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Künstlerinnen brauchen ihre eigene Stimme, ob sie nun singen oder schreiben. Und die hat viel mit ihrer Persönlichkeit zu tun.
 

Mein Durchbruch kommt mit 50, mit 20 kann das doch jeder!“ Monika Ballwein lacht schallend über sich selbst. Ihre jungen Jahre als Sängerin sind irgendwie anders gelaufen als erhofft. Erst tourte sie mit den Größen des Austropops durch die Lande, dann war Rot-Weiß-Rot musikalisch nicht mehr in und wurde von den großen Sendern nicht gespielt. Aber jetzt, sagt sich die selbstbewusste Fast-Fünfzigerin, sei ihre Zeit gekommen. Ihr neues Soloalbum, auf dem sie Beatles-Songs in eigenen Arrangements aufgenommen hat, startet gerade durch, und auch sonst scheint sie überall gefragt, ob mit Andie Gabauer und den „Live Spirits“ oder in anderen Formationen. Singen wollte die Vierte in der Kinderschar der Bauersfamilie Ballwein aus Pyhra bei St. Pölten schon immer. Aber die bodenständige Familie hielt davon nicht viel: „Eine Karriere bei der Bank konnten sie sich eher vorstellen.“ Monika Ballwein machte Matura und heuerte in einem Möbelhaus an. Unter den Fittichen des derzeitigen Finanzministers, der damals dort Geschäftsführer war, baute sie mit KollegInnen eine neue Abteilung auf. Diese Tätigkeit, die ihr Spaß machte, war in Wirklichkeit aber nur der Tribut an die Familie. Wenn sie um vier aus dem Büro ging, wechselte sie nahtlos in Tonstudios. Bald hatte man ihre Stimme entdeckt und sie als Backgroundsängerin engagiert. Mitreden war da nicht so gefragt: „Du sei schön und sing“, hörte sie. Was in Monika Ballwein „die Revoluzzerin“ weckte – sie wollte immer schon alles genau wissen, hinterfragen, können und setzte sich damit langfristig auch durch.

NEUGIER GEWINNT
Eva Rossmanns Krimifiguren, Mira Valensky und Vesna Krajner, sind da ganz ähnlich. Wenn die Journalistin Mira einem neuen Kriminalfall auf die Spur kommt, lässt sie sich kein X für ein U vormachen, und auch ihre Mitstreiterin, die Putzfrau Vesna, versteht mit ihrem Hausverstand mehr als andere nach sieben Studien. Man merkt den beiden Figuren an, welchen Spaß ihre Erfinderin an ihnen hat. Sie dürfen das tun, was Eva Rossmann selbst auch gerne macht, unter anderem oft und gut kochen und essen, und sie sind einen Tick mutiger als die Autorin selbst. Dabei kann man Eva Rossmann eine gewisse Chuzpe nicht absprechen. „Ich war schon als Fünfjährige extrem neugierig“, sagt sie. In ihrer Heimatstadt Graz habe sie praktisch alles, was an Büchern daheim und in den Büchereien für ihr Alter zu bekommen war, gelesen. Die Autorin mit dem Rotschopf studierte Jus und arbeitete daneben schon als Redakteurin beim ORF. „Ich hatte zwar keine Ahnung, wie das geht, aber als man mich gefragt hat, ob ich mitarbeiten will, habe ich sofort Ja gesagt, es hat mich interessiert.“ Was soll schon schiefgehen? Ein gutes Motto für neugierige Frauen.

AUF DIE BÜHNE, BITTE!
Monika Ballwein wagte nach drei Jahren Arbeit im Möbelhaus den Sprung ins Künstlerinnenleben. Musik ist für sie „die gesündeste Droge der Welt“, und wenn sie so nachdenkt, gibt es vermutlich keinen Tag in ihrem Leben, an dem sie nicht gesungen hat. Das Gesangsstudium holte sie neben ihren Jobs schließlich nach, und als immer wieder Anfragen kamen, wie sie ihre Stimme denn technisch so toll führe, wusste sie, dass man auch Vocalcoach sein kann. Bei den Talente-Shows des ORF wie „Die große Chance“ erwies sie sich als einfühlsame und erfolgreiche Begleiterin der heimischen Nachwuchshoffnungen. Ihr größter Fan aus dieser Zeit ist Tom Neuwirth, der als Conchita Wurst 2014 den „Eurovision Song Contest“ gewonnen hat. Tom habe sich immer eine Stimme und „so schöne Haare“, wie Monika sie hat, gewünscht. Vor dem großen Sieg in Kopenhagen war Monika Ballwein noch einen Tag bei Conchita als Coachin. Weil diese auf Zimmer elf einquartiert war und die Startnummer elf gezogen hatte – Ballweins Glückszahl –, war sie sich des Sieges ihres Schützlings aber ohnehin sicher.

LERNEN, LERNEN, LERNEN
Warum schreibt Eva Rossmann Krimis? Weil sie ihre Erfahrungen als Wahlkampfmanagerin der damaligen Präsidentschaftskandidatin Gertraud Knoll – 1998 – verarbeiten wollte und dann Feuer gefangen hat an einem Genre, das sich unterhaltsam aktuell einmischt. Mit ungeheurer Disziplin schreibt sie seither jedes Jahr einen nervenaufreibenden und gleichzeitig angenehm zu lesenden Kriminalfall nieder. Penibel, wie sie ist, hat sie das Kochen auch gleich richtig gelernt, nämlich beim Lieblingswirt ihrer Wahl, Manfred Buchinger, der in Rossmanns Nähe im Weinviertel sein Lokal betreibt.

DIESE FRAUENSACHE
Während sich Eva Rossmann 1997 intensiv für das Frauenvolksbegehren engagierte und noch heute die ehemalige Frauenministerin Johanna Dohnal­ als prägende weibliche Figur nennt, setzt Monika Ballwein auf eine andere Strategie: „Frauen sollten sich auf ihre Weiblichkeit besinnen. Männer sind so einfach gestrickt, und die Waffen der Frauen sind die besseren.“ Sie meint, mit Diplomatie lasse sich mehr erreichen. Das heißt nicht, sich alles gefallen zu lassen. Sexismus, wie ihn der nunmehrige amerikanische Präsident in seinem Wahlkampf wieder salonfähig gemacht hat, „geht gar nicht“.

DIE TALENTE AUSLEBEN
Gutes Handwerk, also das, was man gerne macht, auch gut zu können, ist für Rossmann und Ballwein die Basis ihres Erfolges. Die Krimiautorin recherchiert für ihre Bücher länger, als sie jeweils daran schreibt. Was daran liegt, dass sie immer aktuelle Themen aufgreift, von Schönheitsoperationen über die Fleischindustrie bis zur Russenmafia. Verstehen wollen und das Wissen dann auf lockere Art präsentieren, das verbindet die beiden Künstlerinnen. „Vertrau dir und hör gut zu“, war der wichtigste Tipp, den Monika Ballwein von einer Lehrerin bekommen hat. Die Selbstzweifel, die ihr als Künstlerin nur zu gut vertraut sind, werden geringer mit der Zeit und der Erfahrung, sich mit Können und Engagement in einer schwierigen Branche durchzusetzen. Und daher sei jetzt für die Solokarriere genau der richtige Zeitpunkt. „Ich bin überzeugt, ich bin verpflichtet, aus meinen Talenten etwas zu machen“, sagt Ballwein. Wenn die Musik von Herz zu Herz fließt und alle mit einem Gänsehaut-Gefühl hinausgehen, sei das gelungen.

© Matematika Media

Monika Ballwein

Jahrgang 1967, ist Sängerin und ­Vocalcoach. Ihre musikalische Laufbahn begann sie mit den „Cantores Dei“, denen sie bis heute treu ist. Sie ist mit allen Größen des Austropops aufgetreten, war Vocalcoach bei „Die große Chance“ und hat als Sängerin bei „Dancing Stars“ größere Bekanntheit erlangt. Derzeit tourt sie mit einem Soloalbum: „Ballwein ­celebrates The Beatles“.

Rossmann Eva / Schriftstellerin / Folio Verlag Vienna 08.04.2008

© Folio Verlag

Eva Rossmann

Jahrgang 1962, gilt als Österreichs erfolgreichste Krimiautorin. Ihre Hauptfigur, die Journalistin Mira Valensky, löst zusammen mit der ­Reinigungsfrau Vesna Krajner Fälle, die an aktuelle Themen anknüpfen. Rossmann ist zudem versierte Köchin und war als Aktivistin des Frauenvolksbegehrens 1997 öffentlich sehr präsent.

Erschienen in „Welt der Frau“ Sonderausgabe 02/17 – von Christine Haiden