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Christa Langheiters Ghana-Blog - Tag 6: Aufrecht

Den Frauen hier könnte ich stundenlang zusehen. Wie sie mit einer Mühelosigkeit voll gefüllte Körbe und Tabletts auf ihre Köpfe hieven. Ich warte dann immer gespannt auf den Moment, wenn die Last auf dem Kopf positioniert wird.

Ich hoffe, dort ein Geheimnis zu entdecken. Irgendeinen magischen Magneten, der es den Frauen ermöglicht ohne jegliches Schwanken und Verrutschen der Last loszumaschieren. Oder einen Faden, der vom Himmel herabgelassen wird, damit sie in dieser unfassbar aufrechten Haltung riesige Strohbündel, Dutzende Wasserflaschen oder Obsttabletts durch die Straßen tragen. Wobei schweben im Grunde der passendere Ausdruck wäre. Lassen wir also die Grammatikpäpste mal kurz beiseite: sie schweben ihre Last durch die Straße. Aber auf dem Kopf, da ist nichts. Höchstens ein kleiner Polster.

Und ich schaue auch mit Adlerblick auf ihre Füße. Vielleicht ist dort das Geheimnis. Sind es spezielle Schuhe oder eben keine Schuhe, die diese sichere Bodenhaftung erzeugen, die es für diese Aufgerichtetheit braucht? Nein, kein sichtbares Geheimnis. Einmal tragen sie simple Flipflops, einmal zerrissene Schuhe, einmal sind sie barfuß.

tragen 2Wo also liegt das Geheimnis, dass sie nicht wie unsereins in Yoga, Qigong, Pilates und co marschieren müssen, jdamit alle Teile ihres Körpers die richtige Position einnehmen können? Vielleicht weil sie diese Haltung schon mit der Muttermilch mitbekommen, denn so gut wie alle Babys werden den ganzen Tag lang mit einem Tuch am Rücken getragen, wo sie alle Bewegungen und Haltungen miterleben. Vielleicht aber auch, weil sie tatsächlich mit Himmel und Erde verbunden sind. Der Glaube an eine höhere Macht ist in Ghana selbstverständlich gelebte Realität. Und die Erde ist für viele GhanaerInnen ihre unmittelbare Ernährerin. Häufig mit Lebensmitteln, die tief in der Erde verwurzelt sind, wie Yams oder Maniok.

Sie brauchen definitiv keine Übungen, wo sie visualisieren, wie sie sich mit einem unsichtbaren Faden mit Himmel und Erde verbinden. Und ich höre schon, wie sie sich bei der Vorstellung totlachen.

Kommentare

3 thoughts on “Christa Langheiters Ghana-Blog – Tag 6: Aufrecht”

  1. Johann sagt:

    Meine Großmutter war nicht aus Ghana konnte das aber auch. Als „Höhere Tochter“ gehörte zu ihrer Erziehung zu gehen mit einem Stapel Bücher auf dem Kopf. Das Geheimnis: wenn man die Bücher oft genug aufgehoben hat, dann konnte man es und verlernte es auch nicht mehr.

    1. Interessanter Hinweis. Danke. Ich sehe nur den Unterschied, dass es für die Großmutter eine Übung war, für die Frauen in Ghana aber tagtäglich gelebter Alltag.

  2. Mike Delaney sagt:

    Sehr schöne Bilder bei diesem Blog, die von den Tagen 7 und 8 ganz besonders!!!

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