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Bierbrauen Frauensache!

Ein kühles Bier – welch ein Genuss! Brauen tun es aber nur die Männer, oder? Falsch. Historisch gesehen ist das Handwerk sogar Frauensache. Wir stellen vier Brauerinnen vor, die an uralte Traditionen anknüpfen und mit ihrem Gerstensaft die Bierszene aufmischen.

Evelyn Bäck

Die Hopfenspinnerin

Ich als Bier würde prickeln, so viel steht fest. Womöglich hätte es auch eine leichte Säure. Kurz gesagt: Es wäre erfrischend.

Inhaberin, Brauerin, Biersommelière, Büroleiterin, Grafikerin, Social-Media-Beauftragte und Putzfrau – kurz gesagt: Evelyn Bäck führt ein Eine-Frau-Unternehmen. Wie das geht? „Mit wenig Freizeit und Schlaf, aber mit viel Leidenschaft“, sagt die 34-Jährige. Vor einem halben Jahr eröffnete die Niederösterreicherin das Brauhaus „Hopfenspinnerei“ im Schloss Walpersdorf. Neben ihren früheren Jobs als Redakteurin, Pressesprecherin und Marketingleiterin träumte sie heimlich von einem handwerklichen Beruf. Als die Räumlichkeiten im Schloss frei wurden, wagte Bäck den Schritt. Neben dem Ausschank bietet sie auch Verkostungen und Workshops an. Warum „Hopfenspinnerei“? „Im 17. Jahrhundert war im Schloss eine Seidenspinnerei untergebracht. Außerdem hat mir die Zweideutigkeit gefallen, denn ich muss verrückt sein, alleine ein Unternehmen auf mich zu nehmen“, lacht Bäck. Auch ihre Produkte verdanken ihre Namen der Geschichte. „Camillo“, „Georg Ludwig“ und „Eleonora“, so heißen Bäcks Neuschöpfungen. „Camillo Graf Colloredo-Wallsee, Eleonora Gonzaga und Georg Ludwig von Sinzendorf waren früher Besitzer des Schlosses“, erzählt sie. Um den Namen „Gesichter“ zu geben, wurde Camillo ein Löwe, ­Eleonora eine Eisbärdame und Georg Ludwig ein Elefant – deren Zeichnungen zieren nun die Flaschenetiketten. Welche Sorte ist der Braumeisterin am besten gelungen? „Das ist so, als fragte man eine Mutter, welches ihrer Kinder sie am meisten liebt. Darauf kann ich nicht antworten.“ Mit unter vier Prozent Alkoholgehalt sind ihre Produkte sehr leicht. „Biere mit wenig Alkohol sind im ,Craft Beer‘-Bereich unterrepräsentiert.“ Wäre sie ein Bier, würde es prickeln, so viel stehe fest, sagt die Brauerin. „Womöglich hätte es auch eine leichte Säure – kurz gesagt: erfrischend.“ Hopfenspinnerei, www.hopfenspinnerei.at

Dominique Schilk

Die Wanderbrauerin

Wäre ich ein Bier, wäre es schwarz wie die Nacht, aber auch rauchig, bitter, jedoch mit einer leichten, fruchtigen Note.

Dominique Schilk wandert. Von Zeit zu Zeit von Brauerei zu Brauerei. Die 31-Jährige ist Nomadenbrauerin. Das heißt, Schilk besitzt zwar kein eigenes Sudhaus, aber trotzdem eine Brauerei. „Ich fahre zu bestehenden HerstellerInnen und kreiere mit ihnen neue Biere“, sagt die Biersommelière. „Collabs Brewery“ nennt sich ihre Brauerei. So entstanden bereits Getränke in England, Barcelona, Österreich und zuletzt auch Holland. Die Idee, eine Brauerei zu eröffnen, kamen der Wienerin und ihrem Kollegen Adalbert Windisch nach einer feuchtfröhlichen Bierverkostung in ihrem Kultlokal „Hawidere“. Das war vor drei Jahren, vier Wochen später starteten sie bereits. Für ihre Sorte „DomRep“ erhielten die beiden bei den „World Beer Awards“ Gold. „,Craft Beer‘ bedeutet so viel wie handwerklich gebrautes Bier“, erklärt Schilk. Jedes Produkt sei individuell und einzigartig. Der Begriff diene dazu, sich von Massenprodukten zu unterscheiden. Doch warum begeistert sich Schilk für Bier? „Wein habe ich nie verstanden“, lacht sie. Außerdem schwimme sie gerne gegen den Strom und mache das, was nicht jeder tut. Trinkt die Brauerin einmal kein Bier, darf es gerne auch ein Gin Tonic sein. Wenn sich Dominique Schilk als Bier vorstellt, wie wäre das? „Auf jeden Fall dunkel, schwarz wie die Nacht“, lacht sie. „Aber auch rauchig, bitter, jedoch mit einer leichten, fruchtigen Note.“
„Collabs Brewery“, www.hawidere.at/collabs

Foto: Simon Rainsborough

 

Weitere interessante Porträts finden Sie in der Printausgabe.

Erschienen in „Welt der Frau“ 11/17