11

17

Aktuelle
Ausgabe:
Zum Shop
91 Tage oder das Ende der Schreiphase

Der erste tollpatschige und zittrige Versuch, mit gefühlten Bärenpranken Babys Bauch rund um die abfallende Nabelschnur zu säubern, die dicken Tränen beim Gefühl nicht zu wissen, was ihm fehlt, das triumphale Gefühl und die große Freude über seine ersten Greif- und Stehversuche: dieses letzte Vierteljahr könnte Jahre an Ereignissen füllen. Mit einer Windeseile hat mit dem Einzug in den Kreissaal ein nicht mehr zu stoppender Prozess begonnen. Die Prioritäten wurden neu gesetzt, der Egoismus in eine Schachtel ganz weit hinten im Dachboden verstaut und die Lernkurve in fortgeschrittener Babypflege angekurbelt – wir sind Eltern und plötzlich scheint mir vieles so fern wie nie.

Vor genau einem Jahr war ich drei Monate in New York durch ein Kunststipendium und streunte dort durch die Kunst- und Kulturszene. Ich schlief, aß und flanierte wann und wie ich es wollte. Ich sorgte mich höchstens um meinen nächsten Einkauf beim Biosupermarkt oder darum, welche U-Bahn mich zu meinem nächsten Abenteuer bringen würde. Ich kann es kaum glauben – erst ein Jahr bin ich wieder zurück?

Seit der Geburt unseres Sohnes ist kein Tag vergangen, an dem ich nicht ständig über unsere Zukunft und sein tägliches Wohlergehen nachgedacht hätte. Ich habe seinen 3-monatigen Geburtstag so herbeigesehnt, schließlich würde das vermutlich das Ende seiner 3-Monats-Koliken mit dem vermehrten Schreien bedeuten. In meinem Geiste malte ich mir eine Riesenparty aus und alle, die die ersten schwierigen Wochen miterlebt hatten, würden kommen und mit uns feiern. Wir werden nun doch unter uns bleiben – mit der Oma zu Besuch und einem stolzen, abgekämpften Lächeln auf den Lippen. Stolz, diese Phase gut und partnerschaftlich gemeistert zu haben und froh, so reich beschenkt worden zu sein mit dem lustigsten, forderndsten und verkuscheltsten Rabauken im Pocketformat. Er hat zwar seine Tendenz, wegen ziemlich jeder Unpässlichkeit zu protestieren nicht gänzlich an den Nagel gehängt, aber die guten, entspannten Phasen werden immer länger. Willkommen 4. Monat!

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.