11

17

Aktuelle
Ausgabe:
Zum Shop
...armes Würstchen...

Was haben manche Lebensmittel doch für einen Leidensweg zu durchwandern! Die Blunze, zum Beispiel. Wer, außer dem ausgewiesenen Blunzenkulinariker, denkt schon an was Nettes, wenn er „Blunze“, „Blunzn“, oder „Blunz“ hört? Mit der Leberwurst verhält es sich ähnlich. Kaum fällt der Artname Leberwurst ist man versucht, im Geiste „beleidigte“ vorne vor zu stellen, und schon hat man wieder ein an sich wertvolles und energiereiches Lebensmittel herunter gemacht. Dann folgen rasch das Erbsenhirn, der Zwetschkenhintern und die Rübennase, um nur einige zu nennen. Ja, der verzehrbare Teil des Universums wird nicht nur für den Magen, sonder auch oft im Schmähbereich verwendet.

Am schlimmsten erwischt es meiner Meinung nach das Würstchen. Etwas so leckeres hat es nicht verdient, immer wieder als Vergleichsbild für Versager und Pechvögel herhalten zu müssen! Das ist eine ziemliche Gemeinheit! Haben Sie schon einmal gehört, wie jemand sagte „Oh, da kommt ein Glückswürstchen daher!“, oder „“Nein, was für ein reiches und gutaussehendes Würstchen!“? Immer nur ist die Rede vom „armen“ Würstchen, vom „jämmerlichen“ Würstchen, oder vom „peinlichen“ Würstchen.

Meine Freundin versteht meine Aufregung nicht, und findet es allemal angenehmer, „armes“ Würstchen als zum Beispiel „fettes“ Würstchen genannt zu werden. Ich kann ihr die empfundene Empörung nicht nahe bringen, versuche daher, mit dem Umkehrschluss eine Lanze für das österreichische Würstchen zu brechen: Würstchen sind hübsch anzusehen, schmecken gut, sind schnell gekocht, haben ein handfreundliches Design, sind knackig, und treten meist – eine überaus lobenswerte Haltung in Zeiten des ungezügelten Partnerwechsels und der Ausschweifung – als Paar auf! Das alles hat doch was, will ich meinen, und alle möglichen Figuren der Gegenwart als „armes Würstchen“ zu bezeichnen, beleidigt diese prächtigen zartbraunen Gaumenfreuden auf unangemessene und verwerfliche Weise! Und möge es je jemanden drängen, mich mit einem Würstchen zu vergleichen, wird es, wenn es schon sein muss, hoffentlich ein „wackeres“ Würstchen, oder ein „kluges“ Würstchen sein!

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.