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Das Leben hinter der Stille

Ein Großteil der Geschichten bzw. Romane Selma Lagerlöfs (1858 – 1940) spielen in der ländlichen, vorindustriellen Welt: Das Schreiben stellte sie über alles, auch über ihre Freundschaften, auch über ihren Eintritt in die Frauenbewegung. Lagerlöf, die 1909 als erste Frau den Nobelpreis für Literatur erhielt und die 1914 ebenfalls als erste Frau in die Schwedische Akademie eintrat, verließ 1881 Mittelschweden, trat in Stockholm zur Lehrerinnen-Ausbildung an und hörte seither nie mehr auf, zu reisen und die Welt zu erkunden. Leicht sei ihr dieser Aufbruch nie gefallen, auch sei es für sie eine Kraftanstrengung gewesen, in der Männerwelt als Schriftstellerin zu bestehen. In einem Brief an ihre Freundin, die Schriftstellerin Sophie Elkan, räumt Lagerlöf mit einigen Mythen um ihre Person auf:

Es handelt sich um eine einzige lange Variation über das Wort Wille. Es ist wirklich so, als sei mir nichts angeboren, sondern als hätte ich meine Begabung selber geschaffen, indem ich sie mir herbeigewünscht habe. Ja, der Ehrgeiz ist mir vermutlich angeboren und die Gabe zu reimen, aber kaum mehr. (S. 9)

Lagerlöf, so erzählen es unzählige Briefe, hat sich im Rampenlicht nie wohl und sicher gefühlt: Sie fürchtete – aus ihren Erfahrungen übrigens zurecht – die Gnadenlosigkeit des Publikums und dessen vernichtende Kritik. Ihre Einladung, Mitglied der Schwedischen Akademie zu werden, nahm sie übrigens an, um Frauen mehr Bedeutung im öffentlichen Raum zu geben. 1911 sprach Selma Lagerlöf beim 6. Internationalen Frauenwahlrechtskongress in der Stockholmer Oper vor 900 Frauen aus 22 Ländern. Lagerlöf setzt sich für AutorInnen u. a. für Nelly Sachs ein, hilft den nach Schweden Geflüchteten und tritt immer wieder für die Frauenrechte auf. Die Briefzitate zeichnen ein vielfältiges Bild der Autorin, die ihre Liebe zu einer Frau immer wieder schreibend reflektiert: Eine mutige Frau, die eigenwillig ist, die stark und zugleich schüchtern auftritt.

 

Was Sie versäumen, wenn Sie diese Biografie nicht lesen: Eine interessante Zeitreise, Freundschaftsgeschichten, Innensichten, Produktionsbedingungen der großen Selma Lagerlöf, die 1909 als erste Frau den Nobelpreis für Literatur erhielt.

 

Der Autor ist 1962 in Würzburg geboren, studierte Nordische Philosophie und lebt als Autor, Übersetzer und Herausgeber in Stockholm. Er hat u. a. Erzählungen Selma Lagerlöfs in drei Bänden herausgegeben.

 

 

Holger Wolandt:

Selma Lagerlöf.

Värmland und die Welt.

Eine Biografie.

Verlag Urachhaus.

320 Seiten.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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