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15. Jänner: ...Hoch das Bein, sonst schläft es ein!...

Jetzt sind viele von uns wieder im Tanzfieber, auf Bällen, Gschnasen und vereinsinternen Zusammenkünften mit Musik anzutreffen. Auf Bälle zu gehen ist aus unserer Kultur nicht wegzudenken. Jägerball, Unionball, Schnitzelklopferball, Ball der Feuerwehr, Stadtball, Frauenball, Kaffeesiederball, Nudistenball, und wie sie alle heißen mögen. Zugegeben: mit den Jahren verändert sich das Verhältnis zu Bällen. Als ich ganz jung war, wurde kein Ball ausgelassen, diente doch so macher Schleicher oder Schieber auf der Tanzfläche dem näheren Kennenlernen eines potentiellen Partners. Außerdem gab es bei weitem noch kein vergleichbar großes Angebot an abendlicher Geselligkeit wie heute. Sich in Schale werfen zu können, war ein zusätzlicher Anreiz. Da wurde viel Trara gemacht, meine Güte, alleine schon das Haar brauchte mitunter eine Stunde Aufmerksamkeit, damit die Locken füllig und die Scheitel pfeilgerade fielen! In bester Erinnerung habe ich auch noch die Aufregung der Vorbereitungen für den Ball und das Gefühl, eine Königin zu sein. Lasst uns tanzen!

Mein Verhältnis zu Bällen hat sich verändert. Viele Jahre war ohnehin Tanz- und Wackelpause, denn es war einfach keine Zeit, kaum wo ein belasterbarer Babysitter greifbar und das Interesse irgendwie auch eingeschlafen. Dann kam die Tanzschulabschlussball-Zeit der Kinder, die Maturabälle, und schon fand man sich wieder im langen Kleid als stolze Mutter und Ballgeherin. Schön, dass auch Freundinnen, denen man in der Jugend auf Bällen begegnete, nun ebenfalls aus dem scheinbaren Nichts wieder auftauchten, denn die Kinder haben natürlich halbwegs das selbe Alter, also auch den selben Tanzschulabschlussball. Ich sehe den jungen Leuten beim Tanzen zu und ziehe im Sitzen unauffällig meine Miederhose zurecht. Wo sind die Jahre hingekommen, frage ich mich?

Eine schöne Ballnacht auf der Tanzfläche ist in meinem Alter keine Selbstverständlichkeit mehr. Manchmal zwickt das Mieder, dann ein kleines Reißen im Kreuz, und wenn man Pech hat auch noch Sodbrennen nach dem ersten Glas Sekt. Ausgelassen auf der Tanzfläche herumhüpfen macht den Ischias-Nerv rebellisch und obendrein wäre man nach zweiminütigem Hüpfen verschwitzt. Bleibt nur noch der gelegentliche Höflichkeitswalzer mit dem Tischgast, oder der Blues, bei dem man wirklich nur ab und zu ein Bein nachschleifen muss, mit dem Gatten. Das ist nicht die Welt, aber auch nicht zu verachten, denke ich, und jede Zeit hat ihre Qualität.

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