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Wenn Ihre Beziehung zu Geld gespalten ist, unterziehen Sie sie einem Check. Damit Sie später nicht mit leeren Händen dastehen.

Ob es uns gefällt oder nicht: Geld ist wichtig. Wer Geld hat, verfügt über einen bestimmten Status und über Macht. Wer Geld hat, hat Zugang zu Konsumgütern und Dienstleistungen. Geld ist aber auch ein wichtiges Mittel, um die Gestaltung seines Lebens frei wählen zu können. Wie Arbeit ist Geld nach wie vor ungleich verteilt: Weltweit leisten Frauen zwei Drittel der Arbeit und verfügen nur über ein Zehntel des Einkommens. Zum einen werden sie gezielt von Geld ferngehalten, zum anderen halten sie sich selbst fern. Denn selbst bei überdurchschnittlichem beruflichen Einsatz schrecken viele noch immer davor zurück, eine angemessene Bezahlung dafür zu verlangen. „Da wir in einer Leistungsgesellschaft leben, ist es das Recht von Frauen, den Gegenwert für ihre Leistung einzufordern“, weiß die Kommunikationstrainerin und Chefin der Agentur womanSuccess, Dr. Ingrid Mylena Kösten, sie betont, dass hier noch erheblicher Nachholbedarf besteht. Zwar, so räumt sie ein, habe sich in den letzten zwanzig Jahren einiges verändert, allerdings eher bei den gut ausgebildeten und besser verdienenden Frauen. Dr. Kösten: „Viele von ihnen lassen sich schon vorher beraten, bevor sie in schwierige Gehaltsverhandlungen gehen.“ Für den größeren Teil berufstätiger Frauen sieht die Realität anders aus. Im Schlepptau der Wirtschaftskrise ortet die Kommunikationstrainerin eher noch Rückschritte: „Viele Frauen trauen sich derzeit nicht, mehr Geld zu verlangen, weil sie Angst haben, den Arbeitsplatz zu verlieren, wenn sie den Mund zu weit aufmachen.“ Mehr Engagement von den Gewerkschaften und eine frauen- und familienfreundlichere Personalpolitik innerhalb der Betriebe wären aus Dr. Köstens Sicht dringend nötig.

GELD IST LEBENSKRAFT

Die weitverbreitete Meinung, ohnehin keine Chance zu haben und sich mit schlechten Bedingungen zufriedengeben zu müssen, ist für die Psychotherapeutin Mag. Andrea Scheutz keine akzeptable Lösung. Haben Frauen erst den Entschluss gefasst, sich nicht unterkriegen zu lassen und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, können sie mehr erreichen, als sie je gedacht hätten. „Dazu müssen sie sich allerdings entschließen, die Opferrolle zu verlassen und sich von behindernden Glaubenssätzen zu verabschieden“, weiß Mag. Scheutz aus ihrer langjährigen Coaching-Praxis. Die Sätze „Ich kann nicht“ und „Das geht nicht“ sind sowohl aus dem Sprachgebrauch als auch dem Denken zu verbannen. Hat frau sich aus dem Mangelbewusstsein befreit, wird sie keine unzumutbaren Arbeitsverträge mehr hinnehmen. Die Gründe, warum so viele Frauen nicht den angemessenen Preis für ihre Leistungen fordern, sind in der persönlichen Biografie zu finden. Mag. Scheutz: „Brav, fleißig und dabei bescheiden und unauffällig zu sein galt bei kleinen Mädchen zumindest früher noch als wünschenswertes Verhalten und wurde von den Eltern mit Liebe belohnt.“ Laute, fordernde Mädchen würden im Umkehrschluss nicht (mehr) geliebt und darüber hinaus Gefahr laufen, als unweiblich bezeichnet zu werden. Fatale Muster, die einem Frauenleben erhebliche Einschränkungen bescheren. „Solche Erfahrungen können transformiert werden“, plädiert Mag. Scheutz dafür, alte Glaubensmuster aktiv zu verändern. Das gilt auch für den Umgang mit und die Haltung zu Geld. Geld ist für die Psychotherapeutin nichts weiter als ein Austausch von Energie. „Für mich ist Geld Lebenskraft“, erläutert sie ihre Sichtweise. „Wenn ich viel in eine Sache investiere, soll auch der Gegenwert in Geld entsprechend hoch sein.“ Frauen müssen sich auch von der weitverbreiteten Vorstellung verabschieden, dass sie ihre Arbeit ja ohnehin gerne machen und dafür nicht auch noch mehr Geld verlangen wollen. Mag. Scheutz: „Arbeit sollte Geld und Freude bringen, nicht entweder – oder.“

NICHT IN DIE FALLE TAPPEN

Es gibt viele gute Gründe für Frauen, sich mit Geld näher zu befassen. Geld zu vermehren kann Freude machen, ein angenehmes Finanzpolster lässt einen nachts ruhig schlafen. Ein langer Ruhestand bietet ungeahnte Möglichkeiten, allerdings nur, wenn die Finanzen stimmen. Für Frauen ist eine finanzielle Lebensplanung heute mehr denn je von Bedeutung. Viele sehen mittlerweile, wie wichtig es ist, auch in Partnerschaften ihre Interessen zu vertreten, eine Ehe nicht mehr als Versorgungseinrichtung zu betrachten und wirtschaftliche Nachteile durch Kindererziehung und berufliche Ausfallzeiten nicht einfach hinzunehmen. „Nach wie vor wollen viele Frauen ein paar Jahre bei den Kindern zu Hause bleiben. Danach arbeiten sie Teilzeit, ohne daran zu denken, dass ihnen das später bei der Pension fehlen wird“. Deshalb rät Dr. Kösten vor allem jungen Frauen zu langfristiger Vorausschau. Umso mehr, als davon ausgegangen werden kann, dass die staatliche Rente künftig deutlich geringer ausfallen wird. Sonst ist zu befürchten, dass die Altersarmut von Frauen in den nächsten Jahrzehnten dramatisch zunehmen wird. Auch die Rechnung, dass der Ehemann ohnehin mitfinanziert, geht vielfach nicht mehr auf. Inzwischen wird jede dritte Ehe in Österreich wieder geschieden, sodass die eigenverantwortliche Vorsorge für Frauen mehr als lebensnotwendig sein wird. Dennoch klaffen auch die Lebensentwürfe junger Frauen heute wieder mehr auseinander als noch vor 20 Jahren. Einer kleinen Gruppe karriereorientierter Frauen, die zugunsten des Berufes bereit sind, auf eine Familie zu verzichten, steht die immer noch viel größere Schar jener gegenüber, bei denen Kinder im Lebensplan vorgesehen sind. Eine aktuelle Umfrage unter jungen Frauen hat ergeben, dass etliche davon ein klassisches Ehegattinnendasein als „Karriereziel“ anpeilen. Gibt es da keine konkreten Vorsorgemaßnahmen, die die Frau im Fall der Fälle finanziell absichern, kann sich das Tor in die Altersarmut öffnen. Bei gut ausgebildeten jungen Frauen ist das Bewusstsein, für das Alter vorsorgen zu sollen, insgesamt größer.?Dr. Kösten: „Da übernehmen viele schon selbst die Verantwortung und beginnen früh mit Ansparprogrammen für die spätere Zukunft.“

SICHERHEIT IST INDIVIDUELL

Vorsorge sollte für Frauen heute ein selbstverständliches Thema sein. Auch wenn die Umstände im Moment dafür nicht gerade rosig sind. Durch die wirtschaftlichen Turbulenzen auf den Finanzmärkten hat das Vertrauen in die entsprechenden Produkte Risse bekommen. „Es hat sich gezeigt, dass in den USA auch vermeintlich sicher geglaubte Investitionen verloren gingen“, sieht Dr. Kösten eine gewisse Berechtigung für die Skepsis. Europäische Anbieter sind durch ihr eher konservatives Anlageverhalten als solider anzusehen. Dass Frauen neben sozialer Geborgenheit auch finanzielle Sicherheit zu den erstrebenswerten Lebenszielen zählen, zeigten die Ergebnisse einer neuen Studie des Linzer „market Institutes“, die von der Oberbank in Auftrag gegeben wurde. Dass das Thema finanzielle Absicherung vor allem bei Alleinerzieherinnen einen besonders hohen Stellenwert hat, ist kaum verwunderlich. Die meisten der befragten Frauen fühlten sich vor allem im Alltag abgesichert. Die persönliche finanzielle Absicherung im Ruhestand und auch das „Polster“ im Falle eigener Arbeitslosigkeit oder der des Partners wird hingegen nur von etwa 20 Prozent der Frauen als sehr gut eingeschätzt. Generell zeigt die Studie einen klaren Trend: Je älter die Frauen, umso besser sind sie finanziell versorgt. In Summe verbleiben dennoch rund 40 Prozent der Frauen, die ihre Versorgung als nicht ausreichend betrachten. Gerade Singlefrauen mit Kind, Alleinerzieherinnen, Mütter mit Kinder im Alter bis sechs Jahre und auch jüngere Frauen schätzen ihre persönliche finanzielle Absicherung sehr vorsichtig ein.

SICHERHEIT IST SUBJEKTIV

Regelmäßig Geld auf die Seite zu legen empfinden die meisten nahezu als Grundverpflichtung. Eine Lebensversicherung, der Besitz eines eigenen Hauses oder einer Wohnung gelten ebenfalls als probate Vorsorgemaßnahmen. Acht von zehn Frauen geben an, regelmäßig zu sparen, 60 Prozent haben eine Lebensversicherung als Vorsorge abgeschlossen, die Hälfte nennt eine Immobilie ihr Eigen. Anhand dieser Zahlen könnte man davon ausgehen, dass sich Frauen besser finanziell versorgt fühlen sollten. Allerdings scheint das angesparte Geld mit dem Sicherheitsempfinden der einzelnen Befragten nicht unbedingt Hand in Hand zu gehen. Ein Phänomen, das Psychotherapeutin Scheutz aufklären kann: „Persönliche Sicherheit ist eine sehr individuelle Sache. Es gibt Frauen mit durchschnittlichem oder eher niedrigem Einkommen, für die Existenzängste überhaupt kein Thema sind.“ Auf der anderen Seite werden durchaus als gut situiert zu bezeichnende Frauen mit überdurchschnittlichem Einkommen oder hohem Unterhalt, die oft auch noch über ein finanzielles Polster verfügen, manchmal von Überlebensängsten geradezu gepeinigt. Sie gehen in teure Fitness- und Kosmetikstudios und empfinden sich dennoch subjektiv als „arm“. „Das sind oft genau die Frauen, die mir erklären, dass sie sich eine Therapie nicht leisten können“, berichtet Mag. Scheutz. Auch diesem Verhalten, so die Psychotherapeutin, liegen meist ungelöste Kindheitsmuster zugrunde.

LIEBER ÖFTER FRAGEN

Wie viel frau braucht, um sich wohl und sicher zu fühlen, liegt also im persönlichen Ermessen. Wichtig ist, sich rechtzeitig umzuschauen, welche Vorsorgemaßnahmen genügend Vertrauen erwecken und zu den persönlichen Einkommensverhältnissen passen. Bei aufmerksamem Suchen, Vergleichen von Möglichkeiten und Inanspruchnahme aller angebotenen Beratungsleistungen wird frau auch in schwierigen Zeiten Lösungen finden. Fragen Sie dreimal nach! Und wenn Sie ein Produkt oder einen Vertrag absolut nicht verstehen, lassen Sie die Finger davon. Ein Berater, der Ihnen das nicht erklären kann oder will, hat einen Grund. Möglicherweise versteht er ja selbst nicht ganz genau, was er da anbietet. Bleiben Sie lästig und hartnäckig! Sie wissen schon: Brave Mädchen kommen in den Himmel. Böse überallhin. Auch zu Geld.

Dr.in Ingrid Mylena Kösten ist Gründerin und Geschäftsführerin der 1991 gegründeten Weiterbildungsagentur womanSuccess. Sie zählt zu den Toptrainerinnen mit frauenspezifischen Schwerpunkten und ist seit über 15 Jahren für Unternehmen, Verbände und führende Seminaranbieter tätig.

Mag.a Andrea Scheutz ist Psychotherapeutin, Coach und Gesundheitswissenschafterin. Seit mehr als 20 Jahren ist sie auf frauenspezifisches Coaching spezialisiert und unterstützt Frauen dabei, neue Perspektiven hinsichtlich aktueller beruflicher und privater Problemstellungen zu finden und so den Alltag befriedigender zu gestalten.