Umgang mit Kraftausdrücken aus der Ausgabe 5 | 2010 |
| Felix, fünfeinhalb Jahre, kommt aus dem Kindergarten mit einem Lächeln nach Hause, sieht seine Mutter an, stellt dann kurz und trocken, aber freundlich fest: »Hallo! Du Arschloch!« Die Mutter schluckt, das Kinn fällt herunter. Nach mehreren Schreckse..... |
|
| Wenn ein zweites Kind kommt ... aus der Ausgabe 4 | 2010 |
| Wenn ein weiteres – zweites oder drittes – Kind in die Familie kommt, dann geraten gewohnte Strukturen, Regeln und Rituale in Bewegung. Dies gilt nicht nur für die Eltern, sondern vor allem für das ältere Kind. War dieses bisher der Mittelpunkt, um d..... |
|
| Kinder, wo bleibt die Moral? aus der Ausgabe 3 | 2010 |
| Moralische Vorstellungen entwickeln Kinder allmählich vom vierten, fünften Lebensjahr an, indem vor allem die Eltern ein positives Modell vorleben, an dem sich die Kinder orientieren, aber auch reiben können. Doch stellt sich das soziale und moralis..... |
|
| Fairness will gelernt sein aus der Ausgabe 2 | 2010 |
| »Wenn ich mir manchmal so meinen sechsjährigen Jonas anschaue«, erzählt eine Mutter, »wie der sich mit drei, vier Jahren völlig unsozial verhalten hat, dann graust’s mir immer noch!« Sie schüttelt den Kopf. »Der war komplett auf sich fixiert, konnte..... |
|
| Vom Zauber des magischen Denkens aus der Ausgabe 1 | 2010 |
| »Wenn ich mal ganz traurig bin, wie neulich, als Mama so mit mir geschimpft hat«, berichtet die fünfjährige Elena, »dann gehe ich in mein Zimmer, lege mich aufs Bett, nehme meinen Teddy, meinen Rudi, und erzähl dem alles. Dann geht’s mir hinterher w..... |
|
| Kinder und ihre Bilder von Gott aus der Ausgabe 12 | 2009 |
Das Kind stellt vom dritten, vierten Lebensjahr an zwei wichtige Fragen: • Woher komme ich? Wo war ich, bevor ich auf dieser Welt war? Und: Kann ich, könnt ihr sterben? Es sind philosophische Fragen nach Ursprung und Entwicklung..... |
|
| Auszeitmethode aus der Ausgabe 11 | 2009 |
| »Manchmal«, erzählt die Mutter des vierjährigen Jonas, »schicke ich ihn, wenn die Situation sich hochschaukelt und er sich nicht mehr einkriegt, in sein Zimmer. Und nach einer Viertelstunde kommt er heraus und wir können in Ruhe reden.« »Ich habe mi..... |
|
|
|
| Wie Enkerl von Großeltern lernen. aus der Ausgabe 9 | 2009 |
| »Wenn ich meinen Kindern etwas sage«, erzählt mir Beate Maier, »dann hören sie mir kaum zu oder ich ernte Widerworte. Wenn mein Vater oder meine Mutter reden, hängen ihnen die Kinder an den Lippen.« Andere Eltern nicken bestätigend. »Aber ich frage m..... |
|
| Urlaub mit der Familie aus der Ausgabe 7 | 2009 |
| »Für mich sind die Ferien mit meinen Eltern das Allertollste«, erklärt der sechsjährige Max. »Wir fahren immer dahin, wo viele andere Kinder sind. Manche sind schon richtige Freunde geworden.« Max überlegt: »E..... |
|
| Großeltern zwischen Aufbruch und Erstarrung aus der Ausgabe 6 | 2009 |
So wenig, wie es DAS Kind gibt, so wenig gibt es DEN Opa oder DIE Oma, wobei zu klären wäre, aus welchem Grund Großeltern so verschieden werden, leben, handeln oder Beziehungen zu ihren Enkeln aufbauen.
»Wissen Sie«..... |
|
| Achtung und Respekt kommen nicht von alleine aus der Ausgabe 5 | 2009 |
| Kinder machen – zwischen dem Säuglingsalter und dem Schulbeginn – in moralisch-sozialer Hinsicht enorme Entwicklungsschübe durch, die ihnen viel, aber auch manches den Eltern abverlangen. Von Kindern im ersten Leb..... |
|
| Wie Großmuttersein gelebt wird aus der Ausgabe 4 | 2009 |
| »Ich bin sehr gerne Großmutter«, erzählt die sechzigjährige Roswitha. Als man sie vor mehr als zehn Jahren das erste Mal als Oma ansprach, »hab ich gedacht: Jetzt gehörst du zum alten Eisen. – Das war dann nicht so. Meine Enkelin hat..... |
|
| Über Unterschiedlichkeit und Uneinigkeit in der Beziehung aus der Ausgabe 3 | 2009 |
»Mein Mann und ich sind uns in Erziehungsfragen nicht einig. Er reagiert nachgiebiger oder gelassener als ich. Schadet das den Kindern?!«
So lautet eine häufig gestellte Frage von Eltern. Die Begegnung mit ..... |
|
| Großeltern lernen loszulassen aus der Ausgabe 2 | 2009 |
| Gabriele M, Oma der achtjährigen Anna, erzählt von den Schwierigkeiten, die sie anfänglich mit ihrer Schwiegertochter hatte. Anders sei es erst geworden, als Anna auf die Welt gekommen sei. Da habe ..... |
|
| Ausnahmen sind angemessener als pädagogischer Starrsinn aus der Ausgabe 1 | 2009 |
Ausnahmen sind angemessener als pädagogischer Starrsinn.
»Es ist wirklich zum Wimmern«, stöhnt die Mutter der vierjährigen Susanna. »Wir haben eine Geschichte vor dem Zubettgehen ausgemacht. Aber d..... |
|
| Vom Schenken und Beschenktwerden aus der Ausgabe 12 | 2008 |
| »Ich denke«, so erzählt eine Mutter, »gerade zu Weihnachten ist es wichtig, den Kindern auch zu zeigen, dass es anderen nicht so gut geht., dass es Menschen gibt, die einsam sind!« »Und meine Beobachtu..... |
|
| Großeltern müssen ihre Rolle erst finden aus der Ausgabe 11 | 2008 |
| »Als mir meine Tochter eröffnete, dass ich Opa würde«, erzählt Peter M, »da war das ein Schock. Ich musste stark an mir arbeiten. Als ich die kleine Jessica sah, war ich stolz, Opa zu sein. Meine En..... |
|
| Wenn Eltern und Großeltern konkurrieren aus der Ausgabe 10 | 2008 |
| »Sie haben neulich geschrieben«, erzählt eine Mutter, »Streitereien zwischen Eltern und Großeltern wären nicht zu vermeiden.« Sie schaut mich ernst an. »Aber gibt ..... |
|
| Großeltern und Eltern sind verschieden aus der Ausgabe 9 | 2008 |
| »Wenn ich jetzt so sehe«, so Anja Behrens, Mutter von drei Kindern, »wie mein Vater, der früher bei jeder Kleinigkeit an die Decke ging und herumschrie, heute die Ruhe in Person ist, ist das für meine Kinder wunderschön, aber es macht mich auch ärger..... |
|
| Eltern und Großeltern müssen kooperieren aus der Ausgabe 7 | 2008 |
| Was er bei Oma und Opa gern möge, frage ich den Sohn von Walter Schulz, den 13-jährigen Florian. »Opa kann spannende Geschichten erzählen, wie sie die Lehrer geärgert haben oder er die Schule geschwänzt hat. Opa war kein guter Schüler, trotzdem hat e..... |
|
| Die Gelassenheit der Großeltern aus der Ausgabe 6 | 2008 |
| »Wenn ich manchmal Stress mit Mama habe«, sagt die 14-jährige Isabella, »dann gehe ich zu Oma.« – »Was macht die anders als deine Mutter?«, will ich wissen. »Ach, die nimmt mich nur in den Arm und sagt nicht gleich etwas oder macht mir Vorwürfe. ..... |
|
| Großeltern erziehen anders aus der Ausgabe 5 | 2008 |
| Wenn sie von den Großeltern kommt, nervt die dreijährige Sabine. Bei Oma und Opa dürfe sie alles, die erlaubten viel mehr: »Die mögen mich viel lieber!« Ihre Mutter »überhört« das und erwidert ruhig: »So was kannst du mit Oma und Opa machen, nicht..... |
|
| Schamgrenzen aus der Ausgabe 4 | 2008 |
»Wenn ich meinen kleinen Tim – er ist jetzt eineinhalb – bade«, so seine Mutter, »und er badet gerne, dann kriegt er ganz schnell eine Erektion.« Bei ihr wäre das überhaupt nicht so, rätselt eine andere Mutter. »Der zweijährige Jakob lässt sich k..... |
|
| Pferde und Mädchen – eine große Anziehung aus der Ausgabe 3 | 2008 |
| »Seit meine Melanie so etwa acht Jahre alt ist«, erzählt mir Sonja Peters, »dreht sich alles, aber auch wirklich alles nur um die Pferde. Ich dachte, das wäre eine momentane Marotte.« Sie lächelt. »Auch ich hatte ja so eine Phase. Ich weiß noch«, s..... |
|
| Doktorspiele aus der Ausgabe 2 | 2008 |
Magdalena, 4, hat sich mit dem gleichaltrigen Julian und ihrer »Busenfreundin« Claudia, knapp 5, in ihr Zimmer zurückgezogen. Alle kennen sich schon lange, gehen sehr vertraut und liebevoll miteinander um. Julian muss sich auf Ma..... |
|
| Onanieren macht mich ratlos aus der Ausgabe 1 | 2008 |
Dorothea Elser zögert, sie hat Schwierigkeiten, ihre Frage auf einem Elternseminar zu formulieren. »Also«, fängt sie an, »mein Sohn, der Benno, liegt häufig auf dem Bauch. Und dann geht es auf und ab …« Sie sieht mich fragend an,..... |
|
| Der brodelnde Vulkan - die Pubertät aus der Ausgabe 12 | 2007 |
| Der Körper verändert sich in der Pubertät und damit zugleich die Einstellung zur Sexualität. Es sind die Hormone, die diesen wichtigen Entwicklungsabschnitt in Gang setzen. Durch die Hormonausschüttung verändern sich sowohl der Körper als auch die G..... |
|
| Sexualität im Schulkindalter – Ruhe vor dem Sturm ? aus der Ausgabe 11 | 2007 |
| Das Kind im Schulalter – egal, ob Bub oder Mädchen – wirkt innerlich zerrissen. Es hat Abschied genommen vom Kindergarten, wo es zu den »Großen« gehörte. Nun geht es in die Schule und muss wieder von vorne anfangen, sich arrangieren lernen...... |
|
| Warum lehnen einander Jungen und Mädchen mit einem Mal ab? aus der Ausgabe 10 | 2007 |
| »Was ich immer wieder beobachte«, so eine erfahrene Kindergartenpädagogin, »ist, dass Buben so vom dritten Lebensjahr an häufig nur mit Buben, Mädchen nur mit Mädchen zu tun haben wollen.« Im Kindergartenalter bilden sich sehr schnell gleichgeschlech..... |
|
| Denen fehlt es doch an Schamgefühl! aus der Ausgabe 9 | 2007 |
| »Also, mir ist es schon unangenehm, wenn Markus, er ist jetzt drei«, so eine Mutter, »ganz vergnügt nackt durch die Wohnung rennt., stolz seinen steifen Penis präsentiert und mir lachend verkündet, da..... |
|
| Kinderfragen zur Sexualität aus der Ausgabe 7 | 2007 |
| Zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr wächst das Interesse und die Neugierde an sexuellen Themen. und Bezügen. Die Kinder stellen nun Fragen, sie haben ein Bedürfnis, sich gegenseitig zu berühren, sich nackt ..... |
|
| Auch Säuglinge und Kleinkinder haben sexuelle Gefühle aus der Ausgabe 6 | 2007 |
| Der Mensch – so die alltägliche Beobachtung von Eltern und das Ergebnis von vielen wissenschaftlichen Untersuchungen – hat vom ersten Tag an sexuelle Gefühle. So leicht sich diese Feststellung schreibt, ist sie für viele nicht einfach zu akzeptieren...... |
|