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  Gut aufgehoben ist nicht abgeschoben

Erste Regel für Smalltalk unter Eltern: Vermeiden Sie tunlichst die Themen: Schlafen, Stillen, Impfen und Tragetuch, wenn Sie sich nicht in eine aufreibende Rabeneltern-Grundsatzdiskussion verstricken wollen. Außer Sie haben heute Lust auf Krawall und Remmidemmi. Als Elternteil eines bald 15-monatigen Kleinkindes bin ich abgebrüht, eloquent und fast mit allen Wassern gewaschen. Niemand macht mir so schnell mehr ein schlechtes Gewissen durch eine abfällige Bemerkung über’s Tragen (nein, seine Beine werden nicht abgeklemmt), Gläschennahrung, Impfkultur oder sonstiges Verhalten. Die bisherigen allseits beliebten, ich nenne sie mal Daumenschrauben-Schon-Noch-Fragen, wie: „Schläft er SCHON durch?“, „Läuft er SCHON?“, „Isst er SCHON vom Tisch?“ „Kann er SCHON Mama sagen?“ oder „Was, du stillst NOCH?“ haben eine thematische Aktualisierung erhalten: Das Thema Fremdbetreuung. „Geht er SCHON in den Kindergarten?“ „Was, er wird NOCH zu Hause betreut?“ oder „Er geht SCHON in den Kindergarten, oder?“. Hätte ich nicht die elterliche Erfahrung der letzten 2 Jahre und meine Liste an erlebten Daumenschrauben-Schon-Noch-Fragen, wäre ich jetzt wohlmöglich verunsichert.

Endlich wieder ein Thema über dass ich mich so richtig „aufpudeln“ kann, wie frau so schön sagt. Nach Stillen, Tragen, Schlafen und Impfen rückt nun immer mehr die große Debatte zum Thema Fremdbetreuung in das Feld meines Interesses und scheinbar auch in das meiner Umwelt. Für die einen ist es nicht nachvollziehbar, dass der Zwerg immer NOCH daheim ist und die anderen sind der Meinung, dass eine Fremdbetreuung SCHON vor drei absolut unzumutbar ist. Auch Thesen und Beobachtungen von KinderpsychologInnen etc. widersprechen sich. In Wahrheit gilt doch auch hier: nicht die perfekte Betreuungssituation sollte das Ziel sein, sondern eine lebendiges, funktionierendes Familiengefüge mit konstanten Bezugspersonen, in dem alle Mitglieder Gestaltungsräume und Bedürfnisse haben dürfen.

 

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