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Auf den Hund gekommen

Wir sind zur Zeit auf den Hund gekommen. Es ist zwar nur der Hund unserer Tochter, der gerade bei uns weilt, während Frauchen in Griechenland auf Urlaub ist, aber er hält uns ganz schön auf Trab. Es ist, als hätten wir ein kleines Kind zu betreuen. Rund um die Uhr muss man ein Auge auf ihn werfen.

Luki, so heißt unser kleiner spanischer Aufmischer, ist erst vor ein paar Wochen mit einer deutschen Tierschutzorganisation von Malaga nach München überstellt worden. Wie Luki sein erstes Lebensjahr verbracht hat, wissen wir nicht. Es hat ihn auf alle Fälle zu einem Checker und Überlebenskünstler gemacht. Wir hegen ja den Verdacht, dass er sich als Streuner durchgebracht hat. Aber nicht als ordinärer Straßenköter, schon eher als Gangsterboss. Er ist ein kleiner Macho, voller Selbstüberschätzung, gerade einmal sechs Kilogramm schwer. Aber wohl deswegen findet er, dass alles, was groß und übermächtig daherkommt, vorbeugend ordentlich eingeschüchtert werden muss. Angriff ist die beste Verteidigung, ist seine Devise. Große Hunde, große Menschen, kräftige Männerbeine, Krücken, Stöcke, Rollstühle, Rollatoren,…vieles empfindet er als Gefahr für sich, sein Rudel (in dem Fall uns) und sein Territorium, und diese Störenfriede werden mit wildem Gekläff und Geknurre in die Schranken gewiesen.

Für eine Vergangenheit auf der Straße spricht auch, dass er wie ein Staubsauger alles, was vor seinen Mund kommt, auf Verwertbarkeit überprüft. Da geht auch ein Stück Papier, das nach irgendetwas Essbarem schmeckt, als Nahrungsmittel durch, und wird blitzschnell verschluckt. Selbst Steinchen werden gekaut, wenn sich sonst gar nichts Genießbares mehr findet. Abgenagte und zersplitterte Röhrenknochen verschwinden ebenso in seinem Rachen – und bleiben dort auch schon mal stecken! – wie Pferdeknödel. Und dabei hasst er Pferde! Er kann sich gar nicht genug aufspielen, wenn so ein Riesentier an ihm vorbeigeht.

Seit er nun in Deutschland und jetzt bei uns ist, befindet er sich allerdings oft vor gedeckten Tischen und die Versuchung ist einfach zu groß. Ein unaufmerksamer Augenblick, und schon fehlt ein Stück Schokokuchen vom Tisch (ganz und gar nicht gesund für den Hund!) oder die auf dem Tisch auf das Herrl wartende Essigwurst hat sich plötzlich auf die Hälfte reduziert. Und obwohl bei diesen Diebstählen immer Leute in der Nähe sind, hat niemand etwas gesehen, Luki ist schnell und schlau. So schlau, dass er schon am ersten Tag auf deutsch ausgesprochene Befehle wie „Sitz!“, „Komm zu mir!“ ausführen konnte, nur weil sie mit Leckerlis belohnt wurden.

Aber Luki kann auch so süß sein! Wenn er am Abend ganz nah an den Körper gedrückt bei einem einschläft, oder er am Morgen zum Kuscheln kommt und er einem dabei sein Köpfchen in die Halsgrube drückt, dann geht einem das Herz auf. Und kein Mensch kann einen so freudig begrüßen wie er, nur weil man/frau doch nur ganz kurz einmal weg war! Es ist zum Schmunzeln, wenn er in einem Wahnsinnsanfall permanent seinen Schwanz fangen will und sich dabei ständig im Kreis dreht! Und Luki ist ein sensationeller Kicker, er führt mit den Vorderpfoten und dem Kopf den Ball über den Rasen, wartet, dass man auf den Ball geht und ihn wegschießt, stürzt hinterher, dreht in wildem Galopp seine Kreise mit dem Ball. Jetzt lernt er gerade Kopfbälle zu spielen.

Das Zusammenleben mit so einem aufgeweckten Kerlchen sorgt für Abwechslung, aber anstrengend und verantwortungsvoll ist es auch. Schließlich wollen wir den kleinen Oberchecker ja wieder wohlbehalten an sein Frauerl zurückgeben!

Anneliese Pflügelmayr

arbeitete als Pädagogin und Mediatorin. Zuletzt war sie an der Pädagogischen Hochschule OÖ tätig, wo sie Deutschdidaktik unterrichtete und gemeinsam mit KollegInnen einen Lehrgang für Peermediation aufbaute. Seit einem einjährigen Aufenthalt als Austauschschülerin in den USA engagiert sie sich als Freiwillige für Jugendaustausch und diverse Sozialprojekte. Kommunikation und Begegnung mit Menschen sind ihr wichtig. In ihren Beiträgen wirft sie einen augenzwinkernden Blick auf das Alltagsleben als Seniorin, in dem sich vielleicht auch so manche Leserin wiederfindet.
Ihre Devise: Mit kritischer Distanz und Humor sollte sich doch das Älterwerden etwas leichter bewerkstelligen lassen!

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