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3. Jänner: ...Bücher, die die Welt (nicht) braucht

Heute waren die letzten Feiertagsgäste da (…“wir sehen uns bald wieder! Bussi!“…), der Trubel der letzten Tage hatte es wirklich in sich. Ufff! Jetzt habe ich endlich Zeit, die zurückgelassenen Mitbringsel und Weihnachtsgeschenke einer eingehenderen Inspektion zu unterziehen. Aha, einige Bücher dabei. Bin immer wieder erstaunt, was für Themenvorlieben mir zugetraut werden. „Schlank im Zoo und anderswo“, „Feine Küche für Blunzenfreunde“, etc. Ich denke einen schlimmen Augenblick lang, dass man bestimmt sehr oft einfach Verlegenheitsbücher bekommt, genau so wie den Verlegenheitsgeschenksklassiker, die Pralinenpackung. Heuer sind ein Horoskopbuch („der Zwilling im Wechsel“) und ein spiritueller Wegweiser („mit dem Karma scherzt man nicht“) dabei.

Uiiih, da kommt Freude auf. Ich frage mich, wer so was schreibt, und natürlich auch, wer so was schenkt. Und dann frage ich mich auch noch, warum man MIR so was schenkt? Weil der Preis heruntergesetzt war? Weil ich ausschaue wie eine, die so was will? Oder weil ich nicht sehr beliebt bin bei meinen Freundinnen und sie es auf diese Art zeigen? Wie auch immer, aus Höflichkeit (vielleicht überwacht mich ein Satelit und spielt das Bild der Freundin mit dem Blunzen-Buch zu?) blättere ich in den Regalneuzugängen. Allerdings gebe ich nach ein paar Absätzen auf. Das ist zuviel an neuer, wertvoller (?) Information.

Im Horoskop-Buch steht, dass eh alles festgeschrieben ist, was kommt, die Sterne wissen alles über die Zukunkt. Im Karma-Buch steht, dass wir unsere Zukunft mit unseren Taten bestimmten, also alles offen ist. Im Blunzen-Buch, dass Blunzen gesund, die Schönheit fördernd, und reich an Spurenelementen sind. Im Schlank-Buch, dass man sich vor allem vor Blunzen und Co. in Acht nehmen soll. Nun. Ich lege die neuen Bücher vorsichtig aus der Hand und überlege, ob sie ungelesen genug wirken, um weitergeschenkt zu werden. Dann hole ich aus dem Regal eines meiner Lieblingsbücher, den 100fach gelesenen Roman „die gute Erde“ und lebe mich ein. Im dritten Absatz lächle ich wie gewohnt über Wang Lung. Im zweiten Kapitel bekomme ich üblicher Weise erstmals feuchte Augen, und nach gut vierzig Seiten wäre es mir beim besten Willen nicht mehr möglich, dieses über alles geliebte Buch aus der Hand zu legen. Und zum hundertundeinten Mal in meinem Leben denke ich dankbar an Pearl S. Buck, die Mutter dieses Buches, und daran, das es eigentlich unfassbar ist, was manche Menschen in der Lage sind, zu schreiben.

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