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Auf der Suche nach Wärme
Christine Haiden unterwegs: Wo sich das wirkliche Leben kurz zeigt, flüchtig, nebenbei, und zum Weiterdenken anregt.

Der Kachelofen war die beste Investition in unserem Haus. Wenn ich heim komme im Winter, heize ich oft als erstes den Kachelofen an. Das ist wunderbar.“

Die Dame, die mit mir den Ablauf der Veranstaltung bespricht, sucht das Gespräch. „Ich glaube, wir sind ziemlich gleich alt.“ Wir gleichen unsere Geburtsdaten ab. Sie ist ein Jahr älter. „Mich beschäftigt sehr, was Sie vorhin gesagt haben. Wann habe ich mich das letzte Mal so richtig von innen heraus gefreut? Das ist schon sehr lange her. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann das war.“ Ich schaue sie wohl sehr fragend an. „Mein Mann ist vor zwei Jahren gestorben.“ Wir schweigen.

„Er war nur kurz krank, hatte einen Gehirntumor, die heftigste Form, unheilbar.“ Gott sei Dank habe sie die Arbeit, 40 Stunden, das helfe schon. Sie hätten keine Kinder gehabt. „Wir haben einander erst kennengelernt als wir schon vierzig waren.“ Es wurden dann nur zehn gemeinsame Jahre. Alles hätten sie miteinander gemacht, oft wären sie mit dem Rad unterwegs gewesen.

„Jetzt habe ich mich schon daran gewöhnt, dass ich auch alleine mit dem Rad fahre. Anfangs habe ich immer gedacht, die anderen zeigen auf mich, reden über mich: Schau, die muss alleine mit dem Rad herum fahren. Hat die keinen Mann?“ Sie ist erfolgreich, wirkt selbstbewusst. Sie wärmt sich alleine daheim am Kachelofen. „Manchmal gibt es schon Stunden, wo ich zumindest wieder lachen kann.“

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