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Das Leben als schiefe Ebene
Christine Haiden unterwegs: Wo sich das wirkliche Leben kurz zeigt, flüchtig, nebenbei, und zum Weiterdenken anregt.

Als Jasmine das erste Mal im Bild ist, redet sie im Society-Plauderton auf eine ältere Dame ein, die neben ihr im Flugzeug sitzt. Von ihrem Mann, wie sie ihn kennengelernt hat, was er ihr zur Hochzeit geschenkt hat, was er beruflich macht, wie super das Leben mit ihm ist, Erfolg, Glanz, Glamour. Ohne Unterlass plappert sie. Später erfährt man, dass dieser Mann ein Hochstapler war, sie dauernd betrogen hat, dass sie ihn verraten, er sich das Leben genommen hat und sie wegen der folgenden Totalpleite bei ihrer wesentlich ärmeren Schwester Zuflucht nehmen muss.

Als Jasmine zum letzten Mal im Bild ist, sitzt sie auf einer Parkbank und redet wieder von ihrem neuen Mann, der sie nun heiraten, mit ihr einige Jahre nach Wien gehen und sie dann als Politikergattin an seiner Seite haben wird. Auch diese Geschichte stimmt längst nicht mehr. Die ältere Dame, die zufällig neben ihr sitzt, steht auf, entfernt sich lautlos. Jasmine redet weiter. Mit sich. Erzählt sich ein Leben, ihr Leben, das so nicht stimmt und sich so nicht ereignet.

Das hat Woody Allens Film eben 90 Minuten lang gezeigt. Jasmine und ihre Schwester -„Wir sind beide adoptiert, aber Jasmine hatte die besseren Gene!“- suchen ihr Glück, meinen es bei Männern zu finden. Die eine groß, schlank, blond, schön, die andere klein, dunkel, maximal hübsch. Die eine als Gattin scheinbar reicher Männer, die andere als Supermarktkassierin mit Männern, die zwar Loser sind, aber zumindest für Spaß zu haben. Wieder einmal erzählt Woody Allen über das Leben. In dem seine Protagonistinnen sich am Ende allein fühlen, in dem jede um einen Zipfel von Sorglosigkeit und Wohlstand kämpft, um eine gute Beziehung und besseren Sex, in dem aber am Ende die Erkenntnis bleibt: Du bist allein. Du kannst dir selbst erzählen, was ist oder was du haben möchtest. Es ist egal. Dir hört keiner zu, du nervst die anderen mit deiner Geschichte. Das Leben ist eine schiefe Ebene. Wir können nur versuchen, nicht unkontrolliert abzurutschen. Oder wenn schon, mit Stil. Wie Jasmine, die trotz Schulden Businessclass fliegt und noch auf der Parkbank das Designer-Twinset trägt.

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