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30. Jänner: ...allgemein, wenig Stein...

Hand aufs Herz: Wer von uns bildet sich nicht zumeist ein, ziemlich anständig, nett, brav, sozial verträglich und angenehm im Ton zu sein? Finden wir nicht viel eher an der Nachbarin, Arbeitskollegin, Chefin, Kindergartenleiterin, Lehrerin, Schwiegertochter, usw. etwas auszusetzen, als an uns selbst? Ja, selber weiß man natürlich, wie der Hase läuft, und selber macht man die Dinge gut, während man über zwischenmenschliche Rohrkrepierer und libidöse Waterloos im Umfeld manchmal sogar mit gerümpftem Näschen lästert.

Wir sind sozial angepasste Wesen, eh klar, sonst würden wir ja einzeln weit verstreut in den Wäldern hausen und jedem Eins über die Birne ziehen, der unser Nahfeld kreuzt. Wir haben Wohlverhalten erlernt und erfahren, dass es in der Gruppe belohnt wird, nicht allzu weit vom Üblichen abzuweichen, wenn nicht gar fehlzutreten. Lob für sozial verträgliches und frauentypisches Verhalten im Ausmaß einer kurzen Ode tut uns gut, wir hören es gern und glauben zeitweilig sogar, was über uns gesagt wird. „Brav, tüchtig, aufopfernd, rücksichtsvoll, einfühlsam, gute Haut, für alle da, immer freundlich“…. ja, wir Mädchen haben gelernt, Wohlverhalten an den Tag zu legen, um gut rüber zu kommen. Die kleine Stimme im Ohr, das Engerl, dirigiert uns in die Richtung „allgemein, wenig Stein“.

Und obwohl man im Laufe der Jahrzehnte lernt, wie’s leicht ginge, und wodurch man überall gerade so durchrutscht ohne gröbere Unbill, taucht wie aus dem Nichts immer wieder auch noch eine ganz andere Stimme auf. „Sei ein Luder“, sagt sie, „sei lebendig, frech, blöd, ärgerlich, laut, provokant, egoistisch und verrückt! Du willst es doch auch!“ Was soll ich sagen? Es stimmt! Ich will es so. Auch das bin ich. Schau her.

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