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AHA - Begeistert leben

Meine Freundin C. begeistert sich für Chansons, mein Mann für Mikrocontroller. Meine Kollegin S. bekommt ein Funkeln in den Augen, wenn sie Aktenschränke ausmistet, meine Freundin I. hat sich den Namen ihres geliebten Pferdes aufs Handgelenk tätowieren lassen. Die Stimme meiner Freundin M. überschlägt sich fast, wenn sie von ihrem neuen Kreativprojekt – Notizbüchern mit Deckeln aus alten Schallplatten – erzählt, und ich selbst kann oft nicht einschlafen, weil so viele Worte in meinem Inneren tanzen, die geschrieben werden wollen, oder weil mir eine geniale neue Gewürzkomposition eingefallen ist.
Das Feuer der Begeisterung, so scheint es, brennt in jedem Menschen in einer anderen Farbe. In manchen jedoch ist es fast erloschen – und das ist schade. Denn begeistert zu leben ist nicht nur ein Schlüssel zum Glück, sondern auch Brennstoff fürs Gehirn.
„Jeder kleine Sturm der Begeisterung führt gewissermaßen dazu, dass im Hirn ein selbst erzeugtes Doping abläuft“, erklärt Neurobiologe Gerald Hüther. So werden Stoffe produziert, die für Wachstums- und Umbauprozesse von neuronalen Netzwerken gebraucht werden. „So einfach ist das: Das Gehirn entwickelt sich so, wie und wofür es mit Begeisterung benutzt wird.“
Natürlich braucht das Gehirn zwischendurch auch Routinebetrieb, und manchmal ist einfach Pflichterfüllung angesagt. Aber als Leitstern fürs Leben eignet sich Begeisterung allemal besser.

Erschienen in „Welt der Frau“ 10/16 – von Laya Kirsten Commenda