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Altes Kaminstück

 

Draußen ziehen weiße Flocken

durch die Nacht, der Sturm ist laut;

hier im Stübchen ist es trocken,

warm und einsam, stillvertraut.

 

Sinnend sitz ich auf dem Sessel,

an dem knisternden Kamin,

kochend summt der Wasserkessel

längst verklungne Melodien.

 

Und ein Kätzchen sitzt daneben,

wärmt die Pfötchen an der Glut;

und die Flammen schweben, weben,

wundersam wird mir zu Mut.

 

Dämmernd kommt heraufgestiegen

manche längst vergessne Zeit,

wie mit bunten Maskenzügen

und verblichner Herrlichkeit.

 

Schöne Fraun mit kluger Miene,

winken süßgeheimnisvoll,

und dazwischen Harlekine

springen, lachen, lustigtoll.

 

Ferne grüßen Marmorgötter,

traumhaft neben ihnen stehn

Märchenblumen, deren Blätter

In dem Mondenlichte wehn.

 

Wackelnd kommt herbeigeschwommen

manches alte Zauberschloss;

hintendrein geritten kommen

blanke Ritter, Knappentross.

 

Und das alles zeiht vorüber,

schattenhastig übereilt –

ach! Da kocht der Kessel über,

und das nasse Kätzchen heult.

 

 

(Christian, Johann, Heinrich Heine – dt. Dichter, 1797 – 1856)

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