Frausein heute
Frau im Blickpunkt: Ulrike Prattes

Die 27-jährige Sozialanthropologin wurde für ihre wissenschaftliche Arbeit mit dem Gabriele-Possanner-Förderpreis 2009 ausgezeichnet.
 
Frau Mag.a Prattes, der Titel Ihrer Diplomarbeit lautet »Junge Männer und Feminismus«. Wie sind Sie zu diesem Thema gekommen?
Ich habe bemerkt, dass selbst sogenannte fortschrittliche Männer auf das Thema Feminismus oder Frauenbewegung ablehnend reagieren, was mich zunächst verwundert hat. Ich hatte das Gefühl, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen dieser Positionierung und dem Selbstbild, das sie von sich als Mann haben. Das hat mich interessiert.
 
Wie sind Sie an das Thema herangegangen?
Ich habe mir ein gesellschaftlich schmales Segment zur Untersuchung vorgenommen: akademisch gebildete Männer zwischen 25 und Anfang 30 Jahren. Die Ergebnisse sind vielfältig: von totaler Leugnung, dass es Geschlechterungerechtigkeit gibt, bis hin zur Minderheit jener Männer, die sich mit feministischem Gedankengut auseinandersetzen – aus dem eigenen Unwohlsein, in einer männlich dominierten Welt zu leben.
 
Wie ließe sich Ihrer Meinung nach Bewusstseinsveränderung mehr vorantreiben?
Momentan baut unsere Gesellschaft stark auf Hierarchien auf, die nicht nur zwischen Männern und Frauen verlaufen. Um wirklich gerechter zu werden, muss sich auf sehr vielen Ebenen etwas ändern – in Politik und Wirtschaft und durch nicht traditionelle Rollenmodelle. Das klingt nach viel Arbeit, aber jeder und jede kann mithelfen.

 
Von klein auf sind für Ulrike Prattes, die in einer eher traditionellen Familie aufwuchs, Ungerechtigkeiten schwer auszuhalten. Heute spricht die junge Wissenschafterin von globalen Asymmetrien. Von Beginn des Studiums der Sozialwissenschaften an – »einem klassisch weiblichen Studienzweig« – wurde die gebürtige Steirerin zunehmend politisiert. Und inspiriert von den wenigen Professorinnen in ihrem Fachgebiet. Obwohl die Jobs rar sind, will Ulrike Prattes, die sich im Dissertationsstadium befindet, weiter wissenschaftlich arbeiten. Damit sie Projektanträge und Stipendien einreichen kann, muss sie sich Urlaub nehmen. Von ihrer Teilzeitanstellung als Verkäuferin in einem Schokoladengeschäft.      
 
Text: Michaela Herzog
Foto: privat

 
geschrieben von Michaela Herzog
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