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Antworten, die doch nie passen

Elf Geschichten, in denen man gern mitspielen würde. Als Bimstein etwa, als Spargel oder doch als die neue Praktikantin, die eh schon alles gecheckt hat. Mieze Medusa taucht ihre LeserInnen immer mittenrein in das Hipster-Leben, dorthin, genau dorthin, wo eine verspätete Spargellieferung die großen Dramen des Lebens offenbart.

Korrekter Politsprech dominiert die Geschichten, überzeichnet natürlich, so, dass alle LeserInnen sofort ihre LieblingsfeindInnen visualisieren können und gewisse Parteien darüber zwar lachen würden, kämen sie bei dieser Dichte an Witz und Ironie mit. Da wird korrektes Essen mitgebracht oder bestellt, die Espressomaschine läuft ständig und dass man sich Sorgen, ja, auch um den noch nicht gelieferten Spargel macht, das gehört einfach dazu zum Dazugehören. Food-Fotografie und dann schmelzen auch schon die passenden Vasen, eine macht sich immer Sorgen um die andere. In einer anderen Geschichte nimmt sich die Autorin alle Strategien des Team-Building vor, wie man also als Teamleiterin mit KollegInnen umgehen bzw. sprechen sollte. Ja, es gibt ihn, den Deppen, der nichts versteht, der aber flotte Sprüche reißt und – da schau an! – dem Ober-Ober-Chef gerade die Hand auf die Schulter legt. All diese Episoden muss sich dann die Fußpflegerin, die früher auch mal einen anderen Job hatte, anhören. Dazwischen telefoniert sie mit dem dementen Stammkunden, der sich wieder einmal störrisch gibt. Von Termin 1 bis Termin 25 können die LeserInnen die Fußpflegeszenen mitverfolgen, da werden Geist und Fußsohle gleichermaßen weich: Ja, das kennt man, solche Deppen hat man auch in der Abteilung, und ja, die ganzen Sprüche hat man doch auch schon längst satt.

Richtig, Mieze Medusa nimmt den Poetry Slam in die Titelgeschichte auf, ein Selbstzitat, Humor vom Feinsten: In elf Geschichten ist Alltag verpackt, geschliffene Sätze, Wendungen, die man sofort in jedes Lesebuch aufnehmen sollte, wenn die Wendungen halt dort hinpassten. Zentralmatura in Deutsch? Wer diese Geschichten gelesen hat, reißt sich sofort zusammen und will nicht mit banalen Geschichtchen punkten.

Wenn wir uns ein Leben vorstellen, denken wir es uns gelungen. Mit ohne Schmerzen, mit ohne Krieg. Schon mal mit Kopfweh, schon mal mit ein bisschen Widerstand. Mit Herausforderungen. Mit Zeit für Liebeskummer, Anstrengungen, Kraftakten, Massagen und gutem Essen. Gerne mit Problemen, aber bitte mit lösbaren.

 

Was Sie versäumen, wenn Sie das Buch nicht lesen: einfach eh alles, Stress wegen einer verspäteten Spargellieferung, witzige Vornamen, noch witzigere Dialoge, aberwitzige Arbeitssituationen, die für die Mehrheit aber Alltag ist, wunderbare Wortkreationen, Freude an der Lektüre, Bekanntschaft mit Ex-Models und Patchworkfamilien, mit Katzen und Kaffeemschinen.

 

Die Autorin ist Pionierin der österreichischen Poetry-Slam-Szene, Autorin mehrere Bücher, arbeitet hervorragend mit Jugendlichen in Poetry-Slam-Workshops, mehr über sie – www.bvoe.at – hier ein Slam zum Lesen, über Bücher, über Österreich liest.

 

 

Mieze Medusa:

Meine Fußpflegerin stellt Fragen an das Universum.

Geschichten.

Wien: Milena Verlag 2015.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“