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10. Jänner: ...Versprechen und Wehwehchen...

Da meint man ein paar Stunden lang, die eigene Verkühlung wäre ein Ärgernis, jammert sich ein bisschen ein und geht dann wieder dem Tagwerk nach, das sich trotz Erkältung nicht von alleine macht. Powidl! Kurz wähnte auch der Glaube, es sich vielleicht ein paar Tage ein bisschen gemütlicher machen zu können als sonst, eben weil nicht ganz fit. Und dann die Keule: Mann ebenfalls verkühlt! Die jenigen unter uns, die mit einem Mann leben, lebten oder das Zusammenleben mit einem Mann miterleben, wissen, wie es weiter geht: Ein häuslicher Notstand wird ausgerufen.

Ein kränkelnder Gatte, Haushaltsvorstand, Lebensabschnittspartner, Sohn oder Großvater ist so was von arm und treibt die herumwieselnde Frau im Haus mit einem Gesichtsausdruck, den meine Großmutter mit rollenden Augen “ die Leiden Christi“ nannte, auf die Palme. Während man selbst einen grippalen Minimalinfekt meist halbwegs locker wegsteckt und das Gefühl hat, es gibt sicher Schlimmeres, sind Männer meist der Meinung, diese furchtbare Verfühlung wird sie gewiss hinwegraffen. Diese Meinung stellen sie auch variantenreich dar, und wir Frauen mit unserem angeborenen Umsorg-Gen, das wir eigentlich für unsere Kinder mitgekriegt haben, erweitern unser segensreiches Wirken auf den Mann, der sich umhätscheln lässt wie das Opfer eines Ebolavirus. Kranke Männer sind an Leidensdarstellkreativität und ihrer vielfältigen Ausdrucksform kaum zu überbieten, und manche Gattin mag sich gar nicht vorstellen, was wäre, wenn ihr Gespons eines Tages wirklich „krank“ werden sollte, also was anderes als Schnupfen und Husten hat. Und weil wir Frauen halt so viel Schmerz und Elend nicht untätig beobachten können, schieben wir die Ärmel hoch und wischen, waschen, pflegen, wedeln, kochen, kraulen und bedienen wir, immer den Trost vor Augen, dass auch der hinterhältigste Schnupfen nach ein paar Tagen Vergangenheit ist.

Und schließlich, man sieht die leidende, bessere Hälfte am Unglücklager daliegen, das Herz schmilzt, und man erinnert sich. Wie lautete das Versprechen noch schnell? – „In guten wie in bösen Tagen“. Ich gehe davon aus, dass mit den bösen Tagen die Grippezeit gemeint war. Alles geht vorbei, denke ich, und habe den eigenen Schnupfen schon beinahe vergessen. Was möchtest du, Schatz? Ein Eis mit Mandarinenspalten und Schlagobers? Natürlich, mein Lämmchen, kommt sofort!…

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