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> 18 < 60

Als wir unter 18 waren, sollte jeder uns doch bitte etwas älter schätzen, und nun mit über 60 wünschen wir uns das Gegenteil…

Gut kann ich mich noch erinnern, wie stolz ich war, als man mich in Teenagerjahren für älter als 18 hielt, das öffnete so manche verschlossene Tür! Auch mein Mann erzählt heute noch gern, wie er sich in jungen Jahren gemeinsam mit seinen Freunden des Öfteren in Filme hineinschwindelte, indem er sich älter machte. Und heute haben wir das Spiel umgedreht.

So begleite ich neulich meinen Mann zum Fußballplatz, bleibe in einigen Metern vor der Kassa stehen und warte, was passiert. Wird er heute als Senior erkannt oder noch als unter 60 durchgehen? Das ist nämlich so: Jedes Mal, wenn er zum Schalter kommt, und der Mann nach einem kurzen Blick in sein Gesicht ihm wortlos die Seniorenkarte hinhält, ist er enttäuscht. Wo er doch ganz bestimmt noch nicht wie ein Senior ausschaut (finde ich auch)! Und so wird das zum Spiel. Und wie wird es an diesem Tag ausgehen?

Ich beobachte die Szene. Flotten Schrittes nähert sich mein Mann dem Kassenhäuschen, ein Neuer sitzt darin. Mein Mann hält ihm das Geld hin und bestellt eine Karte. Ein kurzer Blick und der Kartenverkäufer gibt ihm die Karte. Ich bin gespannt. Da dreht sich mein Mann um, hält den Daumen hoch und zwinkert mir zu. Der Tag ist gerettet!

Übrigens, dasselbe Spiel spiele ich beim Einsteigen in den Bus. Auch dort steht mir mittlerweile eine Seniorenkarte zu, und sollte der Fahrer einmal (was ab und zu geschieht) nach einem Ausweis verlangen, dann krame ich den strahlend hervor, um zu zeigen, dass ich wirklich schon über 60 bin. Und auch mein Tag ist gerettet!

Anneliese Pflügelmayr

arbeitete als Pädagogin und Mediatorin. Zuletzt war sie an der Pädagogischen Hochschule OÖ tätig, wo sie Deutschdidaktik unterrichtete und gemeinsam mit KollegInnen einen Lehrgang für Peermediation aufbaute. Seit einem einjährigen Aufenthalt als Austauschschülerin in den USA engagiert sie sich als Freiwillige für Jugendaustausch und diverse Sozialprojekte. Kommunikation und Begegnung mit Menschen sind ihr wichtig. In ihren Beiträgen wirft sie einen augenzwinkernden Blick auf das Alltagsleben als Seniorin, in dem sich vielleicht auch so manche Leserin wiederfindet.
Ihre Devise: Mit kritischer Distanz und Humor sollte sich doch das Älterwerden etwas leichter bewerkstelligen lassen!

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