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Fast jeder Gartenmensch hat eine Lieblingspflanze. Warum wachsen dem einen Primeln und dem anderren Farne so ans Herz? Fünf Beobachtungen.

Nichts haut ihn um

Ute Woltron und der Anis-Ysop
„Die Pflanze, die ich besonders schätze, ist der Anis-Ysop, eine nordamerikanische Prärie- und Indianerpflanze. Sie ist eine mehrjährige, kräftige Staude, die etwa 1,70 Meter hoch wird, sehr aufrecht und üppig wächst, in kargster Umgebung gedeiht und sich selbst kräftig aussät. Hat man ihn einmal, hat man ihn immer. Nicht einmal der stärkste Wind haut ihn um. Das Beste aber ist: Im Hochsommer blüht Anis-Ysop wochenlang in lavendelblauen, etwa zehn, zwölf Zentimeter langen Blütenkerzen voller kleiner Lippenblüten, die einen ganz eigenwilligen Duft verströmen. Anis-Ysop ist mindestens so ein Insektenmagnet wie Sommerflieder. Auch abgeschnitten und getrocknet verlieren die Blüten ihre Farbe nicht. Die ganze Pflanze ist hocharomatisch: Blätter und Blütenbüschel geben einen unglaublich guten, süßen Tee, man kann auch Honig damit aromatisieren. Man gibt einfach Blätter und Blüten in den Honig, lässt ihn einen Monat stehen, seiht ihn ab und hat einen köstlichen Anis-Ysop-Honig. Die Cheyenne-Indianer glaubten, Anis-Ysop hebe ein trauriges Herz. Das gefällt mir. Ich habe meinen ersten Anis-Ysop einmal im Vorbeigehen mitbestellt. Inzwischen hat er sich zu einer echten Lieblingspflanze entwickelt, weil er so vielseitig ist. Nur eins weiß ich nicht – woher er seinen Namen hat. Für mich schmeckt er weder nach Anis noch nach Ysop.“

Ute Woltron

46, studierte Architektur und lebt als Buchautorin, Journalistin und passionierte Gärtnerin im niederösterreichischen Ternitz, wo sie einen 3.000 Quadratmeter großen Garten bewirtschaftet. Gerade ist ihr neues Buch „Warum schmecken Maulbeeren am besten nackt? Selbstgemachte Köstlichkeiten aus Natur & Garten“ (Brandstätter, 160 Seiten, Euro 25,00) erschienen.

Paradies-Blüten

Isabell Bayer-Lueger und die Magnolie

„Magnolien begleiten mich schon ein Leben lang und haben mich immer begeistert. Es sind Pflanzen, die im April blühen, wenn es sonst noch kaum große, spektakuläre Blüten gibt. Magnolienblüten sitzen wie weiße, rosa, rote oder manchmal auch gelbe Paradiesvögel auf den blattlosen Zweigen, ihr Duft ist spektakulär. Je nach Sorte ein Zitronen-, Jasmin- oder Lavendelduft. Am Lago Maggiore im Tessin gibt es einen Garten mit 600 Magnolien. Als ich die das erste Mal in voller Blüte gesehen habe, mit dem See und den Bergen im Hintergrund, habe ich gesagt: ‚Wenn das Paradies so ausschaut, dann habe ich keine Angst vorm Sterben.‘ Inzwischen haben wir 40 Magnolien aus dem Tessin in unserem Garten. Sie sind mit Schneerosen unterpflanzt, was einen wunderschönen Spiegeleffekt ergibt. Einige Sorten blühen bis in den Juli. Mich fasziniert auch, dass jede Blüte für sich nur ganz kurz blüht. Das erinnert mich daran, mir Zeit dafür zu nehmen, diesen Anblick zu genießen. Magnolien brauchen Sonne und einen sauren Boden. Rückschnitte vertragen sie gut. Man kann sie als Baum setzen, strauchartige Magnolien wie die Sternmagnolie aber auch in einer Hecke oder im Staudenbeet. Unser Garten hat eine hundertjährige Geschichte, die Großmutter des Gartens ist eine ebenso alte Magnolie, die zehn Meter hoch ist und rosa blüht.“

Isabell Bayer-Lueger

52, ist Gartenarchitektin und lebt mit ihrem Mann im steirischen Hartberg in einem Haus mit einem 5.000 Quadratmeter großen, alten Garten, den sie ab und zu für BesucherInnen öffnen. (www.bellabayer.at)

Schöne Symmetrie

Stephanie Theuringer und die Artischocke

„Gekommen bin ich auf die Artischocke, weil ich sie so gerne esse – schon als Kind in Italien. Später wollte ich wissen, ob es mir gelingt, sie bei uns im Garten anzubauen, weil man in Österreich einfach fast keine guten Artischocken zu kaufen kriegt. Im ersten Jahr habe ich Glück gehabt. Alles ist mir gelungen. Das hat meine Leidenschaft erst so richtig geweckt. Später erst habe ich bemerkt, dass beim Anbau viel schiefgehen kann, bin es professioneller angegangen und habe lange nach geeigneten Sorten fürs Marchfeld gesucht. Mittlerweile haben wir vier Hektar mit Artischocken. Ich finde alles an ihnen schön: die zarten, kleinen, ganz weichen Blätter der Jungpflanzen, nach denen leider auch die Hasen verrückt sind. Die schöne Symmetrie der großen, starken Pflanzen mit ihren harten Blättern und Dornen. Die schweren, prallen Knospen, die man isst, und natürlich die lila Blüte, die sowieso ein Wahnsinn ist. Sie sind von Anfang bis Ende schön – sogar im Winter mit Eis und Reif.“

Stephanie Theuringer

35, arbeitet als Landwirtin im Marchfelder Familienbetrieb, der auf Karotten, Zuckerrüben, Getreide und – auf ihre Initiative hin – seit ein paar Jahren auch auf Artischocken spezialisiert ist. (www.theuringer.at )

Filigrane Dolden

Regina Wiklicky und die Kaschmirdolde

Ich mag alle Doldenblütler wie Kerbel, Dill, Petersilie, Fenchel oder wilde Karotte. Sie sind so schöne Fotomotive – und ich fotografiere gern. Zu meinen absoluten Favoriten gehört die Kaschmirdolde (Selinum wallichianum), eine etwa ein Meter hohe, stark verzweigte Staude, die ganz fein ziseliertes, gefiedertes Laub hat und viele Dolden mit reinweißen, winzigen Blüten, die zu blättchenförmigen Samen reifen. Selinum hat besonders filigrane Dolden, die wie plissiert wirken. Man muss sie gesehen haben – sie sind richtig wolkig und sehr dicht. Ein Bonus ist auch: Anders als die meisten Doldenblütler blüht Selinum erst sehr spät von August bis Oktober. Das ist ja die große Kunst im Garten, dass man auch im Herbst noch schöne Blüten hat. Mich fasziniert die Architektur der Selinumdolden, die sich sternförmig von einem Punkt weg fein verästeln. Diese Grundstruktur bleibt auch, wenn sie abgeblüht sind. Ich lasse sie auch im Winter stehen, weil sie so schön ausschauen. Überhaupt mag ich Pflanzen, die nicht nur einen kurzen Blühhöhepunkt im Jahr haben, sondern von denen ich über lange Zeit etwas habe. Selinum ist auch schön, wenn nur der Laubstock da ist. Das erste Mal habe ich in England einen Selinumbusch gesehen und wollte auch so etwas haben. Inzwischen habe ich sie seit ein paar Jahren, sie sind sehr genügsam. Ich vermehre sie auch und verkaufe manchmal Setzlinge. Die Kaschmirdolde ist eine der Pflanzen, die ich nicht mehr missen möchte.“

Regina Wiklicky

56, hat ihren Beruf als AHS-Lehrerin vor acht Jahren an den Haken gehängt und ist seither Gärtnerin. Sie lebt und gärtnert in Freistadt (OÖ.) und organisiert auch Gartenreisen nach England.

Kokosnuss, Apfel, Minze

Eveline Bach und die Duftpelargonien

„Ich komme aus einer Gärtnereifamilie, die ursprünglich nur Gemüse gemacht hat. Ich selber habe mich aber bald auch dafür interessiert, Kräuter anzubauen, zu vermehren und anzubieten. Wenn man bei Kräutern ist, interessiert man sich für Duft. Von da ist es nicht mehr weit zu den Duftpelargonien, die ich zum ersten Mal bei Miriam Wiegele kennengelernt habe. Etliche Jahre habe ich sie dann nur für mich selbst kultiviert. Mir haben vor allem die schönen Blätter gefallen – es gibt runde, geschlitzte, gefiederte oder auch weiß-grün panaschierte wie bei der Sorte „Lady Plymouth“. Inzwischen haben wir in der Gärtnerei über 100 Sorten. Das Duftspektrum der Blätter ist spektakulär: ‚zitronig‘, ‚orangig‘, nach Erdbeere duftend oder nach Kokosnuss, Apfel oder Pfefferminze. Man muss sich wirklich selber durchriechen, entscheiden, was einem zusagt, und erst dann auf die Blüten schauen. Das Tolle ist auch, dass man mit allen blattduftenden Pelargonien kochen kann: Ein Konditor, den wir beliefern, macht Konfekt, andere machen Sirup oder Likör.“

Eveline Bach

53, führt mit ihrem Mann Mario die Gärtnerei Bach in Wien, die neben vielen Gemüsesorten, Blumen und Kräutern auch eine große Auswahl an Duftpelargonien anbietet. (www.gaertnerei-bach.at)