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Das erste Mal Farbe im Gesicht

Schwitzen, zur U-Bahn hetzen, den Schmuck vergessen haben, um dann doch irgendwann etwas zur Ruhe zu kommen und zu genießen. So viele Leute um mich herum, ihre Nähe macht mich ein bisschen unruhig. Ich fühle mich wie in einer fremden Stadt mit bunten Lichtern, frisch-würziger Luft, fühle eine Stimmung, die alles möglich macht. Das erste Mal gemachte Haare, Farbe im Gesicht und Hände, die nicht den Kinderwagenbügel umklammern. Ja, ich war draußen ohne Kind, ganze drei Stunden. Es ist mir wie eine Ewigkeit vorgekommen und der Vortrag, den ich gehalten habe, war für mich wahrscheinlich aufregender und spannender als für das Publikum. Ich habe jede Sekunde genossen und ausgekostet, endlich wieder als Künstlerin in der Öffentlichkeit zu stehen. Dann war auch noch eine liebe Freundin anwesend mit der ich vor und nach der Veranstaltung schallend über halbwitzigen Unfug gelacht habe, so wie damals, als wir noch sorgenfreie Studentinnen waren. Daheim angelangt und meinen Sohn friedlich neben dem Vater schlummern zu sehen war die Belohnung der Belohnung. Die drei Stunden Abenteuer haben zu einer tiefen inneren Zufriedenheit geführt und das Heimkommen zu meiner Familie war unbeschreiblich schön.

Ich habe es meiner Mutter nicht geglaubt, als sie von Anfang an meinte, ich solle raus, wenn auch Anfangs nur eine Runde um den Häuserblock um Schaufenster anzugaffen oder einfach nur in der Gegend herumzustreunen. Ich konnte unseren Liebling nicht einmal für 20 Minuten bei einem Mann lassen, aus Angst, er würde wieder untröstlich weinen und ich wäre dann nicht da für ihn. Es ist an der Zeit, dass ich mir in kleinen und großen Häppchen Stück für Stück wieder Freiheiten nehme um wieder ganz zu sein und alle Facetten meiner Identität zum Schillern zu bringen. Danke, dass ihr immer für mich da seid Mama, Papa und Stefan!

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