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99 Prozent perfekt - Tendenz fallend

Der Valentinstag ist vorbei, der bunte Frühlingsgruß am Wohnzimmertisch verblüht und die sündigen, kleinen Häppchen haben sich längst in Hüftgold verwandelt. Der Alltag kehrt ein und ich versuche während ich nicht arbeite und mein Mann in der Arbeit ist daheim zurecht zu kommen. Ich will Ihnen einen für mich typischen Gedankengang nicht vorenthalten: „Wenn ich Michl besonders lange trage, mit Spielen die Zeit bis er müde wird hinauszögere, dann den Nachtschlaf und die Stillpausen optimiere kann ich eine halbe Stunde später aufstehen und somit können wir zeitig genug zu seinem nach hinten verlegten Spazierschläfchen aufbrechen um dann erfrischt vom Fahrtwind genau um 11:30 in meinem Stammlokal einzutreffen, spät genug für das Mittagsmenü und früh genug um meinen heißgeliebten Caffé Latte vor den Essen mit meinem guten Freund zu trinken.“ Wenn Ihnen diese Aneinanderreihung von Eventualitäten wirr und skurril vorkommt – kein Wunder. Diese elterlichen Kausalketten sind auch für mich Neuland und wenn ich mir diese Zeilen so durchlese wundert es mich nicht, warum mich so manch alter Freund ansieht als wäre ich ein Kauderwelsch blubbernder Alien. Man sollte mich dieser Tage nie leichtsinnigerweise fragen, was ich gerade gedacht habe.

Meine große Aufgabe sehe ich im Moment allerdings in einem bewussten Gegenmanöver zu perfekt durchgeplanten Tagen. Es kostet Energie und Nerven mich und den Kleinen generalstabsmäßig zu diversen Aktivitäten zu bringen. Diese Herangehensweise hat zudem schon mehrmals in Frust und Enttäuschung gemündet. So trivial das klingt aber je mehr Planung desto mehr kann auch nicht nach Plan verlaufen. Ein Baby ist nun mal kein vorhersehbares, trainiertes Äffchen, das nach dem Prinzip Aktion-Reaktion funktioniert. Und wenn ich mich auch noch so bemühe die gemeinsame Zeit perfekt zu planen, um z.B. bei Treffen oder Terminen pünktlich zu sein, so merke ich immer öfter, dass diese Taktik ohnehin nicht funktioniert. Spontanität, Achtsamkeit und eine gewisse Güte und Geduld mit mir und Michl sind wahrscheinlich viel angebrachter als lange Todo-Listen. Ich nehme mir vor der Perfektionismusfalle ein Schnippchen zu schlagen und der gemeinsamen Zeit wie einem aufregenden, spaßigen und spontanen Abenteuer zu begegnen, das jeden Tag aufs neue beginnt und das Potential hat mich und meinen Michl immer wieder ins Staunen zu versetzen.

 

 

Kommentare

One thought on “99 Prozent perfekt – Tendenz fallend”

  1. Roswitha Hörl-Gaßner sagt:

    Liebe Frau Krautgartner,
    ich kann Sie nur ermutigen, Ihrem Vorhaben treu zu bleiben. Als dreifache Mutter habe ich das Leben mit Kindern in verschiedensten Varianten erlebt. Ja es ist und bleibt spannend, bis ins Erwachsenenalter hinein. Glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass auch das Leben mit fast erwachsenen Kindern ein Abenteuer bleibt? Ich bin dankbar für diese Lebendigkeit. Ich wünsche Ihnen viele schöne staunenswerte Momente, jeden Tag neu.
    Herzliche Grüße von Roswitha Hörl-Gaßner

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