11

17

Aktuelle
Ausgabe:
Zum Shop
26. Jänner: ...Sonntagsgewand...

Hatten Sie Sonntagsgewand? Oder haben Sie es womöglich immer noch? Wenn Sie ein sehr junger Mensch sind: Ist Ihnen der Begriff „das schöne Sonntagsgewand“ noch vertraut? Aus Omas Erzählungen? Aus schrulligen Büchern?

Also ich war eine Sonntagsgewandbesitzerin und Sonntags,- bzw. Kirchgehgewandträgerin. Und ich habe es gehasst, das Sonntagsgewand! Aufrichtig und konsequent. Die ganze Woche lief ich meinen Brüdern gleich in der Krachledernen oder der dreifach Geflickten herum, schwang mich mit einer Leichtigkeit auf Bäume, die Tarzan beschämt hätte und trieb im Wochentags,- bzw. Spielplatzgewand, wie es meine Oma so trefflich formulierte, alles, was Gott verboten hat. Ich war ein wildes Kind und stets schmutzig. Wunderbar!

Am Sonntag aber musste ich für den Kirchgang mein Sonntagsgewand anziehen, und da ich das älteste von uns fünf Kindern war, war ich die Erste beim Anziehen. Wer fertig angezogen war (in meinem Fall hieß das: blöde weiße Strumpfhose, die zwickte, blöde weiße Schuhe, die eng waren, blöde weiße Bluse mit blödem weißen Kragen und blöder Mantel, der einfach blöd war und blöd aussah), wurde in den Garten geschickt, weil der Platz einfach sehr knapp war in der Wohnung. Bis der Letzte von uns sonntäglich eingekleidet war, hatte ich meist schon das erste blutige Knie und eine zerrissene Strumpfhose. Über das, was meiner Mutter dann gerne entfuhr, will ich mich hier gar nicht äußern.

Sonntagsgewand. So lange her. Und Freude mit dem Sonntagsgewand hatte in der Geschwister- bzw. Cousinenkette erst die vierte oder fünfte Empfängerin des weitergegebenen, x-fach ausgebesserten Zeug, die es dann als Spielplatzgewand auftragen und zerreißen durfte….

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.