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18. Jänner: ...eine Krot schlucken...

Sind Sie ein Dschungelcamp-Fan? Lieben Sie es, zuzuschauen, wie andere Menschen sich über Mehlwürmer, undefinierbare Schleimmix-Drinks und tierische Fortpflanzungsorgane hermachen müssen? Haben Sie Vergnügen daran, zu sehen, wie ein ausgewachsener und mit allen Sinnen gesegnter Mensch sich eine Spinne über die Zunge krabbeln lässt, obwohl man ihm ansieht, dass er dieses Erlebnis bis ins greise Alter in finsteren Träumen wiedererleben wird? Oder gehören Sie eher der Fraktion an, die solcherlei abstoßend findet, und es daher weder zu sehen noch zu erfahren wünscht?

Ich zähle mich zu letzterer Gruppe, würde mir diese Sachen nie freiwillig anschauen, und doch: Ich spreche darüber, beziehungsweise schreibe darüber. Nun mag ein Argument sein, dass darüber gesprochen werden muss, um Unsinn gleich diesem einzudämmen. Ließe man schließlich jedes Treiben, dass einem zuwider ist, unkommentiert geschehen, ging’s ja noch mehr drunter und drüber. Die „Ist-mir-egal-Haltung“ ist ja eher dem Ja als dem Nein zuzuordnen.

Andererseits ist natürlich jede Aufregung, jeder Kommentar, jede Stellungnahme, jede Kritik, jeder Ruf nach mehr Niveau im täglichen Allerlei Werbung für das kritisch abgeklopfte Thema, es bleibt im Gespräch. Ein Teufelskreis. Unsere Geschmacksparameter unterliegen einem ständigen Wandel. Die, die dem Magen zuzuordnen sind, haben längst große Lust auf Geschmacksverstärker, Fastfood und rasch Gebratenes, leicht Verdauliches. Jene, die unsere Unterhaltungswelt betreffen, spiegeln die Lust unserer Gesellschaft nach „mehr, noch mehr, und dem Ultimativen“ wider. Eine rohe Schnecke? Ich bitte Sie! Das war einmal! Heute muss man sich eine Hand voll verwesender Zecken in den Mund stopfen, um überhaupt noch Aufmerksamkeit zu erfahren. Die Welt ist schrill geworden, in mancherlei Hinsicht. Und über Geschmack wurde und wird immer schon gestritten. Ich denke wehmütig an die Zeit, als es einem als das vorstellbar Schrecklichste erschien, eine Krot schlucken zu müssen. Heute beinahe ein kulinarischer Klassiker….

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