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Achtung ansteckend

Alles hustet, schnupft und schnieft. Der Nachbar, die Arbeitskollegin meines Mannes, der Postler, meine Oma und schließlich auch ich selbst. Einige Zeit hat unser Kleinster standgehalten, doch seit ein paar Tagen ist auch er stark erkältet und kämpft sich mit rotem Näschen durch seine Tage. Ich komme nicht umher, Ursachenforschung zu betreiben. Habe ich mich vielleicht an dem süßen Toddler aus dem Babytreff angesteckt, weil sie unser mitgebrachtes Buch frech gemoppst und dann angeniest hatte mit ihrer offensichtlichen Erkältung? Ist es so, dass Michl und ich uns jetzt ständig mit irgendwas anstecken werden, weil wir wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und auch andere Eltern mit vielleicht erkrankten Kindern treffen? Bedeutet das ein Leben in Sorge und in ständiger Alarmbereitschaft und Argusaugen, um ihm eine mögliche Ansteckung zu ersparen? Oder vielleicht ist die notwenige Konsequenz der Rückzug in die eigenen vier Wände, um eindringenden Keime in Desinfektionslösung zu ersticken?

Eine ehrliche Analyse meiner Gefühle diesbezüglich hat ergeben, dass mein Grübeln wohl eher etwas mit meinen Ängsten um ihn zu tun hat als mit den Keimen da draußen. Es ist nicht möglich und wohl auch nicht sinnvoll, mein Kind vor allem Ungemach zu schützen. Janusz Korczak pocht in seinem Buch „Wie man ein Kind lieben soll“ auf das Recht des Kindes auf seinen eigenen Tod, was gleichzusetzen ist mit dem Recht des Kindes auf Risiko, da im Prinzip jedes Risiko potentiell zum Tod führen könnte. Diese radikale Ansicht steht zuendegedacht und in Konsequenz für einen Erziehungsstil, der das Kind frei, stark und erfahren macht. Dazu gehört allerdings eine ordentliche Portion Mut, Grundvertrauen und das obligate stückweise Loslassen seitens der Betreuungspersonen. Keine leichte Übung. Ich werde mich weiterhin mit anderen Familien treffen, mit den Öffis fahren und versuchen, anstatt darüber zu grübeln, wie ich dieses Mal seine Ansteckung hätte verhindern können, mich auf die kommenden frühlingshaften Tage zu freuen, wenn wir wieder fit und munter als dynamisches Doppelpack die Stadt unsicher machen werden.

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