11

17

Aktuelle
Ausgabe:
Zum Shop
70 Jahre Welt der Frau: Was wurde eigentlich aus ...

Im April 1946 erschien unsere Zeitschrift zum ersten Mal, damals noch unter dem Titel „Licht des Lebens“. Jetzt feiern wir das 70-jährige Bestehen und sagen Danke für bewegte Frauengeschichte(n), Zeitgeistwandel und Emotion pur. Anlässlich des großen Jubiläums trafen wir LeserInnen und WegbegleiterInnen von einst und heute. Erstaunlich, welche Geschenke ihnen das Leben in der Zwischenzeit bescherte – und wie „Welt der Frau“ an so manchem beteiligt war.

… Gertraud Kopf, einer Leserin der ersten Stunde? „Mir war kein Eisen zu heiß!“

Die 82-Jährige sorgte schon vor Jahrzehnten dafür, dass Frauen und Homosexuelle gehört werden.

Gertraud Kopf (82) ist ein Unikat, und das in vielerlei Hinsicht! Durch die Wohnung braust die Pensionistin mit dem Rollator, durch die Lande „selbstverständlich mit dem Auto“. Dass da so mancher die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, ist ihr wurscht. „Irgendwer muss ja die alten Leut’ besuchen“, lacht die Witwe und zeigt ihr privates „Welt der Frau“-Archiv. Seit der ersten Ausgabe hortet sie das Magazin. Sogar die alten Hefte von „Licht des Lebens“ sind dabei. Kopfs Mutter hatte sie gleich nach dem Zweiten Weltkrieg abonniert. Gertraud Kopf war damals zwölf, besuchte in Linz das Gymnasium der Kreuzschwestern und wollte, „um nicht heiraten zu müssen“, Sängerin oder Kinderdorf-Mutter werden. Vom Lernen unterfordert, begann die Vorzugsschülerin Theater zu spielen, in Chören zu singen, Näh- und Kochkurse zu absolvieren. Sehr zum Leidwesen der klösterlichen Erzieherinnen, die ohnedies schon mit den ständigen Warum-Fragen der „unangepassten, wenig frommen Rebellin“ zu kämpfen hatten. …

Was wurde eigentlich aus Kerstin Steiners Traum vom eigenen Häuschen? „Ein Volltreffer in jeder Hinsicht“

Die junge Mutter fand dank Rita Huber ein Haus für ihre Familie und eine amikale Beziehung.

50_ah_20160209_161445_9891 KLEIN

„La mia casa è la tua casa“ – „Mein Haus ist dein Haus“ – heißt es in Italien. Kerstin Steiner und Rita Huber – mit ihren Familien – leben dieses Motto auch in Oberösterreich. | © Alfred Haslinger

Rita Huber (63) ist Stammleserin von „Welt der Frau“. In der Februar-Ausgabe 2014 fiel ihr ein Artikel über Kerstin Steiner (35) auf, die mit ihrem Mann Marco eine Werbeagentur besitzt und in einem Halbsatz erwähnte, dass sie von einem Landhäuschen für ihre kleine Familie träumte. Weil die Hubers damals gerade in Erwägung zogen, einmal ihr Haus zu verkaufen, „weil die Arbeit mit dem großen Garten zu viel wurde, wir nicht mehr so viel Platz brauchten, für die Zukunft an barrierefreies Wohnen dachten und in der Nähe bereits ein nicht alltägliches Wohnprojekt ins Auge gefasst hatten“, fühlte sich Rita Huber sofort angesprochen. Sie recherchierte Kerstins Adresse und schrieb ihr einen Brief. „Ich dachte sofort: Diese junge Familie könnte passen. Uns war nicht egal, wer das Haus kauft und dann einzieht.“ …

Nacktheit, Karriere und Emanzipation empörten

Dr.in Friederike Lenzeder (84) war von 1958 an 28 Jahre lang Chefredakteurin.
53_unten_wahl_F.Lenzeder_zitat_privat KLEIN

Friederike Lenzeder lobt: „Bildungsfreudige Leserinnen finden wertvolle Anstöße für individuelle Lebensgestaltung – ohne jede Beeinflussung.“ | © privat

Was waren „Aufreger“ in Ihrer Ära?
Friederike Lenzeder: Dass in den 1960er-Jahren das „Oberhaupt der Familie“ von den Frauen noch als gottgewollt verteidigt wurde. Der Wechsel der Anrede vom „Fräulein“ zur „Frau“ war für viele schwer verdaulich, und die Konkurrenz zwischen „Nur-Hausfrauen“ und „berufstätigen Frauen“ war der Dauerbrenner. Und erst die Sexualität! Ein Foto mit nackten Kindern oder die nackte Brust einer Frau – „untragbar für eine katholische Zeitschrift“! Dann schlug gar der Soziologe Rosenmayr noch „Kussecken im Pfarrheim“ vor, und der Klartext im „Ehefragekasten“ („Seine sexuellen Wünsche“, Ausgabe 7–8/1980) rief Proteste hervor. Für eine Aussage, über die man heute nur lächeln kann, forderte der damalige Frauenbischof meine Ablöse. Zugleich gab es ermunternde Zurufe reformfreudiger Frauen. 

Welche Meilensteine der Frauengeschichte begleiteten Sie?
Die Überwindung des alten Frauenbildes, Gleichberechtigung, Selbstwert, Eigenständigkeit, gelebte Partnerschaft et cetera. Der Feminismus als Bewegung war eine folgerichtige Fortsetzung. Aber der Anstieg der Abos von 16.000 auf 75.000 in meiner Zeit sagt auch einiges aus. 

 

48_150717-02 Barbara Pachl-Eberhart 0281 RGB KLEIN

Barbara Pachl-Eberhart, Buchautorin und Seminarleiterin | © Robert Maybach

Schon als Kind blätterte ich immer in Mamas ,Welt der Frau‘. Das fühlte sich an wie ein Versprechen: Ich werde auch einmal dazugehören. Frau sein, das wird schön, das wird gut!


50__zit_Barbara Stöckl KLEIN

Barbara Stöckl, TV-Produzentin | © privat

Was ich mit ,Welt der Frau‘ verbinde? Lebensklugen, sensiblen, menschlichen Journalismus. Geschichten, die immer wieder zeigen, dass es sich lohnt, das Interesse auf Menschen zu richten, die bewusst durchs Leben gehen.

 

Eurovision Song Contest 2015

Arabella Kiesbauer, Fernsehmoderatorin | © arabella.kiesbauer.at

Frauenzeitschriften blättere ich meist ganz schnell durch, aber bei ,Welt der Frau‘ bleibe ich hängen und freue mich auf ausgiebiges Lesen der exzellent recherchierten Reportagen. Vielen Dank für eure hervorragende journalistische Arbeit!

 

 

Mehr dazu lesen Sie in „Welt der Frau“ 04/16 – von Petra Klikovits