Schlusspunkt
Halbe-halbe

»Er trägt mir nicht einmal den Mist hinunter.« Ich: »Was heißt ›mir‹, ist es denn dein Mist?« Und: »Die Gleichstellung zwischen dir und deinem Mann müsste im Haushalt beginnen.« Sie: »Wenn er mir wenigstens den Müll hinuntertragen würde …« (Auszug aus einem Streitgespräch zwischen Freundinnen, 1981)
2010 ist nach 15 Jahren wieder der österreichische Frauenbericht erschienen. Der Inhalt? 543 Seiten Diskriminierung. Die Liste ist lang. Ganz oben steht die Einkommensschere – ungleiche Entlohnung von Männern und Frauen –, die noch weiter auseinanderklafft. Eine vernünftige Erklärung? Die gibt es nicht. Damit ist Österreich im EU-Vergleich an vorletzter Stelle. Frauen sind mittlerweile in Sachen Bildung auf der Überholspur. Doch Teilzeit statt Topjob. Das erste Kind mit über 30 Jahren. Weder ausreichende Kinderbetreuung noch Ganztagsschulen. Und, Frauen erledigen rund zwei Drittel der unbezahlten Arbeit. Soll heißen: Haushalt, Kinderbetreuung, Pflege bewältigen Töchter, Mütter, Schwiegertöchter.
Sie haben recht, echte Neuigkeiten hören sich anders an. So wie die Studie der London School of Economics: »Männerbeteiligung im Haushalt stabilisiert Ehe«. Sie besagt, dass die Scheidungsquote bei Paaren auffallend geringer ist, wenn sich die Männer an den täglichen Pflichten wie Putzen, Einkaufen und Kinderbetreuung beteiligen. Also unbezahlte Arbeit zu Hause leisten.
Vielleicht sollte der viel diskutierte Slogan »Ganze Männer machen halbe-halbe« wieder aus der Schublade geholt werden. Liegt der Schlüssel für Gleichstellung in der Partnerschaft? Die Forderung »Gleicher Lohn für gleiche Arbeit« ist über 100 Jahre alt. Beginnt die Fairness dann doch beim Misthinuntertragen? 
geschrieben von Michaela Herzog
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