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Mond

Der Engel kommt in der Nacht. „Wach auf!“ Es ist viertel vor vier. Ich will nicht aufwachen. Es ist dunkel. „Wenn man im Dunkeln sitzt, kann man die Sterne sehen. Also mach die Augen auf.“ Ich taste nach dem Schalter meiner Nachttischlampe. „Halt!“ Der Engel hält mich zurück. Ich halte inne. „Schau!“ Ich sehe nur Schwärze. „Schau genauer hin.“

Ich schaue genauer und plötzlich beginne ich, Umrisse zu erkennen. Der Schrank. Die Vase auf der Kommode. Der fahle Schatten der Tür. Das Schwarz löst sich auf in viele Grautöne. Es gewinnt an Tiefe. „Im Dunkel beginnt alles“, flüstert der Engel. „Dumm, es auszuschalten.“

Ich lege mich wieder hin und die Nacht legt sich zu mir. Wir warten, was kommt.

 

Susanne Niemeyer (Text und Illustration) mag Blechsterne, Luciakatzen und sucht den Advent.