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Aktive Pappe<br>ab 2 Jahren

Nein, das ist keine Gutenachtgeschichte – eher der Auftakt zu einer ausgiebigen Vorlesezeit auf dem häuslichen Sofa. Der letzte Satz in Antje Damms neuem Buch ist eine Aufforderung: „Komm, klapp das Buch zu und hol noch ein anderes!“ Stapelweise vorhanden und stets griffbereit müssen Bilderbücher in jedem guten Haushalt mit kleinen Kindern sein. Das gehört einfach so. Danke vielmals für diesen versteckten Hinweis und die Werbung, liebe Frau Damm!

Bilderbücher, die nicht nur vorgelesen und betrachtet werden, sondern wo geklopft, gekrault, geklatscht, getippt, zu- und aufgeklappt, geschüttelt, gestreichelt und geblasen werden muss, damit die Handlung vorangeht, sind spitze! Sie animieren zum Mitmachen und lockern die Lektürepraxis auf. Schon den Kleinen wird klar: Nicht nur auf Mamas Smartphone zeigt Wischen und Tippen Wirkung. Bücher aus Papier und Pappe machen Spaß! Lesen ist super.

 

Der Gerstenberg Verlag hat mit Antje Damms „Schlaf, Kater, Schlaf“ dem Angebot der Pappbücher mit Gebrauchsanweisung noch eines draufgesetzt. Dabei sind diese handlichen Dinger aus steifem Karton ohnehin schon vielseitig zu erforschende Spielobjekte: als Tunnel für Spielzeugautos, als Häuschen oder Höhle, wenn zwei rechtwinkelig geöffnet aneinandergestellt werden, als klappernde Geräuschmacher oder „Windmaschinen“ … Und interaktiv ist eigentlich jedes Bilderbuch, wenn zwei Menschen darüber in Dialog treten. Doch diese hier halten etliche Überraschungen bereit.

Aktive Pappe Bild 1

Nein! Du kriegst mich nicht wach!

Der blaugeringelte Kater schlummert selig am pinken Cover … „Ich hoffe, du schlägst das Buch nicht auf! Ich will nämlich meine Ruhe haben. Oder traust du dich doch …?“, so der Text auf der Buchrückseite, der uns unwiderstehlich dazu einlädt, natürlich doch gleich vorne nachzusehen. Beim Aufschlagen der ersten Seite herrscht uns der grantig-verschlafene Kater an. Widerwillig aufgewacht – wer kennt das nicht – mag er schnell wieder besänftigt werden: Dieser Auftrag betrifft eindeutig uns, Mithilfe ist gefragt. Wir dürfen danach teilhaben an seinen süßen Träumen. Doch wer meint, es hier mit einem Schmusekätzchen zu tun zu haben, irrt gewaltig. Scheinheilig versucht der Kater, uns ganz à la Einschlafgeschichte zum Schließen unserer Augen zu überreden. Wir fühlen uns eingelullt und schläfrig, vielleicht auch eine Spur ertappt: Den Suggestionstrick Du-bist-ja-schon-ganz-müde hab auch ich mit mäßigem Erfolg bei meinen übermüdeten Kindern erprobt. Nur das zusammengekniffene leuchtendgelbe Auge, einziger Farbtupfer auf der dunklen Doppelseite, stimmt ein wenig misstrauisch, und richtig: nach dem nächsten Umblättern kriegen wir einen mächtigen Schrecken: Die Fratze einer Monsterkatze wird vor schrill-rotem Bildhintergrund auf uns losgelassen. Aber nur kurz, bevor der Ton gleich wieder auf reumütig und versöhnlich schwenkt. Das wohlige Wonneschauern ist sicher nach X Wiederholungen immer noch garantiert.

Gefühlslagen wie üble Laune, Schmollen, Ruhebedürftigkeit, Zufriedenheit, Freude, Erschrecken, Reue und Harmoniewunsch zeigt Katers Körpersprache eindrücklich vor und lässt uns Bekanntes wiedererkennen und benennen.

Antje Damms Kater-Buch hat etliche Vorreiter, unter anderem sind sie im tollen Moritz-Verlag erschienen.

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Klopf an!  ist in Kinderzeit gerechnet schon „uralt“ (1992 im Original, 1999 im Hanser Verlag) und immer noch beliebt. Auch wenn mir mittlerweile die Bilder der Schwedin Anna-Clara Tidholm, geboren 1948, im Vergleich mit Antje Damm und Jörg Mühle wenig aufregend vorkommen. Der Klassiker mit den einfärbigen Türen, genauso groß wie eine Buchseite, in klarem Blau, Rot, Grün und Weiß, auf die geklopft werden muss, bevor sich die Tür öffnet/die Seite umgeblättert wird, funktioniert wunderbar als Bildwörterbuch. Er zeigt häusliche Szenen und Vertrautes im Tagesablauf und bewegt sich auf Umwegen – die Polsterschlacht der Affen! – in Richtung Bett. Als Gutenachtbuch daher wunderbar geeignet.

Hasenkind mal 3: Ein unschlagbar zart-witziges Trio in Pastell!

Jörg Mühles erstes Pappbilderbuch Nur noch kurz die Ohren kraulen erfüllt wie sein zweites den Wunschtraum müder Eltern am Ende eines langen Tages. Ein einfaches Händeklatschen und schon steckt das Kleine im Pyjama. Das wär einmal eine sinnvolle Erfindung! Danach folgt Polster zurechtklopfen, Ohren kraulen und Rücken streicheln, zudecken, Licht abdrehen – immer kommentiert mit einer wertschätzenden Rückmeldung, etwa „Gut gemacht, danke!“ – und zuletzt gibt’s den Gutenachtkuss.

Das vielleicht für manche Kinder unangenehme Haarewaschen kommt im zweiten Buch Badetag für Hasenkind  dran. Als dabei Wasser ins Gesicht rinnt, müssen wir schnell helfend die Augen zuhalten. Bald ist es trocken gerubbelt, doch der Föhn funktioniert nicht. Jetzt ist starke Puste gefragt, und schon biegt es dem Hasenkind beide Löffel nach hinten, als würde es in einem Cabrio dahinflitzen. Schick im Bademantel steht es zuletzt vor uns und schenkt uns noch ein neues Lieblingswort: Picobello!

Im dritten Mitmachbuch Tupfst du noch die Tränen ab?  wird Hasenkind von uns getröstet und verarztet, komplett mit Pflaster und Aufmunterung, bis es wieder lacht.

Neben den beiden, in jedem ordentlich sortierten Bücherstapel unverzichtbaren Hasenkind-Büchern hat der Moritz-Verlag auch weit Aufregenderes für etwas Mutigere zu bieten:

Da kommt der Wolf!  verlangt einigen Einsatz, um sich des dunklen Gesellen zu erwehren. Wie man das Buch auch dreht und wendet, wie kräftig man es schüttelt und umkippt, der lästige Wolf bleibt fest drin kleben und ist seinem Wesen nach nun einmal furchteinflößend. Wie gut, dass man ihn ganz leicht austricksen kann: einfach das Buch zuklappen! Und wie gut auch zu wissen, dass er sicher da drin wohnt. Sollte uns wieder einmal nach schönem Gruseln sein, kann jederzeit von vorne begonnen werden.

 

 

Antje Damm:

Schlaf, Kater, schlaf!

Ab 2 Jahren

Gerstenberg Verlag 2017

 

Anna-Clara Tidholm:

Klopf an!

Ab 2 Jahren

Hanser Verlag 1999

 

Jörg Mühle:

Nur noch kurz die Ohren kraulen

Badetag für Hasenkind

Tupfst du noch die Tränen ab?

Jeweils ab 2 Jahren

Moritz Verlag 2015–2017

 

Cédric Ramadier/Vincent Bourgeau:

Da kommt der Wolf!

Ab 2 Jahren

Moritz Verlag 2014

Veronika Mayer-Miedl

wurde 1971 geboren und lebt als Buchhändlerin in Ottensheim (OÖ). Als Mitarbeiterin des „Kleinen Buchladens“ sieht sie sich als Vermittlerin – als Leseanimateurin für Kinder besucht sie Bibliotheken und Kindergärten. Ein Fernkurs für Kinderliteratur an der „STUBE Wien“ während ihrer dritten Karenz war ein Glücksfall. Begegnungen bei Seminaren im „Kinderbuchhaus“ gaben neue Ausrichtung und inspirierten zu Referententätigkeit übers Bilderbuch. Mit ihrer schauspielenden Freundin teilt sie neuerdings die Leidenschaft für das japanische Erzähltheater „Kamishibai“ und tritt fallweise als Grille oder sogar Meerjungfrau auf.

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