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Birthday Girl

Heute werde ich 32 – Quersumme fünf, meine Glückszahl, sehr sympathisch. Erschreckenderweise stelle ich bei der nächsten gedanklichen Zahlenspielerei fest, dass ich nun meinem 65. Geburtstag bereits näher bin als meiner Geburt. Ich schlucke und spüle diesen unliebsamen Gedanken mit einem Bissen Kuhfleckentorte und einem alkoholfreien Erdbeersekt hinunter. Passend zum Getränk meiner Wahl habe ich mir heute die Haare von streifenaschkupferblond auf dunkelerdbeerblond in Ombré gefärbt und bin durchaus zufrieden mit dem Selbstversuch. Der Grünstich in den Spitzen wäscht sich sicher aus und Erdbeeren haben bekanntlich auch grüne Stängeln. Wieder ein Jahr an mir vorbei gerast. Ich war drei Monate in New York, habe meine erste Schwangerschaft erlebt und bin in meinem Beruf als freischaffende Künstlerin wieder ein großes Stück vorangekommen. Mein letzter Geburtstag ohne Kind – ohne eine Mutter zu sein. Wie werden meine zukünftigen Ehrentage ablaufen? Werde ich mich selbst zurücknehmen oder nach wie vor auf eine theaterreife Inszenierung der Feierlichkeiten bestehen? Wie sehr wird mich die Tatsache, dass ich Mutter bin, überhaupt in meinen Bedürfnissen nach Wertschätzung und Aufmerksamkeit verändern? Werden sich meine Prioritäten verändern oder werde ich mich einfach anpassen um dann in der Pension wieder als gefeiertes und im Mittelpunkt stehendes Birthday Girl zu reüssieren?

In der Nacht auf meinen Geburtstag haben mein Mann und ich ein Phänomen erlebt, das laut Aussage meines Frauenarztes jede fünfte Erstgebärende betrifft. Kurz vor Mitternacht waren wir uns sicher, dass die Geburt nun losgehen würde und ließen uns ins Krankenhaus fahren. Diagnose: Fehlalarm, Wehen zu schwach, Kind zwar wohlauf und quicklebendig (er hat permanent und kräftig gegen den Schallkopf des Wehenschreibers geboxt – das mag er nicht) aber noch nicht in der Stimmung, um uns zu Eltern zu machen. Die ersten Minuten meines Geburtstags lag ich also auf einer Liege in unserer Wunschklinik mit Netzsocke um den Bauch, um mich im Anschluss von der Hebamme beschwichtigen zu lassen, es sei immer besser auf Nummer sicher zu gehen und ihre Mutter hätte bei ihrer Geburt sogar drei Fehlalarme erlebt, bevor sie auf die Welt gekommen sei. Eine Probe aufs Exempel, ein formvollendeter Testlauf mit dem Resultat jetzt zu wissen – sowohl logistisch als auch emotional – bestens gerüstet zu sein, sollte es dann wirklich losgehen. Wir sind gespannt, ob es bei einem Probealarm bleibt und sehnen uns vor allem nach dem Resultat des bald anstehenden Ernstfalls – kleines Menschenbündel, alles wartet auf deinen großen Auftritt!

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