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Wenn die erwachsenen Kinder ausgezogen sind, lassen sich die leer gewordenen Räume mit vielen neuen Wohnideen füllen.

Wohncoaching versteht sich als Brücke zwischen dem Wunsch, einen Raum zu verändern, und der optimalen Lösung für den individuellen Geschmack und das Wohlbefinden“, erklärt Renate Längauer ihre Arbeit. „Wenn ich zu einem Kundenpaar komme, interessiert mich die Wohnung, das Haus oder der einzurichtende Raum vorerst nicht.“ Statt gleich neue Tapeten auszusuchen oder den Abriss einer Wand vorzuschlagen, will Wohncoach Längauer zuerst Bewohnerin und Bewohner des Hauses etwas näher kennenlernen. Anhand eines von ihr entwickelten Fragebogens, der das Wohnprofil des Kundenpaars ergeben wird.
Was ist es, was Ihr Leben ausmacht? Mit welchem Fuß stehen Sie auf? Was hat Ihnen in ihrer Kindheit gutgetan? Wenn sich die anfängliche Verwunderung, was diese Fragen mit dem Wohnen zu tun haben, gelegt hat, lädt Frau Längauer das Paar zum Beantworten ein. „Mit der Bitte, dabei seinen Partner nicht anzusehen, da Paare dazu neigen, für den anderen zu antworten oder dessen Gedanken zu interpretieren.“
Studien belegen, dass über 80 Prozent der Menschen keine Raumvorstellung besitzen. Ihnen fehlt die Kraft des Visualisierens. Deshalb können sie Anregungen aus Einrichtungshäusern in Gedanken nur selten auf die eigenen vier Wände umlegen. „Irgendwann ist dann der Punkt erreicht, an dem aus Ratlosigkeit im nächsten Möbelgeschäft eingekauft wird.“
Frau Längauer will der Wohnfantasie auf die Sprünge helfen. Meist sind es Frauen, die sie kontaktieren. „Wenn aber eine potenzielle Kundin zu mir sagt, ihren Mann bräuchten wir nicht einzuladen, den interessiere das sowieso nicht, reagiere ich provokant mit der Frage: ‚Leben Sie nicht mehr zusammen?‘ Dann ist es meist eine Zeit lang still in der Leitung.“ Frau Längauer besteht darauf, Paare gemeinsam zu treffen. „Kein Mann ist bisher während eines Beratungsgesprächs gegangen.“ Wenn lang verheiratete Paare verwundert zueinander sagen: ,Von deinem Wunsch nach einem eigenen Zimmer habe ich bisher nichts gewusst‘, und gemeinsam zu überlegen beginnen, wie dieser Wirklichkeit werden könnte, sieht Wohncoach Renate Längauer einen Teil ihrer Arbeit erfüllt.

MUT ZU NEUEM
Voraussetzung für Veränderungen im Wohnbereich ist nach Ansicht von Wohncoach Renate Längauer weder die „dicke Brieftasche“ noch die Anzahl der Quadratmeter, sondern der Mut, jahrelang eingespielte Wohngewohnheiten zu hinterfragen. Neue Lebensabschnitte, wie der Auszug der Kinder, bieten sich an. „Ein wenig Trauer, ein wenig Nostalgie, ein wenig vom Festhaltenwollen und der Gedanke ‚Meine Kinder sollen immer ihren Platz zu Hause haben‘ – all das darf mit dabei sein“, räumt Frau Längauer ein. Und doch: Umbruchphasen sollten zum Ausmisten, zum Möbelumstellen, „zum fantasievollen Spiel mit Formen und Farben ohne Zeitdruck“ in den eigenen vier Wänden einladen. Statt „Erinnerungsräume“ zu pflegen, können Eltern nach Absprache mit den Kindern ihre ehemaligen Zimmer in den Wohnalltag neu integrieren.

TAPETENWECHSEL
Wenn feststeht, wofür die ehemaligen Zimmer der Kinder genutzt werden sollen, plädiert Wohncoach Renate Längauer dafür, anstatt nach dem Motto „Alles muss raus“ zu handeln, die vorhandenen Möbelstücke kritisch zu betrachten, ob sie sich mit neuen Einrichtungsideen kombinieren lassen, „Wenn nicht, dann bitte loslassen.“ Dem „Kinderzimmerflair“ kann man mit ausgewählten Lieblingsmöbeln, einem schönen Bettüberwurf und neuen Kissen entgegenwirken. Mit Accessoires wie Bildern oder Spiegeln, neuen Vorhängen und passender Beleuchtung. Und mit Farbe. „Eine Wand lässt sich wieder überstreichen oder ein Wandstreifen neu tapezieren, sollte der Farbton oder das Muster nicht gefallen“, weiß Frau Längauer aus Erfahrung.
Ob elegant, gemütlich oder natürlich, über die verschiedenen Einrichtungsstile lässt sich ebenso wenig streiten wie über persönlichen Geschmack. Für Renate Längauer heißt „wohnen“: schlafen, lieben, essen, träumen, kommunizieren, lesen, musizieren, erwachsen werden, Kinder erziehen, alt werden, zu zweit sein, allein sein, Frieden finden, Mensch sein, daheim sein. Deshalb sollte sich ihrer Meinung nach jeder Lebensabschnitt in der Wohnung widerspiegeln. „Damit das Zuhause der Wohlfühlplatz für alle Lebenslagen bleibt.“

„Wir haben uns einen Wunschtraum erfüllt“

Dipl.Ing. Hans Werner & Ruth Bauder, drei Kinder, sieben Enkelkinder

Ruth und Hans Werner „John“ Bauder haben ihr Haus nach dem Auszug der Kinder auf den neuesten Stand von Funktionalität und Ästhetik gebracht.

Wenn man die fröhlichen Großeltern, John und Ruth Bauder, in ihrem einladenden Haus besucht, denkt man unwillkürlich: So möchte man nach einem bewegten und arbeitsreichen Familienleben genüsslich alt werden, gern auch nur zu zweit!
Seit die drei Kinder erwachsen sind und in anderen Städten leben, haben der ehemalige Geschäftsführer eines großen technischen Unternehmens und die Keramikerin räumliche Veränderungen vorgenommen. Die früheren Kinderzimmer mit dem durchgehenden, tiefen Balkon und ihrem weiten Ausblick in die Natur wurden zu einem L-förmigen Schlaf- und Ruheraum umgebaut. Für Höhe und Geräumigkeit musste eine Wand entfernt und auch das Dach ein wenig aufgebrochen werden. Jetzt ist der helle und doch geschützte Raum ein Refugium der Wahrnehmung und Stille für Ruth und John und entspricht ganz ihren veränderten Bedürfnissen.
Ihr früher im Norden gelegenes kleineres Schlafzimmer blieb als Gästezimmer erhalten. Großzügige Schrankeinbauten trennen die verbliebene Wohneinheit von den Erholung suchenden Großeltern, wenn – nicht gerade selten – die sieben Enkelkinder zu Besuch sind. Dort darf es dann ruhig drunter und drüber gehen.
„Ich liebe eine strenge Ordnung und das Minimalistische der Dinge“, sagt Ruth Bauder. Nichts Überflüssiges soll deshalb in den Räumen herumliegen. Die vom Ehepaar mit Bedacht ausgesuchten Möbel und Leuchten haben klare Formen, Kunstobjekte und Bilder zeigen kaum Farben. Die schlichte Eleganz soll nicht gestört werden. Nur ein paar nostalgische Gegenstände erinnern an jene Zeit, als diese feinen Räume noch bunte Kinderzimmer waren.