FAMILIENLEBEN Eine Weisheit besagt: »Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen.« Da es kaum mehr Dorfgemeinschaften gibt, schaffen sich Eltern ihre individuellen Betreuungsnetzwerke. Für »Welt der Frau« holten drei Familien alle ihre HelferInnen, ohne die der Alltag mit Kindern samt Job, Arztterminen, Ferien, Krankheiten, Schulstress … kaum zu bewältigen wäre, vor die Kamera. Text: Andrea Mann, Fotos: Andreas Röbl
»Ein Nachmittag gehört der Sabsi« Familie Machreich-Schober, Teilzeit & Vollzeit, drei Kinder
 Bernadette Machreich: »Ich finde es sehr beruhigend, wenn man weiß, dass die Kinder auch von anderen Personen getragen werden und sie dabei ihren Spaß haben, sich darauf freuen. Das Leben wird somit für uns bunter und lebendiger. Wenn ich dieses Netz nicht hätte, würde vieles nicht funktionieren, wäre ich sicher eine weniger ausgeglichene Mutter.«
Bernadette Machreich (38), Mutter, freiberufliche Hebamme, ist durchschnittlich acht Stunden pro Woche zu Schwangeren- bzw. Nachbetreuungsterminen unterwegs. Hermann Schober (39), Vater, Geschäftsführer, ist von Montag bis Freitag von 7:15 Uhr bis 19:45 Uhr oder später in der Arbeit. 
Matthäus (3, nach einem kurzen Abstecher zu »Kinder am Bauernhof« wieder ganztags zu Hause) Antonia (6, Kindergarten) und Jakob (13, Sporthauptschule)
Christa Heibl (Kindergartenpädagogin) Elisabeth Czepl (Kindergartenhelferin) Antonia besucht von Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr den Kindergarten. Dienstags bis 12:45 Uhr, da sie musikalische Früherziehung hat.

Sabine Lachmair (Goli bzw. Sabsi) Der Mittwochnachmittag gehört der Goli. Matthäus und Antonia werden um 14 Uhr von Sabsi abgeholt und meist um 20 Uhr wieder zurückgebracht. Spielen, Spaziergänge oder ein Machreich-Oma-Besuch stehen auf dem Programm. Dieses Zeitfenster nutzt Bernadette Machreich für Sohn Jakob. Es wird gelernt oder Besorgungen, wie der Einkauf neuer Sportkleidung, werden erledigt. Hin und wieder geht sich auch ein Nachbetreuungstermin aus. Auf Sabine ist außerdem Verlass, wenn sich das Ehepaar Machreich-Schober eine kurze Auszeit nehmen will.
Helga Niederl (Untermieterin, Pensionistin) Sie ist im Einsatz, wenn Bernadette Machreich als Hebamme Nachbetreuungstermine hat, Kurse abhält, selbst oder mit einem Kind einen Arztbesuch wahrnimmt oder ein- bis zweimal im Monat eine Runde laufen geht. Ursula Kopf (Freundin) Sie und Bernadette Machreich haben Kinder in ähnlichem Alter, daher helfen sie sich gegenseitig bei Termine n aus.
Mathilde Greinstetter (Schober-Oma) Ihr Einsatz ist dann gefragt, wenn Bernadette Machreich Fortbildungen macht oder ganztägig beruflich unterwegs ist. Franziska Machreich (Machreich-Oma) Sie wird oft am Mittwoch von Goli & Enkerln besucht. Hin und wieder springt sie ein, wenn die Hebamme einen beruflichen Termin hat.
»Kleine und Große Oma voll im Einsatz« Familie Kerschbaummayr, Eltern arbeiten Vollzeit, zwei Töchter Ulrike Kerschbaummayr: »Unser Netz ist durch die sehr gute Beziehung zu unseren Eltern und durch die ‚Integration‘ unsererseits ins ‚Dorf‘ entstanden. Ohne diese vertrauenswürdigen Personen wäre eine Vollbeschäftigung beider Elternteile, die dem Familieneinkommen zugutekommt, nicht möglich. Wir sind davon überzeugt, dass sich die Kinder auch in unserer Abwesenheit in guten Händen befinden und sich wohlfühlen. Das trägt zu einer entspannten Familiensituation bei. Anja und Lena sind sehr selbstständig, pflegen im Hort ihre sozialen Kontakte und lernen unterschiedliche Erziehungsstile kennen, die sie auch für sich nutzen.«

Anja (7, Volksschülerin) Lena (9, Volksschülerin)

Ulrike Kerschbaummayr (39), Mutter, Radiologietechnologin, arbeitet Vollzeit. Peter Kerschbaummayr (43), Vater, Techniker, arbeitet Vollzeit.
Cornelia Egger (Conny, Hortpädagogin) Martina Habenschuß (Horthelferin) Anja und Lena besuchen dienstags, donnerstags und freitags nach der Schule den Hort. Conny und Martina schauen darauf, dass Lena rechtzeitig zum Tanzen und in ihre Geigenstunde kommt. Rosa und Johann Kerschbaummayr (Große Oma, Kleiner Opa) Sind für die Mädels jeden Montag nach Schulschluss bis ca. 17 Uhr da. Neben Mittagessen und Erledigung der Hausübung steht auch Musikschule auf dem Programm. Der Kleine Opa ist ab und zu mit dabei. Zudem sind sie im Krankheitsfall der Kinder im Einsatz und in der Ferienzeit. Heidemarie und Peter Brenner (Kleine Oma, Großer Opa) Werden jeden Donnerstag nach Schulschluss bis ca. 17 Uhr gebraucht. Mittagessen, Hausübung, Freizeitgestaltung. Zudem werden sie in den Ferien und im Krankheitsfall gebraucht. Florian, Wolfgang, Ingrid und Christina Rebhandl (NachbarInnen) Die Nachbarsfamilie ist bei Bedarf im Einsatz. Bei kurzen Überbrückungszeiten, wenn die Mädchen alleine zu Hause sind, sind sie darüber informiert und erreichbar. Christina und Florian sind abends gern gesehene »BabysitterInnen«. Carmen, Monika und Michael Linzner (NachbarInnen) Sie sind ebenfalls für Überbrückungszeiten im Einsatz.
»Ich hätte sonst null Zeit für mich«
Familie Gabriel, Alleinerzieherin, ein Sohn Elfriede Gabriel: »Mit meinem Arbeitgeber habe ich großes Glück, da es möglich ist, meine Dienstzeiten nach der Schulzeit zu richten. Trotzdem geht es nicht ohne Hilfe, sonst hätte ich null Zeit für mich selbst. Ich habe alles innerhalb der Familie organisiert, und das gibt mir eine gewisse Sicherheit. Ich muss dazu sagen, dass Lukas ein sehr selbstständiges Kind ist.«

Lukas (8, Volksschüler)

Elfriede Gabriel (39), Mutter, Alleinerzieherin und Büroangestellte für 30 Stunden

Gerlinde Lackner (Hortgruppenbetreuerin) Ulrike Hicker (Ulli, Horthelferin) Lukas besucht montags, dienstags und mittwochs nach der Schule den Hort. Gerlinde und Ulli schauen darauf, dass er rechtzeitig in sein Judotraining kommt und den Zug nicht versäumt, um nach Hause zu fahren.
Angelika Labmayer (Tante Angie) Bei Tante Angie, die in der Nähe wohnt, ist Lukas jederzeit willkommen. Sie nimmt ihn oft mit, wenn sie mit ihren eigenen zwei Kindern in ihrer Freizeit etwas unternimmt. Elfriede Gabriel hat dadurch die Möglichkeit für Fortbildungen, kann sich hin und wieder Zeit für sich selbst nehmen oder Besorgungen bzw. Arzttermine erledigen. Tante Angie wird auch in der Ferienzeit gebraucht. Marlies Thales (Tante Liesi) Tante Liesi wohnt auch in der Nähe und ist im Notfall für Lukas ein bis zwei Stunden da. Maria Gabriel (Oma) Als Lukas klein war, verbrachte er sehr viel Zeit bei seinen Großeltern. Opa August ist inzwischen verstorben. Heute springt die Oma ein, wenn Lukas krank ist sowie in der Ferienzeit. Elena Labmayer (Cousine) Sie ist Lukas eine treue Spielgefährtin und passt auch schon hin und wieder in kurzen Überbrückungszeiten auf ihn auf.
geschrieben von Andrea Mann |