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Agedashi Tofu in einer federleichten Panko-Panade<br>Vom Essen, Tangotanzen, Taxifahren und anderen wichtigen Kleinigkeiten

An sich meide ich Menschen, die ausschweifend vom Essen schwärmen, so als sei Essen eine Hauptbeschäftigung. Doch Layene Mosler hat mich bei der Lektüre ihres Buches belehrt, nicht gerade bekehrt: Es ist möglich, begeistert übers Essen zu reden und zu bloggen und dabei dennoch die Welt nicht aus den Augen zu verlieren, noch viel für Mitmenschen übrig zu haben. Layne hat die Gabe, mit TaxifahrerInnen ins Gespräch zu kommen, der erste taxista in Buenos Aires erzählt ihr beim Taxifahren und Matetrinken von einem besonderen Restaurant. Die Autorin ist begeistert, damals ist sie übrigens nur ein Gast in einem Taxi, aus Kalifornien kommend, in einem Promirestaurant als Küchengehilfin gescheitert und somit wieder auf der Suche nach dem passenden Beruf. Ja, mit Essen soll er zu tun haben, um Essen soll sich das Leben und die Arbeit so drehen. Je länger ich das Buch lese, desto mehr glaube ich das jetzt auch selbst: Da gibt es Taxifahrer, die kaum etwas verdienen und dennoch herrliches Essen – gut und billig – genießen; die nicht im Zentrum zu McDonalds gehen, fette Burger essen, sondern die niemals so genannte Ethno-Küche zu genießen wissen. Auch das Taxifahren in Buenos Aires und New York wird entromantisiert, hoch verschulden sich die Lizenznehmer, wenn sie überleben wollen. Doch welch andere Alternative haben sie? So fahren auch zwei junge Frauen das gelbe Taxi und erzählen Layne von ihren Lieblingsrestaurants und dem Essen, das dort mit großem Ernst und viel Geduld zubereitet wird. Keine Hektik beim Taxifahren, beim Kochen und beim Essen noch weniger: Das wäre ein Modell, das sich zu imitieren, nachzuahmen, lohnt. Tangotanzen lernt die Autorin auch so nebenbei, ihren ersten Tango tanzt sie in Flip-Flops, danach wird es besser, doch nie zu perfekt.

Ich aß langsam, ignorierte das Fußballspiel und beobachtete, wie die anderen Gäste mit den Händen aßen – daher auch das Waschbecken in der Ecke des Speiseraums -, softballgroße Klumpen von etwas, das wie roher Teig aussah, und die sie in familiengroße Stücke Schüsseln mit Eintopf tunkten. Ich fühlte mich wie ein Idiot mit meiner Plastikgabel, aber ich wusste, dass es mir nicht gelingen würde, sauber mit den Fingern zu essen. Außerdem wäre noch sehr viel mehr nötig, um hier drin nicht aufzufallen.

In Berlin schließlich trifft sie zwar nicht Herrn Lehmann, aber gemütliche Taxler; sie verliebt sich und kehrt doch nach New York zurück. Jetzt selbst Besitzerin einer Lenker-Lizenz erlebt Layne alle Taxifahrten anders, souveräner, sie freut sich über die Reaktionen auf ihren Blog, genießt das Essen in Deutschland, genauer, in Berlin und verliebt sich kompromisslos in Rumen, einen leidenschaftlichen Mann und Leser. Und wissen Sie? Es ist völlig normal, sich manchmal zu verfahren: mit dem Taxi und in der Liebe auch.

 

Was Sie versäumen, wenn Sie das Buch nicht lesen: Genuss, Lebensmut, Verwegenheit, heitere Taxifahrten in Buenos Aires, Berlin und New York, liebevolle Eltern, die ihre Tochter auch mental unterstützen, neue Zugänge zum Tango und zum Leben an sich. Die Erkenntnis, dass man nicht vermögend sein muss, um gut zu essen; großen Respekt vor dem Leben der Menschen und den Orten, an denen sie gern sind und essen. Einen richtigen Hunger aufs Leben und aufs Essen auch.

 

Die Autorin hat eine große Leidenschaft: gutes Essen. So will sie in den Orten, an denen sie lebt, stets so gut essen wie die Einheimischen. Zehn Jahre träumte sie davon, ein eigenes Restaurant zu eröffnen, dabei ist sie eine bessere Esserin als Köchin, diese Erkenntnis dämmert ihr nach einem Rauswurf und den Brandblasen an ihren Händen, die sich in der Küche aufgrund ihrer großen Ungeschicklichkeit geholt hat. Sie geht, fährt Taxi, lernt Tango tanzen und den Kultblock „Taxi Gourmet“ zu beginnen. Die Liebe schließlich verschlägt sie nach Berlin.

 

 

Layne Mosler:

Taxi Gourmet.

Auf der Suche nach dem Geschmack des Lebens und der Liebe.

Aus dem Amerikanischen von Sabine Thiele.

München: Droemer 2016.

 

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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