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Dann lieber Gangschaltung?

Ein gekonnter Griff im Halbschlaf, eine automatische gesummte Schlafliedmelodie, die wie eine Schallplatte immer und immer wieder abgespielt wird, das obligatorische „es wird“ als Antwort auf die mehrmals täglich gehörte Frage: „wie geht’s?“. Diese und ähnliche Automatismen haben sich nach gut vier Monaten mit dem Baby eingestellt. Babypflege im Automatikmodus?

Als emanzipierter, feministisch denkender Mensch habe ich es mir ausgemalt wie sehr wir die klassische Rollenverteilung in unserer Kleinfamilie untergraben werden und was wir nicht alles an Klischees aufbrechen und mühelos unsere eigenen Rollenbilder und Identitäten als Eltern entwerfen werden. Zum Teil haben wir das bestimmt geschafft und gemacht – dennoch sehe ich die tagtägliche, pragmatische Umsetzung dieser Ziele als schwierig und aufreibend. Die französische Philosophin Elisabeth Badinter bringt das Dilemma mit der Mutterschaft auf den Punkt. Sie sieht vor allem den Wandel in der Gesellschaft hin zu einem neuen und aus Ihrer Sicht rückschrittlichen Mutterideal als sehr problematisch. Die Mutter von heute soll ihr Kind stillen, ökologisch nachhaltig agieren, ihr Kind bestmöglich und rundum fördern und das alles Vollzeit und somit lange Zeit komplett aus dem Arbeitsprozess aussteigen. Im Französischen entspricht das dem Begriff „l’enfant roi“ – das Kind ist der König. Im Gegenzug wird erwartet, dass sich das Kind perfekt entwickelt und auch perfekt wird, damit die viele Arbeit Früchte trägt. Durch dieses neue Ideal wird gesellschaftlicher Druck aufgebaut, der sich besonders gegen die richtet, die sich für ein anderes Modell entscheiden oder deren Kinder eben nicht perfekt sind. Aus der Sicht Badinters wird es Frauen damit sehr schwer gemacht sich frei für das Beste für sie in der etwaigen Lebenssituation zu entscheiden.

In einer Woche endet die Karenz meines Mannes und er wird wieder seiner Vollzeitbeschäftigung an der Uni nachgehen. Ich frage ich mich wie es mir gelingen wird an meiner Karriere zu arbeiten und meine beruflichen Ziele weiterhin beharrlich zu verfolgen, obwohl wir vereinbart haben, dass die Hauptbetreuungsverantwortung die nächsten Monate ich tragen werde. Werde ich in die viel zitierte Schuldfalle tappen und mir permanent Selbstvorwürde machen oder wird mit der ebenfalls oft als Phänomen beschrieben sinnbildliche Spagat zwischen Familie und Beruf gelingen? Ich bin gespannt!

 

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