11

17

Aktuelle
Ausgabe:
Zum Shop
...ab in die Wanne...

Wenn es draußen stürmt und schneit, gatschig ist und feuchtkalt – ab in die Wanne! Wenn die Schwiegermutter weder ihr Geldtascherl, noch ihre guten Hausschuhe, geschweige denn die dritten Zähne findet und im drei-Minuten-Takt anruft – ab in die Wanne! Wenn das Mittagessen leicht angebrannt war, aus Nahrungsverwertgründen dennoch verspeist wurde und nun saures Aufstoßen verursacht – ab in die Wanne! Und wenn man dem Herzblatt, das man in der Regel ja liebt und mit einem Lächeln begegnet am liebsten ein unflätiges Wort an den Kopf werfen möchte, weil es auch nach 20 Jahren Beziehung nicht im Stande ist, seine gebrauchten Socken unter dem Wohnzimmertisch hervorzufischen und in den Wäschekorb (Da kommt er bei jedem Gang zum Kühlschrank vorbei! Nicht einmal ein Umweg!) zu legen – ab in die Wanne!

Die Badewanne ist mein Rückzugsrefugium, sie ist für mich das, was in Kindertagen das Deckenhaus unter dem Küchentisch war: eine Höhle, die niemand kennt, niemand findet, und somit logischer Weise auch mich niemand findet, solange ich in ihr verweile. In unseren Breiten dient die Badewanne längst nicht mehr ausschließlich ihrer ursprünglichen Bestimmung. Wer ist im Zeitalter der Dusche und des regelmäßigen Kleiderwechsels schon so dreckig, dass er längere Zeit eingeweicht werden muss? Heute geht es in erster Linie nicht mehr um die Körperschmutzverminderung in der Wanne, es geht um die Entspannung, Entschleunigung, das Wohlgefühl, das warmes, womöglich mit Düften und Ölen angereichertes Wasser auszulösen vermag.

An Blitz- und Donnertagen, kurz vor und kurz nach dem Putztag, kurz vor und kurz nach dem Besuch der Verwandtschaft, kurz vor und kurz nach den Feiertagen, kurz vor der Abendruhe, kurz: eigentlich immer, wenn die Seele Sonne und Licht braucht – ab in die Wanne! Das ist eines meiner Geheimnisse zur persönlichen Psychohygiene. Die besonderen Zuckerl beim Entspannen in der Badewanne sind für mich die spannenden Gedanken, die sich im alten Dichterinnenkopf während der Hautaufweichphase breit machen. So manche meiner Romanheldinnen wurde in der Badewanne geschaffen, der ein oder andere Augenblick in vollendetem Gleichgewicht trieb in der Wanne auf mich zu. Dass viele meiner fiktiven Romanfiguren leider Wasserleichen sind, hat bestimmt mit meiner Vorliebe für Gedankenspiele im Feuchtbereich meiner Wohnung zu tun. Tja, was soll’s? Jede Dichterin hat ein Nahverhältnis zu irgendwas. Es gibt Schlimmeres als die Badewanne. Was das ist? Nun, vielleicht machen Sie sich nächstens in der Badewanne darüber Gedanken…

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.