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Abwarten und Himbeerblättertee trinken

Gefangen im Limbus der letzten Tage meiner Schwangerschaft wechselt meine Laune von „Herrlich, endlich Zeit um die Kerzen und meine Speicherkarten nach Farbe, Form und Kaufdatum zu sortieren!“ und „Ich drehe durch, warum ist das Baby immer noch nicht da!“. Zugegeben – Geduld war noch nie meine Stärke und als starrsinniger Kontrollmensch fällt es mir wirklich schwer zuzulassen, dass diese halbe Portion in mir bestimmt, wann und wie es so weit sein wird und er seinen ersten großen Auftritt auf diese unsere Bühne der Welt hinlegen wird. Jetzt, am Ende meiner Schwangerschaft, kann ich auch sagen: es ist schon ganz gut eingerichtet, dass man in den ersten paar Schwangerschaftswochen nicht in die Zukunft blicken kann. Sonst würde man erkennen, dass es tatsächlich immer noch eine Steigerung an Unwohlsein, Schwerfälligkeit, Tollpatschigkeit und Erschöpfung gibt. Wer sich im 5. Monat schon wie ein gestrandeter Wal in Umstandsquetschhose fühlt hat gute Chancen, im 10. Monat jedwedes Ideal eines noch angenehmen Körperumfangs über Bord zu werfen und akzeptieren zu müssen: „Wenn du glaubst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo noch ein Röllchen her!“. Bauch doof, Wasser doof, Rücken doof – alles doof. Wie das nervige, wollige Schaf aus der Werbung fühle ich mich manchmal, bis ich mich dann wieder zusammenreiße und mir die nüchternen aber weisen Worte meiner Schwiegermutter ins Gedächtnis rufe: „Du bekommst dafür ein Baby.“ Okay, das ist ein Argument, das gebe ich zu.

Mein Sucherverlauf im Browser ist derzeit bestimmt von Suchergebnissen wie: „Die sechs sichersten Anzeichen für den Geburtsbeginn“, „Woran sie erkennen, dass Sie bald wieder in Umstandsmode aus dem 5. Monat passen werden“ und „wie Mond, Kuschelhormone und bengalische Trüffelkäfer über Ihren Geburtstermin bestimmen.“ Wer das übertrieben findet, möge sich in die Lage versetzen, plötzlich einen Körper im Autopilotenmodus zu haben, der jetzt ständig irgendwelche komischen Laute, Schmerzen und sonstige Zustände produziert, die einem allesamt höchst merkwürdig und verdächtig vorkommen. Ich weiß sehr wohl, dass das Beste jetzt eine Mischung aus „Carpe Diem“ und einer klassischen Ablenkungsstrategie wäre. Vielleicht bessere ich mich die nächsten Tage, vielleicht kommt es gar nicht dazu und unser termingerechtes Kind hat Erbarmen und macht sich bitte, bitte endlich auf die Reise!

 

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