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Als Bibliothekar könnte Keith Richard schon bald in Pension gehen

Wenn Bibliothekarinnen und Bibliothekare witzig werden, das heißt nicht, dass sie das nicht bereits von Grund auf sind, dann geht es um „beste Sprüche der LeserInnen“, um wilde Neuschöpfungen bekannter Buchtitel, um Hoppalas bei Ausleihe und Rückgabe. Doch Monika Reitprecht verlässt dieses sichere Gelände des bibliothekarischen Lachtheaters und findet die Tür zu den wirklich witzigen Geschichten, zu den Back-Stage-Pointen und das mit viel Reflexion, gutem Stil und dem Wissen, selbst auch nicht Unfehlbar zu sein. Warum sonst investiert man viel Zeit in einen Nerd, der einem das Arbeitsgerät, ja, den PC wieder flott machen soll. Nerd ist hier eine Beschreibung, keine Beschimpfung.

Bereits in der Einleitung bietet die Autorin das erste Feuerwerk: Warum erwarten „KundInnen“ Neuzeit von ÄrztInnen und Mittelalter von BibliothekarInnen? Warum also ist ein Kopierer etwas Revolutionäres, sobald er in der Nähe von Bücherregalen steht. NutzerInnen sollen, so Monika Reitprecht, ob des Hinweises auf WLAN, E-Books, Konsolenspiele und Filme im Angebot der Bibliothek zwischen Zweifel und Eskaste pendeln. Und wir reden hier doch bitte von der Wiener Hauptbücherei, nicht von einer kleinen Bücherei in einem „doof“. Was, „doof“? Dieses Rätsel entschlüsseln Sie, liebe LeserInnen, doch bitte selbst, es geht um eine Praktikantin, na ja, Deutsch ist nicht immer gleich Deutsch. Also: Lesen!

„Ein Pssst! kommt uns nur in begründeten Ausnahmefällen über die gepiercten Lippen, auch wir uns die blaugefärbten Haare am liebsten büschelweise ausreißen täten. Statt strenger Zurechtweisung lassen wir Hilfsbereitschaft walten – und wenn sich die Bibliothekarin des Vertrauens bückt, um ein Buch aus dem untersten Regal zu holen, bietet sich kein Blick auf fleischfarbene Stützstrümpfe, sondern auf ein Arschgeweih.“

Die Autorin gestaltet seit 2009 die Facebook-Seite der Büchereien Wien, hält sich stets bereit, Unterhaltungen zu verfolgen und Pointen zu sammeln. Warum kann dieses Medium nicht fristgerecht, zu Deutsch, rechtzeitig, wie ausgemacht halt, auf der Basis der Bibliothekordnung eben, zurückgebracht werden. Wegen des Luftangriffs 1944. Wie? Auch die Jüngsten werden zititiert, etwa aus ihren Rückmeldebögen zum Sommer-Lese-Club, wo eine/einer das „Verliebtsein“ nicht so toll fand. Also das Verliebtsein der BuchheldInnen. Dass die Jüngsten und auch die Volksschüler manchmal fragen „Muss ich was ausleihen?“ spricht für Ehrlichkeit und Unerschrockenheit gegenüber Lesetests oder haben die eh nix damit zu tun?

„Kinder sind die LeserInnen von morgen. Und das ist manchmal die Drohung von heute.“ Spätestens ab hier ist klar, die will einem nicht schöntun, die will wirklich etwas Witziges, gelegentlich Kritisches, nie Betuliches sammeln. Jeder Kommentar ein Genuss, die Kindlein, die auf Bücher speien und die Eltern, die das gar nicht schrecklich finden. Die Eltern, die das Urheberrecht noch nicht kennengelernt haben und schnell noch Kopien von Harry-Potter-Verfilmungen ziehen, alles nett und doch so nah.

 

Was Sie versäumen, wenn Sie das Buch nicht lesen: Einfach alles. Danach möchten Sie nichts anderes als BibliothekarIn werden, LeserIn geht auch noch, wenn nicht in Wien, dann in Ihrem Doof.

Die Autorin hat keinen Führerschein und wurde daher nach ihrem Studium – Geschichte und Politikwissenschaften – der Witz steht im Buch und ist der schwächste des ganzen Werkes – Bibliothekarin.

 

 

Reitprecht, Monika:

Wo stehen hier die E-Books?

Aus dem bewegten Alltag der Büchereien Wien.

Wien: Milena Verlag 2015.

 

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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