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Das kleine Sandkisten Einmaleins

Die Sandkiste ist wie ein kleinkindlicher Mikrokosmos. Hochemotionale Dramen finden statt – Konflikte, und zwar nicht nur zwischen den Kindern, spielen sich ab. Kinder, die beißen, zwicken, kratzen, treffen auf übervorsichtige Helikoptereltern, angehende KleptomanInnen entreißen wohlbehüteten Einzelkindern den großelterlichen Bagger, kunstvolle Gebilde von BaumeisterInnen werden von Krawallkäfern in der „Bam-Bam“-Phase kaputtgetreten. Wenn das kein Zündstoff ist!

Am Schwierigsten finde ich persönlich den Umgang mit der elterlichen Einmisch-Schwelle. Manche Eltern entspannen stoisch grinsend und ihren Tagträumen nachhängend neben der Sandkiste und würden kaum je eingreifen wenn ihr Spross Spielsachen mopst, anderen Kindern Schaufeln überbrät oder Sandattacken verursacht. Meinen Beobachtungen zufolge sind diese entspannten Wesen oft mehrfach Eltern. Irgendetwas scheint zu passieren, wenn man den Baby-Wahnsinn der ersten Monate mehrfach durchlebt hat. Vielleicht ist es sogar so, dass das elterliche Hirn einfach durchbrennt bei Überlastung. Totalschaden sozusagen, der zu einer gelassenen Grundhaltung dem Nachwuchs und überhaupt führt. Oder es ist der Elternmuskel, der einfach sehr gut trainiert und fit ist? Diesem mehrfachelterlichen Beispiel gegenüber stehen Einzelkindeltern, die wie ein Geier auf zwei Beinen drei Zentimeter neben ihren Kindern in der Sandkiste lauern – allzeit bereit, den Sproß vor jededem Unbill zu bewahren.

Eine weitere ungeschriebene Sandkistenregel lautet: „Um Mitzuspielen müssen mindestens zwei eigene Sandspielzeuge als Tauschware mitgebracht werden.“ Ansonsten wird man argwöhnisch als Schmarotzer beäugt – kein angenehmes Gefühl, was ich aus meiner Sandkistennovizinnenzeit nur bestätigen kann. Die Tauschware deutlich vor dem Kind drapierend kann nun munter getauscht, gemopst und gemeinsam gespielt werden. Warum allerdings das Spielzeug der anderen grundsätzlich spannender und interessanter ist, habe ich noch nicht ganz verstanden. Ich warte darauf, dass mir das mein Sohn bald mit eigenen Worten erklären wird.

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