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16. Jänner: ...Schweinerei!...

Haben Sie sich schon einmal darüber Gedanken gemacht, dass Haus- und Wildtiere sehr häufig zur Unterstreichung für tendenziell negative Auswüchse der menschlichen Natur oder der Umwelt hergenommen werden? Widmen Sie manchmal der empirischen Sprachanalyse eine halbe Nacht? Ich mache so eigenartige Dinge laufend, habe sensible Antennen für Worte, ihre Bedeutung, ihre Strahlkraft und ihre Auswirkung auf unser Gemüt. Es giftet mich, dass immer wieder Vierbeiner herhalten müssen, um Missstände zu benennen. Sie verstehen nicht was ich meine?

Nun, es ist bestimmt nicht lange her, dass jemand neben Ihnen das Sauwetter beklagte, davon berichtete, dass er sich hundeelend fühlt, und dass er überhaupt der Meinung sei, dieser jemand, dass ohnehin längst alles für die Katz‘ sei. Wenn jemand sich nicht sehr gut aufs Reden versteht, spricht man leichtfertig von einem Frosch im Hals, um das Unbehagen des Redners zu verdeutlichen, der sich meist auch noch bedauern lässt. Das ärgert mich, denn für den Frosch ist es in einem Hals sicher viel unangenehmer, wenn nicht gar tödlich (Schluckreflex). Blödiane reden sich für ihre Unkenntnis gern mit der ein sehr fluffiges und gutes Tier herabwürdigenden Redewendung „mein Name ist Hase“ heraus, und beleidigte Leberwürste argumentieren damit, dass es eben keinen Sinn macht, Perlen vor die Säue zu werfen. Das Schwein, dieses kluge und schöne Vorzeigehaustier des Mitteleuropäers, ist überhaupt sehr oft im Schmähwortbereich anzutreffen. Schwitzen wie die Sau, grunzend schnarchen, eine Sauerei veranstalten, fett wie Sau, oder laufen, bis die Schwarte kracht, sind ein kleiner Auszug.

Rabenschwarze Seelen wittern des Pudels Kern im täglichen Affentheater und in der Lust am Gezicke, und wer sich dann auch noch aufführen möchte wie der Elefant im Porellanladen kann ja ruhig der zukünftigen Schwiegermutter versichern, sie würde beim Fernsehen einen Buckel aufschieben und dasitzen wie ein Affe auf dem Schleifstein. Sie sehen, dieses leidige Thema ist ein dicker Fisch, selbst dort, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, trifft man auf schwarze Schafe, denen die Ehre und der Schutz des Gattungsnamens von wehrlosem Kleinvieh nicht mehr ist als das Gackern der Hühner. Das alles ist alles in allem bedenklich für eine Tierfreundin wie mich, ich lade daher dazu ein, sich einmal näher auf dieses tierisch wichtige Thema einzulassen. Es muss nicht ständig zu Schweinereien kommen auf dieser Welt, und das Übel beginnt meist schon im ganz Kleinen, z. B. in der Umgangssprache, die durchaus tierfreundlicher gestaltet werden könnte.

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