Ihr gutes Recht
Dr. Ulrike
Aichhorn
Wenn der Chef den Urlaub storniert

Auf den Urlaub freut man sich lange, man plant sorgfältig Reisezeit und Urlaubsort und beantragt beim Arbeitgeber den entsprechenden Urlaub. Rechtlich gesehen handelt es sich um eine Urlaubsvereinbarung, die zwischen ArbeitgeberIn und ArbeitnehmerIn geschlossen wird und den Bestimmungen des Urlaubsgesetzes unterliegt. Von dieser Vereinbarung kann bei Vorliegen besonders schwerwiegender Gründe der Arbeitgeber einseitig zurücktreten, wenn die Anwesenheit gerade dieses Arbeitnehmers, der Urlaub machen möchte, zur Vermeidung wirtschaftlicher Nachteile für das Unternehmen unumgänglich notwendig ist.
Macht der Arbeitgeber von seinem Rücktrittsrecht Gebrauch, muss er dem Arbeitnehmer einen anderen Urlaubstermin anbieten und den entstandenen Schaden, z. B. Stornogebühren, bezahlen.
Unter Umständen kann der Arbeitgeber den Arbeitnehmer sogar aus dem bereits angetretenen Urlaub zurückberufen. Eine Rückberufung ist allerdings nur ausnahmsweise im Falle eines absoluten Betriebsnotstandes zulässig.  In diesem Fall ist die Urlaubsvereinbarung hinfällig und der »Urlaub« ist auf das Urlaubsausmaß nicht anzurechnen. Hier hat der Arbeitgeber ebenfalls alle Kosten zu ersetzen.
Aber auch der Arbeitnehmer kann eine bereits getroffene Urlaubsvereinbarung rückgängig machen, vor allem dann, wenn er erkrankt. Wird man während des Urlaubs krank oder hat einen Unfall, dann werden die auf Werktage fallenden Krankenstandstage nicht auf den Urlaubsverbrauch angerechnet. Dies gilt dann, wenn der Krankenstand mehr als drei Kalendertage dauert und die Krankheit nicht vorsätzlich herbeigeführt wurde. Der Arbeitnehmer muss dem Arbeitgeber nach dreitägiger Krankheitsdauer unverzüglich Mitteilung machen und bei Wiederantritt des Dienstes eine ärztliche Bestätigung vorlegen. Wichtig ist bei einem Urlaub im Ausland, dass der behördliche Nachweis erbracht werden muss, dass die behandelnde Person als Arzt zugelassen ist, außer die Behandlung wird in einem Krankenhaus durchgeführt.
Der Urlaub kann auch dann storniert werden, wenn nicht der Arbeitnehmer selbst erkrankt, sondern ein Familienmitglied. Dafür steht der Anspruch auf Pflegefreistellung zu. Tritt der Pflegefall aber erst ein, nachdem die Urlaubsvereinbarung getroffen wurde bzw. im Urlaub, dann liegt ein berechtigter Rücktrittsgrund vor, da der Erholungsurlaub bei der Erkrankung eines nahen Angehörigen ähnlich beeinträchtigt wird wie bei eigener Erkrankung.
 
Service: Dr.in Ulrike Aichhorn beantwortet Ihre Fragen aus dem Bereich des Familien- und Eherechts. Schreiben Sie an die Redaktion.

Foto: Sabine Bruckner
 
 
geschrieben von Ulrike Aichhorn
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