11

17

Aktuelle
Ausgabe:
Zum Shop
28. Jänner: ...Bissgurrn...

Das Vordergündige trifft nicht immer den Kern der Sache, und selbst manche Kerne haben noch einen Kern. Wenn ich mich auch ganz und gar als Kind einer Welt der Herzen und des Universellen ohne Landes,- Kultur,- oder Dünkelgrenzen sehe, gibt es doch sehr urösterreichische Gefühle in mir. Eines davon ist die Lust am Titel, begrenzen wir es nicht: die Lust an der Betitulierung trifft es eher.

„Sie ist eine Furie, eine Schlange, oder eine Heilige…“. Aussagen wie diese lassen uns erkennen, welchem Wesen man hier näher tritt. „…eine Prinzessin, eine Primadonna, eine Emanze…“ lässt ebenfalls Rückschlüsse zu. Oft aber liegt man in der Beurteilung einer Benennung oder Betitelung auch weit daneben. Eine meiner Lieblings-Charakterisierungen zum Beispiel ist ein Lehrstück für geläufige Fehlinterpretation: die Bissgurrn. Häufig wird diese Zuordnung Frauen in schmähender Absicht umgehängt, manchmal gar im Zusammenhang mit Eifersucht eines Mannes wegen. Weit daneben! Wenn man der an sich sehr schönen Bezeichnung „Bissgurrn“ auf den Zahn fühlt, wird man schnell herausfinden, dass sie sich vom mittelhochdeutschen Wort „Gurre“ ableitet. Die Gurre ist eine alte, erfahrene Stute, die ihre Herde bewacht, beschützt, im Notfall warnt, und bei dieser wichtigen, das Überleben der Großfamilie sichernden Aufgabe zu allen notwendigen Maßnahmen greift. Selbst vor einem herzhaften Biss wider die anderen Stuten schreckt sie nicht zurück, falls notwendig. Es gilt, das Wohl der Herde zu sichern und an oberste Stelle zu setzen.

Sie werden jetzt vielleicht verstehen, warum mir das Wort, bzw. die Bezeichnung „Bissgurrn“ leicht und mit anerkennender Achtung vor Frauen, denen es im übertragenen Sinn zugeordnet wird, über die Lippen kommt. Eine Bissgurrn hat im Familienverband der Pferdegruppe einen hoher sozialer Stellenwert, sie ist weitblickend, erfahren, beschützend, kompromisslos und stark. Ob ich bissig reagieren würde, wenn mich jemand – um die Bedeutung des Wortes wissend oder unwissend – Bissgurrn nennt? Sicher nicht! Denn ich lebe in meiner kleinen Herde daheim das Bissgurrn-Modell. Sehr gern. Und sehr konsequent.

Kommentare

3 thoughts on “28. Jänner: …Bissgurrn…”

  1. Irene Gruber sagt:

    Wertes Welt der Frau Team!
    Vielen Dank für den Krautgartner Monat!
    Ich bin grundsätzlich ein Morgenmuffel, nach der Lektüre des Bloggs allerdings starte ich nun jeden Tag mit einem Lächeln.
    Nur eine Frau ist in der Lage in die Seele einer Frau zu blicken und kaum eine Frau versteht es besser als Frau Krautgartner diese Einblicke humorvoll und trotzdem mit einer absoluten Zielsicherheit treffend zu formulieren und aufs Papier zu bringen.
    Vielen Dank für das tägliche Lächeln!
    Irene Gruber

  2. Wunderbar! Monika Krautgartner trifft jeden Tag aufs Neue den Nagel auf den Kopf. Sie tut das mit ihrer unnachahmlichen Eleganz, Schlagfertigkeit, Selbstbewusstsein und einer großen Portion Weisheit. Diese „Bissgurrn“!

  3. Liebe Susanne Pollinger!
    Liebe Irene Gruber!
    Ich bedanke mich für die Zuschriften und wünsche noch einen frischfraulichen Tag!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.