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Es gibt sie noch, die Gemeinschaften, die nicht so sind wie alle anderen. Man nennt sie „indigen“, weil sie ihre kulturellen Eigenarten und ihre ursprüngliche Lebensform zu wahren suchen. Vergeblich? Ein Besuch bei den Indigenen Asiens.

Wer in den Weiten der Tundra Sibiriens einen Nenzen trifft, begegnet einem Menschen. Denn nichts anderes heißt der Name des Nomadenvolkes übersetzt. Wenn die Nenzen mit ihren Rentierherden auf ihren traditionellen Wanderrouten unterwegs sind, wohnen sie in Zelten, den „Schums“. Es dauert ein Jahr, die Herden von den Sommerweiden an der arktischen Küste zu den Winterweiden in der südlichen Nordtundra und wieder zurück in den Norden zu treiben. Menschen, Hunde und Rentiere legen Distanzen von 1.200 Kilometern zurück und wechseln 150 Mal die Lagerplätze. Dabei ziehen sie über Land, das auch Öl und Erdgas im Inneren birgt, und über Weiden, die sich durch den Klimawandel verändern. Wie lange werden die Nenzen noch so leben können?

Als „Indigene“ werden weltweit rund 370 Millionen Menschen bezeichnet. Viele von ihnen sind aufgrund ihrer Lebensweise, Kultur, Sprache und Religion in den Ländern, in denen sie leben, an den Rand gedrängt und benachteiligt. Gerade die reichen und vielfältigen Kulturen dieser Völker sind jedoch ein wichtiger Teil des gemeinsamen Erbes der Menschheit.

Lesen Sie weiter in „Welt der Frau“ 03/16.

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In der unwirtlichen Tundra Westsibiriens leben die Hirtennomaden der Nenzen. Sie ernähren sich von ihren Rentierherden. Schon in der Sowjetunion wurde ihr Territorium begrenzt. Nun wirken Klimawandel und Erdölindustrie massiv auf ihr Leben ein.

Die Kalasha leben im Norden Pakistans. Angeblich stammen sie von Alexander dem Großen ab. Sie glauben an viele Götter und haben eine strenge Geschlechterordnung. Die Kalasha-Frauen leben dennoch viel freier als die Muslimas in ihrem Umfeld.

Die Kalasha leben im Norden Pakistans. Angeblich stammen sie von Alexander dem Großen ab. Sie glauben an viele Götter und haben eine strenge Geschlechterordnung. Die Kalasha-Frauen leben dennoch viel freier als die Muslimas in ihrem Umfeld.

Die Dani-Frau lebt in Papua-Neuguinea. Nur mehr wenige Dani kleiden sich traditionell. Indonesien versucht, diese traditionellen Gemüsegärtner und Schweinezüchter zu kontrollieren und sie ihrer Kultur zu berauben.

Die Dani-Frau lebt in Papua-Neuguinea. Nur mehr wenige Dani kleiden sich traditionell. Indonesien versucht, diese traditionellen Gemüsegärtner und Schweinezüchter zu kontrollieren und sie ihrer Kultur zu berauben.


Die Yao im Süden Chinas haben zwar Autonomierechte, leben aber dennoch in großer Armut.

Die Yao im Süden Chinas haben zwar Autonomierechte, leben aber dennoch in großer Armut.

 

Ein junger Mann aus der Ethnie der Burjaten. Die nomadisierenden Hirten leben in der Mongolei, in Russland und China. Für sie ist es wichtig, an demselben Ort zu sterben, an dem sie geboren wurden, um symbolisch den Lebenskreis zu schließen.

Ein junger Mann aus der Ethnie der Burjaten. Die nomadisierenden Hirten leben in der Mongolei, in Russland und China. Für sie ist es wichtig, an demselben Ort zu sterben, an dem sie geboren wurden, um symbolisch den Lebenskreis zu schließen.

 Ungefähr 500.000 Menschen zählen in Myanmar zur Ethnie der Palaung. Ihr Lebensraum, der Shan-Staat, war jahrzehntelang Schauplatz von Bürgerkriegen. Die Situation ist heute chaotisch. Die Menschen sind arm. Alkohol, Drogensucht und Landraub setzen den BergbewohnerInnen zu.


Ungefähr 500.000 Menschen zählen in Myanmar zur Ethnie der Palaung. Ihr Lebensraum, der Shan-Staat, war jahrzehntelang Schauplatz von Bürgerkriegen. Die Situation ist heute chaotisch. Die Menschen sind arm. Alkohol, Drogensucht und Landraub setzen den BergbewohnerInnen zu.

 

Bei den Letzten ihrer Art

Der Wiener Fotograf Christoph Lingg dokumentiert die traditionell lebenden Völker Asiens. Er reiste von der Tundra Sibiriens bis zum Regenwald von Papua-Neuguinea. Im Mittelpunkt stehen bei ihm Menschen, die sich mit meist offenem Blick der Kamera zeigen. Die Bilder werden ergänzt durch aufschlussreiche Essays zu den einzelnen Völkern. Die zweisprachigen Texte in Englisch und Deutsch geben einen differenzierten, wenn auch etwas schwermütig machenden Einblick in die Lebensbedingungen der Indigenen im 21. Jahrhundert.

Christoph Lingg: by the world forgot.Christoph Lingg:
by the world forgot.
Mit Texten von Diana Vinding. 

Eigenverlag, 55,00 Euro

Erschienen in „Welt der Frau“ 03/16 – von Diana Vinding aus dem Englischen übersetzt von Brigitte Landesmann