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Christa Langheiters Ghana-Blog - Tag 10: Fazit

Zehn intensive Tage in Ghana liegen hinter mir. Tage, in denen ich durch das EU-Projekt TriNet Global  (österreichischer Partner: Südwind) die Möglichkeit hatte, Fair Trade Projekte anzusehen und mit darin involvierten Menschen zu sprechen. Und in denen ich Gelegenheit hatte, meine eigenen Bilder von Afrika zu sehen und zu hinterfragen und mich mutig meinen eigenen Vorurteilen zu stellen. Ich, die ich doch bestimmt keine habe.

Wenn ich mich an die Ankunft in der Hauptstadt Accra erinnere, muss ich zugeben, dass mir in diesen ersten Momenten leicht mulmig war.  Plötzlich in so viele schwarze Gesichter zu sehen, war ich nicht gewohnt. Der Unbekannt-Virus hat sofort zugeschlagen. Ein Virus, von dem ich dachte, ich wäre immun und dass der nur andere treffen würde. Jene, die sich mental falsch ernähren. Aber nein, da war ich, die Vorurteilsfreie, und hatte keine Chance gegen die Mulmig-Wogen in mir.

So schnell der Unbekannt-Virus zugeschlagen hat, so schnell war ich aber auch wieder geheilt davon. Der Durchfall in meinem Herzen hat mich nicht lange begleitet, denn es war sofort jede Menge Medizin zur Verfügung: Menschen, die mich fast ununterbrochen anlächeln, sofort freundlich mit mir in Kontakt treten und mit Hilfe zur Verfügung sind, ob ich nun ein Klo oder den Weg suche oder Wasser brauche. Menschen, die trotz finanziell bescheidener Lebensverhältnisse eine Lebenslust ausstrahlen, die unseren wirtschaftlichen Reichtum in den Schatten stellen. Am Ende meiner Reise haben ich das Schwarz in den Gesichtern nicht mehr gesehen, sondern nur noch die Freude.

Und ich habe viele selbstbewusste Frauen gesehen. Frauen, die ihre traditionelles Leben selbstverständlich leben. Gebildete Frauen, die sich ihrer Vorbildwirkung bewusst sind. Und Frauen, die keine Schulbildung brauchen, um ihre Stimme für sich und die Anliegen der Frauen zu erheben.

Gleichzeitig ist mir aber auch bewusst, dass ich längst nicht alles gesehen habe, was die Situation der Frauen in Ghana ausmacht. Ich habe nicht die Hexenlager gesehen und nicht die Ghanaesische Außenministerin. Ich habe nicht die Mädchen gesehen, die in die Städte gehen und dort auf der Straße oder als ausgebeutete Dienstboten landen. Ebenso aber auch nicht jene Frauen, deren Gedanken um das Bleichen ihrer Haut oder die neuesten Küchengeräte kreisen.

Mir ist klar, ich habe nur an der Oberfläche gekratzt. Aber die 10 Tage  habe dennoch ausgereicht, um eine Botschaft aus der Tiefe mitzubringen: Die Entwicklungshilfe, von der wir im Westen reden, ist eine ökonomische. Die Ressourcen, die wir meist sehen, sind materielle. Lasst uns auch eine Entwicklungshilfe für uns starten. Lasst uns von den GhanaerInnen tanzen, singen, lachen, in Kontakt treten und leben in Gemeinschaft lernen. Medaase! (Danke)

 

Kommentare

8 thoughts on “Christa Langheiters Ghana-Blog – Tag 10: Fazit”

  1. ulli sagt:

    danke
    für diese wunderbaren eindrücke!!
    danke für die worte und die bunten bilder, für die unsicherheit und die freude, für die poesie und die ungewohnten blickwinkel.
    danke, dass ich so einen eindruck von ghana gewonnen habe, ohne je dort gewesen zu sein. und danke, dass du das schöne und das weniger schöne, das widersprüchliche und das eindeutige beschrieben hast.. mit nur so wenigen zeilen. mir kommt vor, du hast wirklich wenig ausgelassen. und trotzdem hoffe ich, dass da noch mehr davon kommt.
    bitte schön 🙂

    1. vielen dank für dein schönes feedback. bin sehr berührt, dass aus meinen berichten so viel rausgelesen wird. ich fürchte nur, die reise ist nun vorbei. fortsetzung anderer art mit bezug zu ghana wird es in einem print-artikel geben.

  2. Mike Delaney sagt:

    Vielen Dank für diesen Blog, für die faszinierenden Einsichten in eine (für mich) fremde Welt, und für die Offenheit und die selbstkritische Haltung der Autorin. Das ist eine Art von Reisebericht, die einem unbekannte Länder wirklich näher bringt, und die ungewöhnlich frei ist von Oberflächlichkeit, Besserwisserei und politischer Korrektheit.

    1. Vielen Dank für das neuerliche nette Feedback. Ich habe wohl einen Fan :-). Und ja, ich habe versucht, offen und selbstkritisch an die Sache heranzugehen. Ich denke, es ist immer gut, Dunkles zu beleuchten. So wird es wieder hell. Und wenn es „nur“ die eigenen Bilder im Kopf sind.

  3. Eva Lackner sagt:

    Eine wirklich spannende Reise beschreibst du! So, dass ich mich sehr oft wiedergefunden habe in deinen inneren Dialogen. Und auf eine Art, wo du alle Gegensätzlichkeiten nebeneinander hinstellst, mit viel Freiraum für eigene Gedanken dazu. Sehr inspirierend und bewegend!
    Vielen Dank 🙂

    1. Vielen Dank. Es freut mich besonders, dass noch Platz für eigene Gedanken war!

  4. Regina sagt:

    Erstaunlich, dass so genaue Beobachtungen und Beschreibungen bei einem so kurzen Aufenthalt möglich sind! Vielen Dank für das flüssig und unterhaltsam geschriebene Tagebuch, das interessante Einblicke in den ghanaischen Alltag gibt.

    1. Vielen Dank für das nette Feedback. Wir hatten ein sehr intensives Programm, insofern zählt die Aufenthaltsdauer vielleicht doppelt 😉

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